In der Sonnenbergstraße in Korntal haben die Bewohner einen guten Blick auf die Strohgäubahn. Zu hören ist das gelbgrüne Bähnle auch. Foto: Geronimo Schmidt

Das Rathaus muss darlegen, was es tut, um Krach zu reduzieren und lärmgeplagte Anwohner zu entlasten. Trotz Nachbesserungen bleibt der Lärm ein Zankapfel.

Die Anwohner der Sonnenbergstraße in Korntal sind genervt. Vom Lärm und davon, wie die Stadt mit dem Thema umgeht. In einem offenen Brief ans Rathaus machen sie ihrem Unmut Luft. Unter anderem monieren die Anwohner, dass der Entwurf eines sogenannten Lärmaktionsplans anders als vorige Pläne bloß die Hauptverkehrsstraßen A 81, B 10 und die Landesstraßen 1141 und 1143 betrachte – nicht jedoch einen Großteil der Straßenabschnitte, die zwar kein Verkehrsaufkommen von rund 8200 Fahrzeugen täglich hätten, aber trotzdem maßgeblich zum Lärmaufkommen beitragen würden.

 
Zu wenig Fahrten für Lärmmessungen: die Strohgäubahn. Foto: Simon Granville

Die Folgen legen die Anwohner anhand ihrer Situation dar. Weil die Stadt die Betrachtung der Gesamtlärmsituation ausschließe, gilt die Sonnenbergstraße als „untergeordneter Lärmschwerpunkt“, für den man daher keine Maßnahmen prüfen müsse – obwohl unabhängige Gutachten auf höhere Dezibelwerte kämen als die Stadt: Pegel, die jegliche Grenzwerte übersteigen würden. Sauer sind die Anwohner auch, da im Entwurf des Lärmaktionsplanes weder der Krach durch die Bahntrasse berücksichtigt wird – was laut dem Umweltbundesamt aber sogar Pflicht sei – noch der Strohgäubahn.

Anwohner: Stadt hat Beteiligung der Öffentlichkeit umgangen

Auf all das hätten die Bürger reagieren können, „konstruktive Anregungen zur Reduzierung der Immissionen“ geben können. Eine Arbeitsgemeinschaft auf Bund-Länder-Ebene fordere, die Öffentlichkeit frühzeitig einzubeziehen. Das habe in Korntal-Münchingen, anders als in anderen Kommunen, „nicht ansatzweise stattgefunden“.

Das Thema Lärm lässt die Emotionen hochkochen. Zügig auf einen gemeinsamen Nenner kommen? Kein Kinderspiel! Bestes Beispiel ist die Diskussion in Korntal-Münchingen. Im Kampf gegen den Krach schreibt die Stadt ihren Lärmaktionsplan fort – wie andere Kommunen auch. Darin steht, was getan wird, um Krach – etwa durch Straßenverkehr – zu reduzieren und Anwohner zu entlasten. Dabei wird die Lärmsituation im Ort anhand schalltechnischer Berechnungen ermittelt und bewertet. Maßgeblich sind sowohl die Lärmpegel an den Gebäuden als auch die Anzahl der Menschen, die vom Lärm betroffen sind.

Stadt: Lärmthema „nicht optimal beackert“

Korntal-Münchingen hat das Planungsbüro Accon an der Seite. Dessen Entwurf hat die Stadtverwaltung im April dem Gemeinderat vorgelegt. Danach wurde der Entwurf vier Wochen lang öffentlich ausgelegt. Schon in jener Sitzung teilten die Ratsmitglieder Kritik aus. Sie mahnten Ähnliches an wie die Anwohner. Daraufhin setzte die Stadt eine Infoveranstaltung für den 15. Juli an, auch, um die Bürger zu hören.

Das Lärmthema sei „nicht optimal beackert“ worden, räumte Kai Langenecker, der Technische Beigeordnete der Stadt, jetzt ein – unter anderem wegen Personalwechsel und Änderungen bei den Zuständigkeiten. Aus Zeitdruck habe man nur bearbeitet, was gesetzlich nötig ist. Auch hat die Stadtverwaltung laut Langenecker weder mit so ausführlichen Stellungnahmen aus der Bevölkerung gerechnet noch damit, dass sie „viele interessante Dinge“ enthalten. In ihrer Abwägung habe die Verwaltung infolge „ein bisschen unglücklich formuliert. Das war nicht unsere Absicht.“

Strohgäubahn bleibt weiter außen vor

Das Planungsbüro hat drei Lärmschwerpunkte ermittelt: an der Südstraße, der Solitudeallee bis zur Zuffenhauser Straße und im Kreuzungsbereich der B 10 und A 81. Ausgewiesen werden im Entwurf nun auch konkrete Maßnahmen und die Belastung durch die Haupteisenbahnstrecken. Thea Hirle vom Planungsbüro Accon betont aber, das Eisenbahnbundesamt sei für die deutschlandweite Lärmaktionsplanung zuständig.

Die Strohgäubahn ist weiter außen vor. Weil pro Jahr dort weniger als 30 000 Züge verkehren – sondern grob geschätzt lediglich 13 000 – gehört sie nicht zum Pflichtteil eines Aktionsplanes. Die Stadt kann ihren Lärm aber freiwillig untersuchen lassen. Was der Stadtrat Peter Ott (FDP) fordert. Er kündigte einen entsprechenden Antrag im Gemeinderat an. Am liebsten hätte er den Lärm in der gesamten Stadt betrachtet. „Wäre das nicht wichtig, um zu einem sinnvollen Ergebnis zu kommen?“ Laut der Stadtverwaltung kostet ein solches „Gesamtlärmbild“ einen sechsstelligen Betrag und zwei bis drei Jahre Arbeit im Rathaus.

Anne-Hilde Föhl-Müller (Freie Wähler) ärgert sich aus anderen Gründen. Ihr gehe der Aktionsplan generell zu weit – wie auch zu umfangreiche Stellungnahmen der Bürger. „Bahn und A 81 sind die Lärmprobleme“, sagt sie. Hierfür sei die Stadt nicht zuständig. Für Harald Wagner (Grüne) ist dagegen klar: Die Stadtverwaltung muss die Stellungnahmen ordentlich bearbeiten. „Sonst kriegt es der Gemeinderat ab.“

Die Bürger sind gefragt

Bürgerinfo
Die Infoveranstaltung zur „Lärmaktionsplanung Stufe 4“ am Dienstag, 15. Juli, beginnt um 18 Uhr im Widdumhof Münchingen. Die Stadt will „alles über die geplanten Maßnahmen zur Lärmminderung“ mitteilen. Zudem könnten die Bürger L Vorschläge einbringen. Die Rückmeldungen würden in die weitere Planung miteinfließen. Am 16. Oktober wird der Gemeinderat darüber entscheiden.

Bahn
Der Bahnlärm ist nicht Teil des Lärmaktionsplans der Stadt Korntal-Münchingen. Demnach erfolgt eine separate Veranstaltung der Bahn zu den geplanten Maßnahmen an der Strecke, sobald konkrete Informationen vorliegen.