Stephan Dabbert hat selbst an der Universität Hohenheim promoviert und war dort jahrelang als Professor tätig. Foto: Eileen Breuer

Der Rektor der Universität in Stuttgart-Hohenheim ist zum beliebtesten in Baden-Württemberg gekürt worden. Das ist bei Weitem nicht das erste Mal. Stephan Dabbert erzählt, was das für ihn bedeutet.

Hohenheim - Stephan Dabbert sitzt im wohl schönsten Büro Deutschlands: Sein Arbeitszimmer befindet sich im Schloss. Schaut der Hochschulrektor der Universität Hohenheim aus dem Fenster, kann er den Blick über alte Baumriesen schweifen lassen. Doch nicht nur der Campus der Universität räumt Preise ab. Dabbert belegt im Rektorenranking des Deutschen Hochschulverbandes bundesweit Platz zwei, er ist Baden-Württembergs beliebtester Rektor. Und das, obwohl er mit seinen Entscheidungen nicht allen Interessen gerecht werden kann, wie er im Interview sagt.

Sie wurden nun zum sechsten Mal in Folge zum beliebtesten Unirektor Baden-Württembergs gekürt. Freut man sich nach diesen Auszeichnungen über eine weitere?

Ja, ich freue mich sehr über die wiederholt guten Bewertungen. Die Auszeichnung ist – vergleichbar einem Thermometer – eine Stimmungsmessung für die ganze Uni. Es zeigt, dass wir in Hohenheim sehr gut miteinander zusammenarbeiten. Die Stimmung ist in der ganzen Uni über viele Jahre gut.

Die Universität Hohenheim heimst ein Lob nach dem anderen ein: Sie wurde zur Universität mit dem schönsten Campus gekürt, 2018 wählten Studierende sie zur beliebtesten Uni im Ländle, und auch Sie als Rektor sahnen Bestnoten ab.

Das Ranking des beliebtesten Rektors geht auf eine Umfrage des Hochschulverbandes zurück, im Kern sind es die Professoren und die Habilitierten, die dort Mitglied sind. Dass auch die Studierenden die Uni Hohenheim schätzen, ist mir ganz besonders wichtig. Für die Universität Hohenheim ist es gut, wenn wir auf mehreren Feldern glänzen.

Mit der bundesweiten Auszeichnung „Rektor des Jahres“ würdigt der Deutsche Hochschulverband eine vorbildliche Amtsführung. Ähnlich wie eine Personalerin im Vorstellungsgespräch möchte ich Sie nun fragen: Wo sehen Sie selbst Ihre Stärken, wenn es um das Amt des Hochschulrektors geht?

Es ist, glaube ich, ein Vorteil, dass ich hier lange selbst als Professor gearbeitet habe und dadurch die wissenschaftlichen Abläufe an der Universität verstehe. Ich fühle mich Hohenheim in besonderem Maße verbunden und denke, dass ich deshalb als Rektor besonders gut hierher passe.

Ein Kommentar eines Stimmberechtigten lautete: „Professor Dabbert ist kreativ, offen, entscheidungsfähig und außerordentlich sozialkompetent. Er ist ein Geschenk und absoluter Glücksfall für die Universität Hohenheim!“ Wie fühlt sich dieses Lob an?

Es freut mich sehr! Im wirklichen Leben kommt allerdings nach einer solchen Eloge dann meist doch noch ein Aber. Das fehlte bei der Aussage. Trotzdem: Ich hebe deswegen jetzt nicht ab: Ich habe das Zitat zu Hause nicht hinter den Spiegel geklemmt, um es jeden Tag durchzulesen.

Was ändert sich für Sie durch den Titel?

Ich werde außerhalb der Uni immer wieder auf diese Auszeichnung angesprochen. Sie erleichtert natürlich das Geschäft. Es ist manchmal ein guter Anknüpfungspunkt für eine Konversation. Zum Beispiel sprach mich kürzlich eine hochrangige politische Persönlichkeit darauf an, und wir kamen darüber ins Gespräch. Nach innen ist es gut, Vertrauen in die eigene Arbeit zu spüren. Dieses Vertrauen erleichtert die Aufgaben als Rektor, die mir prinzipiell viel Spaß machen, die aber manchmal auch schwierig sein können.

Worin liegt die besondere Herausforderung an Ihre Aufgaben jetzt während der Corona-Krise?

Momentan sind täglich unter hohem Zeitdruck und in Absprache mit vielen Personen Entscheidungen zu treffen. Wir müssen ja Lehre und Forschung am Laufen halten und die rechtliche Situation berücksichtigen, und dabei bestmöglich die Gesundheit der Uniangehörigen schützen. Das kommt manchmal durchaus der Quadratur des Kreises gleich.

Welche Aufgaben – neben Corona – empfinden Sie als besondere Herausforderungen?

In den letzten Monaten war eine der Herausforderungen, in Gesprächen mit dem Land zum Thema Hochschulfinanzierung eine tragfähige Lösung zu finden. Das haben wir Ende März abgeschlossen. Und innerhalb der Universität ist die Klimafreundlichkeit eine große Herausforderung. In der Forschung und Lehre denken wir beispielsweise darüber nach, wie sich die Landwirtschaft auf den Klimawandel einstellen kann. Die andere Seite ist der Betrieb der Uni. Wir tun schon eine ganze Menge, in der nachhaltigen Mobilität, aber auch bei Energieeinsparung, zum Beispiel über Blockheizkraftwerke. Wir haben Erfolge erzielt, wie zum Beispiel die Buslinie, die inzwischen zum Flughafen und damit zur S-Bahn und den Regionalbussen fährt und so den ÖPNV attraktiver macht. Wenn wir wirklich eine durchschlagende Verminderung der CO2-Emissionen erreichen möchten, müssen wir Lösungen für einen klimaneutralen Betrieb der Gebäude finden. Das braucht hohe Investitionen. Das ist ein dickes Brett.

Erfolg bringt oft auch Neider mit sich. Wie ergeht es Ihnen damit?

Natürlich gibt es immer auch Menschen, die mit der Amtsführung unzufrieden sind. Denn wenn man für etwas entscheidet, entscheidet man immer auch gegen etwas. Und natürlich sind diejenigen, die ihre Vorstellungen nicht durchsetzen konnten, dann mit der Entscheidung nicht zufrieden. Das wird immer mal wieder den einen oder anderen vor den Kopf stoßen. Ich empfinde das nicht als Neid, sondern sehe es so, dass man nicht allen Ansprüchen gerecht werden kann.

Wie ist es, wenn man jemanden auch mal vor den Kopf stoßen muss? Hadern Sie manchmal auch mit sich selbst?

Wenn ich direkt gegen die Wünsche oder Vorstellungen einer Person entscheiden muss, lade ich sie meist ein und erkläre die Entscheidung. Im Vorfeld von Entscheidungen bemühe ich mich, viele Aspekte miteinzubeziehen und dann zu einem Ergebnis zu kommen. Natürlich bin ich trotzdem nie hundertprozentig sicher, ob es die richtige Entscheidung war. Und Jahre später ist man oft auch schlauer. Aber ich hadere in der Regel nicht mit meinen Entscheidungen.

Zur Person Stephan Dabbert

Stephan Dabbert wurde in Braunschweig geboren. Seine Verbundenheit zur Natur äußert sich nicht nur in seinem beruflichen Werdegang. Der Agrarökonom verbringt auch heute so viel Zeit wie möglich an der frischen Luft. Sein Lieblingsziel ist der Schwarzwald.

Dabbert absolvierte eine landwirtschaftliche Lehre. Im Anschluss studierte er Agrarwissenschaften in Kiel. Das Studium der Agrarökonomie schloss er an der Pennsylvania State University ab. Er promovierte in Hohenheim, wo er sich auch habilitierte.

Von 1992 bis 1994 leitete er das Institut für Sozioökonomie am Zentrum für Agrarlandschafts- und Landnutzungsforschung, bevor es ihn 1994 wieder an die Universität Hohenheim zog. Dort war er sowohl als Professor als auch als Dekan tätig. Seit 2012 ist er nun Rektor.

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