Der Stadtgarten hinter den Gebäuden K1 und K2 der Universität ist nicht in dem Zustand, wie ihn die Universität gern hätte. Foto: Lichtgut/Verena Ecker

Wie müssen Forschung und Lehre und der bauliche Zustand der Stuttgarter Hochschulen beschaffen sein, damit Wissenschaft nicht Elfenbeinturm, sondern Marktplatz ist? Auch OB Fritz Kuhn hat mitdiskutiert.

Stuttgart - Wie müssen Forschung und Lehre und der bauliche Zustand der Hochschulen beschaffen sein, damit Wissenschaft nicht im Elfenbeinturm sitzt, sondern sich auf einem Marktplatz darbietet? Darüber haben Städtebauer, Stadtplaner und Professoren beim Symposium Campus 2030 diskutiert, das sich mit der Gestaltung der Universitäts- und Hochschulstandorte befasste. OB Fritz Kuhn schlägt einen Hochschultag vor.

Die Bilder aus Bologna sind beeindruckend. Architekt und Stadtplaner Frank Pesch, emeritierter Professor des Stuttgarter Städtebau-Instituts, zeigt, dass dort Institute mitten in der Stadt angesiedelt sind, eingebettet zwischen Cafés und Geschäften unter Arkaden. Davon ist Stuttgart weit entfernt. Man wolle, so Pesch, das studentische Wohnen künftig mehr in der Mitte des Vaihinger Campus ansiedeln und auch dort die Erdgeschosse zugänglich machen und sie somit beleben.

Kuhn wirbt für den Austausch mit Wissenschaftlern

„In Stuttgart gibt es kein Studentenleben wie in Tübingen oder Heidelberg“, sagte Gastredner OB Fritz Kuhn, „freitags sind die weg.“ Das sei dem Preis fürs Wohnen geschuldet: „Wir haben einen sehr hohen Anteil von Heimschläfern an der Uni, weil wir zu wenig (bezahlbaren) Wohnraum für Studenten haben. Wenn man Hochschulstadt sein will, darf das nicht nachgelagert sein.“ Kuhn will „die technische und soziale Intelligenz an einen Tisch mit der Stadt kriegen“, das habe man bisher nicht geschafft. „Es muss mehr gemeinsame Foren geben, man muss dieses Sicheinmischen intensivieren.“

Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, kündigt Kuhn an, er wolle „die Hochschulstadt zur Chefsache machen“. Ein jährlich wiederkehrender, themenbezogener Wissenschaftstag sei angebracht. „Dafür werde ich im Gemeinderat werben“, kündigte er an.

Drogendepot Stadtgarten

„Die beste Uni ist die, die man nicht findet, die eingebettet ist zwischen Läden, Wohnungen und Dienstleistungen wie in New York“, sagt Kees Christiaanse. Er ist einer der renommiertesten Städteplaner der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. Im Tiefenhörsaal der Universität Mitte bedauert er den Trend der 1960er Jahre zum Bau von „Megaquartieren“ am Stadtrand, „vor allem für Naturwissenschaften und Technik“, sagt er. Damit ist die Situation in Stuttgart exakt beschrieben: Die Ingenieure sind im Megaquartier in Vaihingen ansässig, die Geisteswissenschaften in der Stadtmitte. Doch auch aus solchen Verhältnissen lässt sich das Beste machen, folgt man Kees Christiaanses Beispielen.

Der Münchner Campus liegt – wie der in Vaihingen – abseits der City, ist aber so angelegt, dass er ein eigenes Zentrum hat – mit belebten Erdgeschossen. Die ETH Zürich hingegen hat zahlreiche verstreut liegende Einrichtungen, dafür aber eine Lösung gefunden: Alle Institute sind informationstechnologisch vernetzt und über eine eigene Buslinie verbunden.

Bologna als Paradebeispiel

Die Beschäftigten auf dem Campus Mitte empfinden ihren Standort, obwohl er mitten in der Stadt liegt, als zweit- bis drittklassig: Sie bemängeln fehlende Klimaanlagen in den Instituten, den als Drogendepot missbrauchten Stadtgarten, fehlende Gelegenheiten, sich dort im Park zum Essen oder Arbeiten treffen zu können und die Vernachlässigung von Holzgarten- und Breitscheidtstraße. Seit fünfeinhalb Jahren plane man eine Erneuerung des Campus’, jetzt müssen die emeritierten Planer das Konzept in andere Hände geben. Bei den Rektoren und Dekanen Michael-Jörg Oesterle (Uni Stadtmitte), Rainer Franke (Technische Hochschule) und Joachim Weber (Duale Hochschule) nachgefragt, kristallisiert sich der Wunsch nach einem gemeinsamen Forum auf dem Innenstadtcampus heraus. Rainer Franke: „Wir sollten alle zusammen etwas aus dem Trümmergrundstück machen.“

Claudia Reusch vom Finanzministerium gefällt die Idee: „Eine gemeinsame Einrichtung fällt bei uns auf fruchtbaren Boden.“ Nun muss nur noch das Geld fließen. Baubürgermeister Peter Pätzold hofft auch, dass der Gemeinderat für die Gestaltung des Stadtgartens und seine Anbindung ans Klinikum Mittel frei macht: „Damit wird der Stadtgarten zum Patientengarten.“

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