Die Anlage des Höchstleistungsrechenzentrums der Universität Stuttgart gehört zu den weltweit leistungsstärksten Supercomputern. Foto: dpa

153 Millionen Euro stecken Land und Bund in den kommenden Jahren in das Höchstleistungsrechenzentrum der Uni Stuttgart. Davon profitieren soll vor allem die forschungsintensive Industrie.

Stuttgart - 76,5 Millionen Zuschuss für die Jahre 2017 bis 2024 segnete das Landeskabinett am Dienstag ab, die gleiche Summe kommt zudem noch aus Bundesmitteln hinzu. Die Unterstützung des Höchstleistungsrechenzentrums (HLRS) der Universität Stuttgart stellt für die Landesregierung „ein starkes Signal für Spitzenforschung und Wissenstransfer in Baden-Württemberg“ dar, wie Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (beide Grüne) vor Medienvertretern verkündeten. Zusammen mit Standorten in Jülich und Garching bildet das HLRS Stuttgart den nationalen Verbund für Hochleistungsrechner. Wobei Stuttgart mit dem Rechnersystem Cray XC40, genannt Hazel Hen, derzeit nicht nur bundesweit, sondern auch in Europa über die leistungsfähigste Anlage verfügt.

„Moderne Grundlagenforschung ist heutzutage ohne Simulationsverfahren auf Höchstleistungsrechnern nicht mehr denkbar“, sagte Kretschmann und betonte zugleich den Nutzen für Unternehmen: „Höchstleistungsrechnen ist auch die Basis für viele innovative Produkte und Prozesse in den Schlüsselbereichen der Wirtschaft.“

Vor allem für ingenieurwissenschaftliche Simulationen in der Medizin-, Mobilitäts- und Energieforschung soll Hazel Hen an der Spitze einer dreigliedrigen Infrastruktur im Verbund mit übers Land verteilten kleineren Rechnereinheiten zur Verfügung stehen. „Auch zahlreiche Mittelständler nutzen die Systeme zum eigenen Vorteil“, sagte Ministerin Bauer. Demnach soll nicht nur die Großindustrie vom Wissenstransfer der Spitzenforschung profitieren.

Bestätigung und Ansporn zugleich

„Wir freuen uns über diesen Beschluss und sehen das als Bestätigung unserer bisherigen Arbeit und als Ansporn für die weiteren Arbeiten“, sagte HLRS-Direktor Michael Resch in einer ersten Reaktion gegenüber unserer Zeitung.

Dass der Stuttgarter Superrechner nicht nur in Deutschland und Europa eine beachtliche Rolle spielt, zeigt eine Ende November veröffentlichte Rangliste der weltweit leistungsfähigsten Anlagen. Dort schaffte es Hazel Hen in zwei Kategorien unter die besten zehn. Bei der Rechengeschwindigkeit ist das HLRS-Topmodell unter den HPC-Systemen (High Performance Computing) der achtschnellste. 5,64 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde schafft Hazel Hen. Die Zahl mit 15 Nullen liegt jenseits des menschlichen Vorstellungsvermögens. Ein gigantischer Wert. Aber dass es noch eine Nummer größer geht, zeigt „Tianhe-2“. Der Superrechner aus der chinesischen Verteidigungstechnologie führt mit 33,86 Billiarden die Rangliste an – sechs Jahre in Folge haben die Chinesen gegenüber den einst führenden Amerikanern die Nase vorn.

Noch besser platziert ist Hazel Hen, wenn es um den Vergleich der Rechenleistungen der Systeme unter realen Anwendungsbedingungen geht. Bei diesem sogenannten HPCG-Vergleich (High Performance Conjugate Gradient) belegt das Stuttgarter Superhirn den sechsten Platz. „Wir freuen uns sehr, es in die Top-Ten geschafft zu haben. Unser hervorragendes Abschneiden im HPCG-Benchmark ist uns jedoch viel wichtiger, denn für uns steht der Nutzen unserer Technologien für unsere Anwender an vorderster Stelle“, kommentiert Professor Resch die jüngst bei einer Fachkonferenz in Austin/Texas veröffentlichten Listen.

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