Das ist Zentimeterarbeit: Der 16 Tonnen schwere Heizkessel muss genau richtig stehen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

An der Universität in Stuttgart-Vaihingen wurde am Mittwoch ein neuer Wärmetauscher eingebaut. Der 16 Tonnen schwere Heizkessel und der 22 Meter hohe Kamin wurden spektakulär über das Dach geliefert. Wir waren dabei und haben die Bilder.

Vaihingen - Für den Kranführer scheint es nichts Ungewöhnliches zu sein, einen 16 Tonnen schweren Heizkessel von einem Lastwagen hinauf in die Luft zu ziehen und in der Luft von der Waagerechten in die senkrechte Position zu drehen. Der Mann mit den bunt-geringelten Wollsocken, der roten Baseballkappe und den roten Bermudas hat ein Bein auf das andere geschlagen und sitzt zurückgelehnt auf seinem Fahrerplatz. Um ihn herum sehen alle gebannt zu, wie sich der riesige, silberfarbene Koloss in der Luft bewegt.

Spektakuläre Bilder gab es am Mittwoch an der Universität in Vaihingen zu sehen: Am Institut für Luftfahrtantriebe am Pfaffenwaldring 6 wurde mit einem 300-Tonnen-Kran ein neuer Wärmetauscher über das Dach angeliefert. Mit einem solchen Apparat lässt sich thermische Energie übertragen. Der Wärmetauscher für die Luftfahrtforscher in Vaihingen wird für den sogenannten Höhenprüfstand benötigt; mit diesem wird untersucht, wie sich Flugtriebwerke oder ihre Module in großen Höhen unter unterschiedlichen Luftdruck-, Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsverhältnissen verhalten.

Temperaturen bis zu 350 Grad

„Wir machen regelmäßig Versuche in extremer Kälte oder großer Hitze“, sagt Stephan Staudacher, der Direktor des Instituts für Luftfahrtantriebe. „Mit dem bisherigen Wärmetauscher können wir Temperaturen bis 170 Grad Celsius herstellen.“ Der neue Wärmetauscher erreicht bis zu 350 Grad und ist deutlich ökoeffizienter. Die hohen Temperaturen werden beispielsweise benötigt, um Niederdruckturbinen zu untersuchen; diese können extrem heiß werden. Der alte Wärmetauscher soll künftig vor allem genutzt werden, um kalte Temperaturen zu ermöglichen – etwa um zu untersuchen, wie sich die Einzelteile von Hubschraubern in der Antarktis verhalten.

Für den neuen Wärmetauscher braucht es neben mehrerer kleinerer Teile einen Heizkessel und einen Kamin. Diese beiden Teile wurden am Mittwoch durch die Luft über das Dach hinein in das Institutsgebäude transportiert. Beide Teile sind zu groß, als dass sie normal durch eine Tür passen: Der Kamin ist zwar schmal, aber 22 Meter hoch. Und der Heizkessel ist enorm wuchtig; er wiegt 16 Tonnen.

Das Dach wurde bereits vor Tagen abgenommen

„Die eigentliche Maßarbeit besteht darin, dass die Position von dem Heizkessel und dem Kamin in der Halle genau stimmen muss“, sagt der Professor Stephan Staudacher. „Die Rohrleitungen wurden bereits verlegt und Anschlüsse geschaffen – und das muss nun genau angepasst werden.“ Während Stephan Staudacher das erläutert, sieht der Führer des 300-Tonnen-Krans einige Meter weiter gar nicht mehr selbst, was er da gerade tut. Er kann von seinem Führerhäuschen aus nicht in die Halle schauen. Dort steht einer seiner Kollegen und gibt dem Kranführer per Walkie-Talkie Bescheid, in welche Richtung und wie weit der Heizkessel und der Kamin bewegt werden müssen.

Bereits in der vorigen Woche wurde das Dach von der Halle abgenommen, in der der Heizkessel und der Kamin nun eingebaut wurden. „Als wir die Halle im Jahr 2008 gebaut haben, wussten wir, dass wir auf eine gute Zugänglichkeit achten und das Dach vielleicht einmal abnehmen müssen, um solche Teile einzufügen“, berichtet Ulrich Blinne, der Betriebsleiter des Instituts für Luftfahrtantriebe.

Mit dem Tieflader aus Dänemark nach Vaihingen

Nach etwa einer Stunde steht der Heizkessel in dem Gebäude. Dann folgt der knapp fünf Tonnen schwere und 22 Meter lange Kamin. Dieser wurde auf einem etwa 25 Meter langen Tieflader von Dänemark bis nach Stuttgart-Vaihingen gekarrt. „Früher war es so, dass wir die Einzelteile nach Vaihingen liefern lassen haben, die dann vor Ort zusammengebaut wurden. Das ist heute anders“, erläutert Stephan Staudacher.

Insgesamt kostet der Umbau an dem Institut für Luftfahrtantriebe rund 4,5 Millionen Euro – wobei das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie die Firmen MTU Aero Engines und Rolls-Royce das Projekt mittragen. Zum Jahresende soll der neue Vaihinger Wärmetauscher erstmals in Betrieb genommen werden. Bis dahin sind noch ein paar Nacharbeiten nötig: Anschlüsse und die IT müssen angepasst werden. Zu Beginn des neuen Jahres sind dann schon die ersten Versuche mit dem Wärmetauscher geplant.

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