Diese Zeiten sind vorbei: Der Buchladen hat dicht gemacht. Foto:  

Die Studenten der Universität in Stuttgart-Hohenheim wünschen sich schon seit Langem einen Treffpunkt – in Form eines Cafés, einer Kneipe oder etwas Ähnlichem. Doch in die geschlossene Wittwer-Filiale darf jemand anderes einziehen.

Hohenheim - Ein Nachhaltigkeitsraum mit einem Foodsharing-Kühlschrank, einer Werkstatt und viel Platz, um sich nach Vorlesungsende noch mit Freunden zu treffen – das war Ernesto Lunar-Kochs Vision für die ehemalige Filiale der Buchhandlung Wittwer auf dem Campus der Universität Hohenheim. „Wir hatten auch eine Art Uni-Shop geplant, in dem das Hochschulmarketing Merchandise-Artikel verkaufen kann“, sagt der Agrarbiologie-Student, „so hätten wir uns sogar selbst finanzieren können.“ Diese Idee hat der Arbeitskreis Nachhaltigkeit in Zusammenarbeit mit der Hochschulkommunikation bei einem uni-internen Wettbewerb eingereicht. Dort gingen acht Vorschläge zur Nutzung des leer stehenden Buchladens ein.

„Uns waren eigentlich von Anfang an die Hände gebunden“, sagt Lunar-Koch. Er hatte schon die Vermutung, dass er ohne Professoren im Team und Startkapital nicht weit kommt. „Aber davon wollten wir uns nicht unterkriegen lassen“, sagt der 23-Jährige. Also hat er seine Idee an der Uni publik gemacht. „Jeder fand sie gut“, sagt er. Die Uni entschied sich jedoch dagegen. Die Wahl fiel auf einen Vorschlag aus dem Fachbereich Entrepreneurship und Innovationsmanagement. Der Raum wird künftig für die Gründungsförderung genutzt.

Studenten wünschen sich Ort zum Entspannen

Aus der Uni heißt es, dass bei der Bewertung der Vorschläge auch darauf geachtet worden sei, wie innovativ die Idee ist, ob Ressourcen effizient genutzt werden, ob es eine Dienstleistungsorientierung gibt und ob die Idee im Zusammenhang mit Zielen und Themen stehen, die der Uni besonders wichtig sind. Die Gründungsförderung erfüllt offenbar mehr dieser Punkte als der Nachhaltigkeitsraum von Ernesto Lunar-Koch. Der betont, dass er die Idee seiner Konkurrenten gar nicht schlecht findet: „Für diejenigen, die eine Start-up Idee haben, bringt das sicher extreme Vorteile.“

Unter den Studenten herrscht jedoch Unmut, weil die Universität schon länger studentische Vorschläge zur Nutzung des Raums kategorisch abzulehnen scheint. Es ist kein Geheimnis, dass sich die Studenten auf dem Campus eine Bar, ein Restaurant oder schlicht einen Ort zum Entspannen wünschen. Unter anderem in einem Workshop hatten sie Ideen erarbeitet, die ihrer Meinung nach den Campus aufwerten würden. Eine Küche, eine Chill-out-Area und wieder die ersehnte Kneipe kamen zur Sprache.

Für Gastronomie wäre Umbau nötig

Eine gastronomische Nutzung kam seitens der Uni jedoch von Anfang an nicht in Frage. Denn um entsprechende Auflagen zu erfüllen, müsste umgebaut werden. Die Uni spricht von zwei Jahren, die der Raum zusätzlich leer stehen müsste. Zeit, die es sich aus studentischer Sicht zu investieren lohnen würde. Den Kaffee oder das Bier könnte man ja auch mitbringen und sich dann wenigstens gemütlich im ehemaligen Buchladen zusammensetzen.

Die Universität sieht dafür jedoch keinen Bedarf: „Überlegungen, einen neuen allgemeinen Treffpunkt zu schaffen, standen nicht im Mittelpunkt, da es ja gleich nebenan die Thomas-Müntzer-Scheuer als den studentischen Treffpunkt schlechthin gibt, außerdem das Café Denkbar“, sagt Dorothea Elsner, eine Sprecherin der Uni. Für Studenten sind das schlechte Alternativen. „Die Denkbar ist preislich und vom Ambiente her nicht für uns gemacht“, sagt Lunar-Koch, „und die TMS ist eher auf Partys ausgelegt und nichts für einen ruhigen Abend.“

Etwas Hoffnung bleibt

Ein Funken Hoffnung bleibt, dass die Studenten doch noch einen Platz für gemütliches Beisammensein finden: „Die Einreicher des Vorschlags der Gründungsförderung haben angekündigt, Elemente anderer Vorschläge mitaufzugreifen und mit den jeweiligen Ideengebern zu kooperieren“, sagt die Sprecherin Dorothea Elsner, „das Thema Nachhaltigkeit – aus unternehmerischer Sicht – wird bei der Umsetzung voraussichtlich eine große Rolle spielen.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: