Die Backwaren mit Holzfasern kommen frisch aus dem Backofen. Foto: Cedric Rehman

Die Universität Hohenheim stellt eine neue Brotsorte aus Urgetreide vor, mit dem sie an ihre Gründung 1818 erinnern will. Dabei gibt es auch das Brot aus den Hungerjahren zu verkosten. Doch darauf dürfte keiner Lust haben...

Hohenheim - Die Butter mag auf dem warmen Brot nicht so recht zerlaufen, obwohl es frisch aus dem Backofen kommt. Es lässt sich auch nur schwer teilen und nur mit etwas Mühe kauen. Doch der Geschmack ist angenehm weich wie bei einem hellen Weizenbrot. Die Holz- oder Spelzfasern, die im Mehl enthalten sind, scheinen keinen Eigengeschmack zu haben.

Das Brot, das die Universität bei ihrer Veranstaltung verkosten lässt, ist gleichwohl eine im Vergleich zum historischen Vorbild entschärfte Version, betont der Hohenheimer Professor Bernd Hitzmann. Der Getreidewissenschaftler berichtet, aus was die Menschen in den Jahren der Not nach 1815 Brot gebacken haben. Eigentlich sei damals alles zu Mehl verarbeitet worden, was auch nur entfernt als verdaulich gegolten hat. Der Getreidewissenschaftler spricht vom Hungerbrot und nennt als dessen zeitgenössische Zutaten zum Beispiel Moos und Heu. „Das dürfen wir heute aus lebenmittelrechtlichen Gründen nicht mehr verwenden“, sagt Hitzmann.

Jubiläumsbrot wird vorgestellt

Der Zweck der Einladung an die Universität ist eigentlich die Vorstellung des neuen Jubiläumsbrots aus alten Getreidesorten wie Emmer und Dinkel. Die Laibe des Brots, das in Zusammenarbeit mit der Bäckerei Treiber verkauft wird, werden gleichfalls in Scheiben geschnitten und zur Verkostung bereitgestellt. Die Universität will sich anlässlich der Feierlichkeiten 200 Jahre nach der Gründung der Hochschule 1818 mit ihm kulinarisch präsentieren.

Doch bevor die Gäste das sogenannte Jubiläumsbrot kosten können, soll anhand des Hungerbrots verdeutlicht werden, welche Ziele die Hochschule seit ihrer Gründung verfolgt. Professor Hitzmann erklärt, wie es dazu kam, dass nach 1815 Menschen derart verzweifelte Versuche unternahmen, ihren Hunger zu stillen. Im April 1815 brach der indonesische Vulkan Tambora aus. Die dabei ausgestoßenen Aschewolken bewirkten eine globale Abkühlung. Auch in Süddeutschland wuchs zu wenig Getreide auf den Feldern, um Brot zu backen. Folglich hätten die Menschen sich mit dem behelfen müssen, was zumindest verdaulich erschien, erklärt Hitzmann.

Seitdem verfolge die Lebensmittelforschung in Hohenheim das Ziel, die Qualität von Brot zu verbessern. Ein Ergebnis sei zum Beispiel die Wiederentdeckung alter Getreidesorten wie Emmer und Dinkel, meint Hitzmann. Das Jubiläumsbrot aus dem Urgetreide schmeckt bei der Verkostung leicht nussig. Die Butter zerläuft auf ihm übrigens auch.

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