Beate Hörz, Vanessa Schoch, Evelyn Reinmuth, Anna-Lena Mauz und Marcella Gutbrod freuen sich über die Nominierung. Foto: Anja Widenmann

Der Gemüsehof Hörz aus Filderstadt-Bonlanden und die Universität Hohenheim setzen sich mit vereinten Kräften gegen Lebensmittelverschwendung ein. Nun wurde ihre Initiative „Bodenschätze“ für einen Bundespreis nominiert.

Filder - Es sind drastische Zahlen: Jährlich wird mehr als ein Drittel der Ernte weggeworfen, weil das Obst und Gemüse nicht die richtige Form, Farbe oder Größe hat. Schätzungsweise werden in Europa jährlich 50 Millionen Tonnen an essbaren Lebensmitteln vernichtet. Der Bonlandener Biobauernhof Hörz und die Universität Hohenheim setzen sich mit der Initiative „Bodenschätze“ gemeinsam gegen diese Verschwendung ein. Im vergangenen Sommer haben die Beteiligten aussortiertes Gemüse in der Thomas-Müntzer-Scheuer in Hohenheim an Studierende verkauft.

Jetzt wurde der Bauernhof gemeinsam mit 18 anderen Projekten für den Bundespreis „Zu gut für die Tonne“ nominiert. Dieser Preis wird jedes Jahr an Projekte vergeben, die sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzen. Das Ehepaar Hörz wurde über seine Mitarbeiterin Marcella Gutbrod auf den Nachhaltigkeitswettbewerb aufmerksam; diese hatte auf Facebook davon gelesen. Vor wenigen Tagen wurde das Paar informiert, dass das Projekt für einen Förderpreis nominiert ist. Nun geht es für die Hörz’ am 3. April nach Berlin, wo die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Auszeichnung verleiht. Wer von den 18 Nominierten ausgezeichnet wird, entscheidet eine Jury aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.

Ziel ist, die Diskussion in der Bevölkerung anzuregen

Beate Hörz berichtet: „Uns ging es bei dem Projekt vor allem darum, Anreize zu schaffen. Wir wollten eine Diskussion anregen und in der Bevölkerung ein Bewusstsein dafür wecken.“ Die Idee für das Projekt hatte das Paar bereits vor einem Jahr: „Wir haben dann einen Kooperationspartner gesucht – und glücklicherweise hat es mit der Universität Hohenheim geklappt.“

Nachdem sich drei Hohenheimer Studentinnen, zwei Mitarbeiter der Universität und das Ehepaar zusammengefunden hatten, ging es an die Umsetzung. „Wir hatten zunächst nur eine Idee. Daraufhin haben wir an der Uni eine Umfrage durchgeführt, um zu prüfen, ob an einer solchen Aktion überhaupt Interesse besteht und wie viel die Studenten bereit wären, für eine Tüte mit Gemüse zweiter Wahl zu bezahlen“, sagt die Studentin Anna-Lena Mauz. Die Umfrage zeigte großes Interesse bei den Studierenden.

Die Studenten kauften das Gemüse zweiter Wahl sehr gern

Im Sommer ging es dann in die vierwöchige Testphase, wie die Bauernhofleiterin erzählt: „Wir haben 70 bis 100 Tüten pro Woche an der Universität verkauft.“ Die Tüten, die mit saisonalem und regionalem Biogemüse gefüllt waren, konnten vorbestellt und dann an der Universität abgeholt werden. „Somit wurden nur so viele Tüten gepackt, wie auch verkauft wurden und eine erneute Lebensmittelverschwendung damit verhindert.“

Die Uni-Mitarbeiterin Vanessa Schoch berichtet: „Als wir am ersten Tag mit den Tüten eintrafen, haben die Studenten sie uns schon fast aus dem Auto herausnehmen wollen.“ Mittlerweile würden sich bereits viele Studenten nach den Gemüsetüten erkundigen. Noch müssen die Gemüsefreunde vertröstet werden: „Im Sommer werden wir das Projekt wieder mit der Uni anbieten. Im Moment wächst aber außer ein paar Radieschen nicht so viel“, sagt Beate Hörz.

Evelyn Reinmuth, eine Mitarbeiterin der Uni, sieht in dem Projekt ein „Konzept, welches deutschlandweit funktionieren kann“. Außerdem betont sie die gute Qualität des Gemüses: „Natürlich hatte das eine oder andere Gemüse mal eine Delle. Aber ich dachte mir oft, ich wäre froh, wenn das so aus meinem Garten kommen würde. Das ist einfach immer noch top Gemüse mit guten Inhaltsstoffen.“ Schoch ergänzt: „Viele haben uns gefragt, wo ist denn bei dem Gemüse die zweite Wahl?“

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