Die Psychologie bei Preissteigerungen im Nahverkehr ist wichtiger als die tatsächliche Verteuerung der Fahrpreise Foto: dapd

Die 500. Marketing-Abschlussarbeit der Uni erklärt, wieso wir uns manchmal so über die Ticketpreise ärgern.

Stuttgart-Plieningen - So lang es sich gut anfühlt, zahlt der Konsument gern. Das hat ein Student der Universität Hohenheim herausgefunden. Bei seiner Studie ging es aber nicht etwa um das Schuhkauf-Verhalten von Frauen. Michael Hummel hat mit seiner Abschlussarbeit im Fachbereich Marketing herausgefunden, dass die Psychologie bei Preissteigerungen im Nahverkehr wichtiger ist als die tatsächliche Verteuerung der Fahrpreise.

Bei Ausgaben für den Verkehr gibt es eine psychologische Grenze, an der die Zahlungsbereitschaft der Kunden kippt, lautet das Fazit der Masterarbeit des Studenten. „Preisschwellen werden insbesondere beim Übergang von gebrochenen zu runden Preisen vermutet, also zum Beispiel beim Sprung von 0,79 auf 0,80 Euro“, sagt Professor Markus Voeth vom Lehrstuhl für Marketing I der Universität Hohenheim. Bisher seien diese psychologischen Preisschwellen aber vor allem im Einzelhandel nachgewiesen worden.

Nächste Preisschwelle identifiziert

Die nächste Preisschwelle identifiziert

Michael Hummel hat mit seiner Studie also wissenschaftliches Neuland betreten. Für die Arbeit kooperierte er mit der DB Regio AG Region Baden-Württemberg. Einen Sommer lang befragte er mehr als 300 Fahrgäste und wertete die Ergebnisse aus. Zusätzlich zu den Interviews lieferten ihm auch die Verkaufsdaten der vergangenen Jahre Informationen. In einem Jahr ging beispielsweise „der Verkauf stark zurück, obwohl die Teuerung im gleichen Rahmen wie in den Vorjahren lag“, schreibt Hummel. Es war aber eine Preisschwelle überschritten worden.

Die nächste relevante Schwelle meint der Student durch seine Studie auch schon identifiziert zu haben. Diese werde wohl erst in einigen Jahren erreicht. Das Verkehrsunternehmen hat nun aber aufgrund der Masterarbeit Ansatzpunkte, um sich auf mögliche Reaktionen der Kunden auf Preissteigerungen einzustellen und diese gegebenenfalls abzufangen.

Die Masterarbeit von Michael Hummel ist bereits die 500. Abschlussarbeit im Bereich Marketing an der Universität Hohenheim. Unter den fast 3000 Studierenden der Wirtschaftswissenschaften gehört Marketing in Hohenheim zu den am häufigsten gewählten Vertiefungsfächern.

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