Tagsüber, gerade im Sommer, hat das Vaihinger Hochschulgelände Foto: Rudel/Hass

Die Uni veranstaltet ein Symposium, um über die Zukunft des Areals am Pfaffenwaldring zu diskutieren. Alle Beteiligten sollen sagen, was ihnen dort fehlt

Vaihingen - Ein seltsames Zwitterwesen ist dieser Campus. Auf der einen Seite sind da die Tausende von Studenten und Wissenschaftler, die das Areal rund um den Pfaffenwaldring in so etwas wie ein wuselndes Knäuel verwandeln, zumindest tagsüber. Abends dann fällt der Vaihinger Hochschulstandort gleichsam in einen Dämmerschlaf. „Obwohl es dort Wohnheime gibt, gibt es kaum Leben“, sagt Britta Hüttenhain vom Städtebau-Institut der Uni Stuttgart. Das soll sich ändern. Weshalb das Institut am Freitag zu einem Symposium lädt. Experten wollen darüber diskutieren, wie der Campus im Jahr 2030 aussehen könnte. Vor allem soll es darum gehen, das Ensemble grauer Betonklötze in so etwas wie ein Stadtquartier zu verwandeln.

Urbanität ist das Gebot der Stunde, wobei eigentlich niemand so recht weiß, was Urbanität überhaupt ist. Doch soll es eben davon mehr auf dem Vaihinger Campus geben. Also mehr Stadt, mehr Leben, mehr Treffpunkte, mehr Freizeit, mehr Kneipen, mehr Supermärkte, vielleicht sogar ein Fitnesszentrum oder ein Kino. Andernorts, wo in den vergangenen Jahrzehnten ähnlich leblose Uni-Standorte abseits der Stadt hochgezogen wurden, arbeitet man an Ähnlichem: in Aachen, in Ulm, in Zürich.

Um von den Kollegen zu lernen, werden einige bei dem Symposium vorbeischauen. „Der Campus der Zukunft ist eine Stadt“ heißt etwa der Vortrag einer Wissenschaftlerin aus Delft, „Zutaten für lebendige Wissensquartiere“ der Beitrag eines Gastredners aus Karlsruhe. „Bei der Podiumsdiskussion geht es dann konkret um Stuttgart“, sagt Hüttenhain. Außer dem Uni-Rektor Wolfram Ressel und dem Rektor der Hochschule der Medien, Alexander Roos, wird auch der Baubürgermeister Matthias Hahn über eine Vision für die nächsten Jahrzehnte sprechen.

Der Campus stößt an seine Grenzen

Um eine solche Vision umzusetzen, braucht es aber einen langen Atem, meint Hüttenhain. Und neben Geld auch einige grundsätzliche Regeln. So könnte bei künftigen Bauprojekten jeweils das Erdgeschoss für Nutzungen jenseits der Lehre und der Wissenschaft reserviert werden. „Jeder, der baut, soll sich verpflichten, einen Beitrag für das öffentliche Leben zu leisten“, sagt sie.

Das, freilich, kann nur übergreifend festgelegt werden, etwa vom Universitätsbauamt. Schon seit drei Jahren beschäftigt sich deshalb Sybille Müller, die Leiterin eben jenes Amts mit Sitz in Vaihingen, mit dem Masterplan 2030. „Inzwischen stößt der Campus an seine Grenzen“, sagt sie. Das Gebiet, das von der A 831, einem Wohngebiet, einem Wald und einem Landschaftsschutzgebiet eingerahmt ist, ist im Großen und Ganzen zugebaut. Übrig sind nur noch einzelne Flecken, die kaum ausreichen, den künftigen Flächenbedarf zu decken. Die Fraunhofer- und Max-Planck-Institute, die Hochschule der Medien, das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum, das Institut für Mikroelektronik, die Uni Stuttgart, sie alle wollen sich vergrößern, sind gerade dabei oder haben es vor Kurzem getan.

Die Stadt verkauft sich schlecht

Da stellt sich schon die Frage, „wie sich der Standort in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird“, sagt Müller. Das Thema Urbanität jedenfalls werde dabei eine wichtige Rolle spielen.

Andere wünschen sich anderes. Der Vaihinger Hochschulstandort, heißt es, sucht seinesgleichen nicht nur in Baden-Württemberg, sondern in ganz Deutschland. Nirgendwo sonst würde in so vielen hochkarätigen Einrichtungen auf so dichtem Raum geforscht. Nach außen hin sieht das aber niemand, die Stadt verkaufe sich schlecht. Was fehlt, sei eine gemeinsame Kita, ein übergreifendes Existenzgründerzentrum, eine Bündelung der Kreativen, letztlich eine gemeinsame Vermarktung des Wissenschaftsstandorts.

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