Die Unibibliothek ist in die Jahre gekommen. Foto: dpa/Oliver Willikonsky

Viel Aufwand wurde betrieben, dass die Ratten nicht mehr die Bücher in der Unibibliothek zerstören. Eine langfristig Lösung ist aber nicht in Sicht.

Stuttgart - Das waren peinliche Schlagzeilen im Oktober 2018: „Ratten fressen sich durch die Unibibliothek Stuttgart“ oder „Zahlreiche Bücher von Ratten zerstört“. Peinlich für die Universität, peinlich aber auch für viele andere Akteure. Dass der Bücherbau an der Kriegsbergstraße schwer in die Jahre gekommen ist, das ist offensichtlich. Aber auch drumherum, im Stadtgarten, hat sich längst nicht alles so gut entwickelt, wie man es sich als Bürger erwartet. Peinlich war die Sache aber auch für das städtische Amt für Abfallwirtschaft (AWS), das zuständig für die Reinigung des Parks ist. Genauso peinlich war es aber auch für die gesamte Stadtverwaltung, die schon seit vielen Jahren eine Neugestaltung des Stadtgartens verspricht, aber bis heute keine Taten folgen lässt.

Gesäubert, gereinigt, abgedichtet

Und die Universität? „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, so der Uni-Sprecher Hans-Herwig Geyer, „wir haben die Räume umfassend gesäubert und gereinigt, haben viele undichte Stellen am Gebäude entdeckt, die wir abgedichtet haben.“ Man habe auch noch viele andere Stellen vorsorglich geprüft. Geyer ergänzt: „Wir können jetzt sagen: Es ist seitdem alles dicht geblieben, es sind keine Ratten mehr im Bibliotheksgebäude aufgetaucht.“ Freilich gibt auch er zu bedenken: „Das Gebäude ist schon ziemlich in die Jahre gekommen. Wir sind deshalb sehr froh, dass seitdem nichts mehr passiert ist in Sachen Rattenbefall“.

Und was bleibt den Studenten? Rund 7800 Bände oder anders ausgedrückt etwa 200 Regalmeter Bücher sollen die Ratten zerstört haben, vor allem soll es sich um sozial-, wirtschafts- und rechtswissenschaftliche Literatur aus den 1960er und 1980er Jahren gehandelt haben. Der Schaden wurde damals auf 200 000 Euro beziffert. Wurden die nun ersetzt?

Wer noch die alten Bücher liest

Geyer erklärt: „Wir behandeln das im Rahmen unseres ganz normalen Einkaufshaushalts, da gibt es keinen extra Posten“. Das heißt für den Unisprecher konkret: Am Anfang stehe die Frage, ob und welche der zerstörten Bücher überhaupt noch angefragt werden von den Bibliotheksbenutzern zum Lesen vor Ort oder zur Ausleihe. Und dann komme die Frage, wie aktuell und wissenschaftlich relevant dieses Werk noch sei, ob es der herausgebende Verlag überhaupt noch in seinem Programm habe oder ob dieses inzwischen nur noch auf dem Antiquariats-Markt zu haben sei. Und da sei natürlich die Einschätzung wesentlich, ob dafür bereits Liebhaber- oder Sammlerpreise verlangt werden.

Der Stadtgarten wird häufiger gereinigt

Entwarnung kommt auch von der Stadt. „Das Amt für Abfallwirtschaft reinigt den Stadtgarten regelmäßig. Im Zuge des Konzepts ‚Sauberes Stuttgart’ wurden die Reinigungszeiten im Jahr 2019 erhöht. Seitdem wird die Anlage nun wöchentlich zweimal gereinigt“, sagt Ann-Katrin Keicher, Sprecherin der Stadt. Dazu gehöre, dass Abfallkörbe geleert und Gehwege maschinell gereinigt werden. Außerdem sei eine vierköpfige Kolonne mit Besen, Greifzange und Schaufel vor Ort aktiv. Verschmutzungen, die kurzfristig anfallen, reinige die AWS bedarfsweise und sobald ein Fall gemeldet wird, so Keicher.

Ist jetzt also alles wieder in Ordnung? An eine Zukunft der jetzigen Unibibliothek mag niemand so recht glauben, erst recht nicht die Universität selbst. Lieber wird von einem Neubau geredet. Doch der findet derzeit noch ausschließlich in den Planerstuben statt. Keine Rede ist von Machbarkeitsstudien, von Zeitplänen, gar von einem Wettbewerb.

Eine Zukunft als Patientengarten

Dem Stadtgarten blüht dagegen nach wie vor eine rosige Zukunft – als Patientengarten des Katharinenhospitals. Denn am zentralen Klinikum der Stadt wächst Stück für Stück der Neubau. Und dann wird irgendwann die daran vorbeiführende Kriegsbergstraße – jetzt noch sechsspurig – drastisch verschmälert zu einer Art Anliegerstraße. Aber der Zeitplan ist noch unkonkret. Das könne noch dauern bis zur Umsetzung, heißt es.

Näher liegt freilich die Frage, ob die AWS die Müllmengen im Stadtgarten wirklich in den Griff bekommt, wenn absehbar spätestens im Sommer einige Stadtbewohner den Park wieder als Partyzone missbrauchen. Da sind auch die Ordnungshüter gefordert, dafür zu sorgen, dass dies ein Erholungsraum für alle Bürger bleibt.

Denn die Ratten folgen ihrer eigenen Logik. „Baustellen zerstören die Lebensräume von Ratten, Mäusen und Insekten. Deshalb suchen sie sich neue Bereiche“, erklärt der Stuttgarter Schädlingsbekämpfer Stephan Burkhardt. Das kann nach seinen Erfahrungen schon eine Querstraße weiter sein. Bei Großbaustellen wie Stuttgart 21 sind die Ausweichbewegungen der Tiere entsprechend größer. Und: „Es wird viel zu viel Müll einfach weggeworfen, er wird häufig nicht in geschlossenen Tonnen aufbewahrt. Und es werden zu viele Lebensmittel in den Toiletten weggespült, die so in die Kanalisation geraten“, sagt Burkhardt. Das seien alles optimale Nahrungsquellen für Ratten.

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