Fließbänder wird es nicht geben. Anlass genug für allerlei Prominenz aus Politik und Wirtschaft, dem Projektstart im Sommer 2014 beizuwohnen. Foto: Storz/Archivfotos: Rudel(2)

Im Herzen des Universitätsgeländes wird Platz für das Projekt Arena 2036 geschaffen. Ingenieure von Daimler und Co. wollen dort zusammen mit Wissenschaftlern die Zukunft des Automobilbaus gestalten.

Vaihingen - Das Rattern der Motorsägen dröhnt über den Campus. Die hüfthohen Gebüsche, die zwischen den Parkplatzreihen gewachsen waren, sind bereits allesamt knapp oberhalb des Wurzelwerks abgeschnitten. Nun sind die großen Bäume dran. Einer nach dem anderen fällt und wird in der Häckselmaschine zu kleinen Schnipseln geschreddert. Im Herzen des Vaihinger Unigeländes, ziemlich genau in der Mitte des in einem Bogen verlaufenden Pfaffenwaldrings, haben die Arbeiten an der Zukunft begonnen. Dort soll bis Anfang 2017 eine Forschungsfabrik entstehen, in der der Automobilbau nichts Geringeres als revolutioniert werden soll.

Arena 2036 heißt das Projekt, das 2012 die Zustimmung des Bundesforschungsministeriums bekam und 2014 im Beisein des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und allerlei Managern aus der Automobilbranche offiziell gestartet wurde. Die Uni Stuttgart, das Fraunhofer-Institut, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie Konzerne wie Daimler, Bosch, BASF und Festo, um nur einige zu nennen, wollen in Vaihingen die Grenzen des bislang Bekannten verschieben.

34 Forscher arbeiten in einem Interimsgebäude

Wissenschaftler und Ingenieure wollen gemeinsam zum einen herausfinden, wie der Leichtbau vorangetrieben werden kann – etwa durch Faserverbund-Kunststoffe aus dem Flugzeugbau. Sie wollen digitale Prototypen künftiger Großserienmodelle entwickeln. Und in der Forschungsfabrik selbst, gleichsam als Herzstück des Projekts, sollen die Produktionslinien modular aufgebaut werden. Fließbänder, an denen immer dieselben Aufgaben ausgeführt werden, sollen der Vergangenheit angehören. Die halbfertigen Autos fahren stattdessen selbstständig von Station zu Station, was die Flexibilität der Produktion erhöhen soll. Letztlich sollen also neue Technologien entwickelt werden, um Deutschland als Produktionsstandort erhalten zu können.

„Alle warten schon gespannt auf den Neubau, um ihre Denkansätze in die Realität umsetzen zu können“, sagt Peter ­Froeschle, der Geschäftsführer von Arena 2036. „Derzeit treffen sich rund 34 Wissenschaftler und Entwickler in einem Interimsgebäude, das schon aus allen Nähten platzt.“ Denn bis es soweit ist, müssen die Mitarbeiter mit dem sogenannten Verfügungsgebäude auf dem Unigelände vorliebnehmen.

Wenn die Forschungsfabrik Anfang 2017 bezogen werden kann, werden dort bis zu 160 Mitarbeiter Platz finden. Die Büros, Labore und Produktionsflächen werden sich über eine Fläche von 8000 Quadratmetern erstrecken.

Große Eichen bleiben stehen

Doch erst muss das Grundstück, das bislang noch ein Parkplatz ist, frei gemacht werden. „Anfang Februar wurden jüngere Bäume an andere Stellen auf dem Campus versetzt, ältere und schadhafte Bäume wurden gefällt“, sagt Sybille Müller, die Leiterin des Universitätsbauamts. „Eine sehr schöne Gruppe mit großen Eichen im östlichen Bereich des Baugrundstücks wurde in die Planung von Anfang an einbezogen. Sie wird künftig eine Art Filter zwischen Straße und Eingangsbereich des Arena-Gebäudes bilden.“ Im März sollen erste Leitungen verlegt werden und im Mai soll der Parkplatz verschwinden. „Der Baubeginn des Gebäudes ist für Juni geplant“, sagt Sybille Müller.

Zwar entstehen vor der Forschungsfabrik wieder neue Parkplätze. „In der Summe wird das Parkplatzangebot im Bereich des nördlichen Pfaffenwaldrings durch den Neubau allerdings reduziert“, sagt Müller. Kurzfristig wird sich daran nichts ändern, der ohnehin bestehende Parkdruck dürfte sich also noch erhöhen. Aber, so die Leiterin des Universitätsbauamts, arbeite man derzeit an einem „Masterplan für die städtebauliche Entwicklung des Campus im Zeitraum der nächsten 25 bis 30 Jahre“. Und dieses Konzept sieht neben der Verdichtung „auch die Errichtung von Parkhäusern vor“.

Arena 2036 in Zahlen

Forschungscampus
Das Bundesforschungsministerium unterstützt mit dem Programm „Forschungscampus“ diverse öffentlich-private Partnerschaften, um innovative Kooperationsprojekte von Wissenschaft und Industrie voranzutreiben. Eines dieser Projekte ist Arena 2036.

Forschungsfabrik
Auf dem Vaihinger Unigelände soll deshalb eine Forschungsfabrik entstehen. Neben dem Bund, der zehn Millionen Euro beisteuert, werden sich das Land und die Uni mit 30 Millionen Euro beteiligen. Die Industriepartner geben noch einmal 30 Millionen Euro dazu.

Partner
Die Bedeutung des Projekts wird auch durch die namhaften Partner deutlich. So beteiligen sich neben der Uni Stuttgart, dem Fraunhofer-Institut und dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum auch die Konzerne Daimler, Bosch, BASF, Festo, Bär, Kuka und andere.

Weitere Infos
Ein kurzes Video zum Projekt gibt es unter stzlinx.de/fabrik. Weitere Informationen gibt es zudem auf der Internetseite www.arena2036.de.

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