Regiorad-Station auf dem Vaihinger Unicampus soll mehr Studierende und Professoren in die Pedale locken. Foto: Lichtgut/Julia Schramm

Auf dem Vaihinger Campus der Uni Stuttgart ist die erste Regiorad-Station eröffnet worden. Ohne die Zähigkeit der Studierenden wäre das nicht zustande gekommen, räumt selbst Rektor Ressel ein.

Stuttgart - Am Mittwoch hat der Stuttgarter Unirektor Wolfram Ressel die erste Regiorad-Station auf dem Vaihinger Campus offiziell eröffnet. Nahe der S-Bahnstation steht nun eine Phalanx von Pedelecs bereit, Studierenden, Professoren und Unibeschäftigten den Weg zum Institut, zur Vorlesung, zum Labor, zur Mensa, den Sportanlagen oder auch in die Stuttgarter Innenstadt kommoder zu bereiten – vor allem aber: klimafreundlicher. Denn die Aktion ist der erste Baustein zu einem „relativ ehrgeizigen Projekt“, wie Ressel einräumt: „Bis zum Jahr 2035 wollen wir klimaneutral werden.“ Ziel sei ein autofreier Campus in Vaihingen.

Der rund zwei Quadratkilometer große Campus „schreit geradezu nach einem Anschluss, der über das öffentliche Angebot hinausgeht“, sagte Ressel. Denn dort gebe es zur weiteren Vernetzung „nur das Auto, sonst nichts“. Insgesamt seien neun Stationen mit 72 Fahrrädern und Pedelecs geplant, acht davon auf dem Vaihinger Campus. In fernerer Zukunft sollen dort auch ein Elektro-Roller-System, attraktivere Fußwege und ein Busshuttle im Takt, aber auch auf Anforderung, die emissionsfreie Mobilität voranbringen. Mitfinanziert wird das von den 3,5 Millionen Euro, die die Uni für ihr im Rahmen eines Wettbewerbs ausgezeichnetes Konzept vom Wissenschaftsministerium erhält.

Innerhalb der Studentenschaft gab es Vorbehalte

Dass die Radstation als erster Baustein überhaupt realisiert werden konnte, sei besonders den Studierenden zu verdanken, räumte der Rektor ein: „Ohne ihre aktive Mithilfe wäre das hier oben am Campus Vaihingen nicht entstanden.“ Das sehen die Studierenden genauso. „Ohne unsere Initiative gäbe es das Projekt heute nicht“, sagte Philipp Buchholz, Referent für Mobilität der Studierendenvertretung. Eigentlich, fügte er hinzu, sei es aber eine öffentliche Aufgabe. Auch innerhalb der Studentenschaft habe es Vorbehalte gegeben. Zum einen wegen der Kosten: ein Euro pro Studierendem und Jahr fließe in die Regiorad-Infrastruktur. Zum anderen, „weil es nicht die Aufgabe der Studierenden ist“, so Buchholz.

Es sei prima, dass die Stadt die Räder kostenfrei zur Verfügung stelle, das Land die Flächen dafür bereitstelle und fördere und die Uni ein Jahr lang die Kosten für die Radstation übernehme. Denn „bisher mussten weite Wege zu Fuß zurückgelegt werden“. Allerdings habe sich die Umsetzung wegen unklarer Zuständigkeiten und vieler Akteure zum Teil auch zäh gestaltet, berichtet Buchholz: „Einzelne Mitarbeiter müssen manchmal zum Jagen getragen werden.“ Solche „ineffizienten Prozesse“ erschwerten die Arbeit und seien mit ein Grund, weshalb er seine Aufgabe als Mobilitätsreferent nicht länger weiterführen wolle, so Buchholz.

Baubürgermeister freut sich, Verkehrsminister wundert sich

Erfreut über das neue Mobilitätsangebot auf dem Campus zeigten sich Stuttgarts Baubürgermeister Peter Pätzold und sein grüner Parteifreund Verkehrsminister Winfried Hermann. Somit gebe es in Stuttgart mehr als 100, in der Region mehr als 200 Regiorad-Stationen. Die Drahtesel könnten auch via Polygo-Card flott gemacht werden, ergänzte Pätzold. Minister Hermann zeigte sich verwundert, dass so eine Station an der Uni „jetzt erst“ komme. „Endlich, es war höchste Zeit.“ Bis 2030 wolle man den Anteil des Fahrradverkehrs verdoppeln. Nun müsse das Angebot auch genutzt werden. Nicht nur von den Studierenden. „Die Professoren müssen auch Vorbild werden“, so Hermann.

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