Die Dürre in Kalifornien hat den Klimawandel ins allgemeine Bewusstsein gebracht. Foto: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

Der Klimawandel hat auch in Europa Hitzetote, Ernteausfälle und Millionenschäden zur Folge. Jetzt wollen Hohenheimer Spitzenforscher mittels Big Data die Zusammenhänge untersuchen und Anpassungsstrategien für Mensch, Pflanze, Gerätschaft, Wirtschaft entwickeln. Die Uni Hohenheim stellt mit diesem Thema einen Antrag in der bundesweiten Exzellenzinitiative.

Stuttgart - Das 25-köpfige Forschungsteam steht. Am Montag reicht die Uni Hohenheim ihren Vorantrag bei der Exzellenzinitiative ein. Die Spitzenwissenschaftler wollen eine Strategie entwickeln, wie Landwirtschaft, Wirtschaft und Gesellschaft sich besser gegen die zunehmenden Schäden durch Klimawandel und Dürreperioden schützen können. Es geht um Grundlagenforschung im großen Stil und den Einsatz riesiger Datenmengen. „Unser Ziel ist ein Exzellenzcluster“, erklärt Unirektor Stephan Dabbert.

Für die Uni würde ein Zuschlag für so einen Forscherverbund eine Förderung zwischen drei und zehn Millionen Euro jährlich bedeuten, und zwar sieben Jahre lang. Es ist das erste Mal, dass die Uni Hohenheim einen Antrag bei der Exzellenzinitiative einreicht, und es ist auch das erste Mal, dass die Forscher mittels großer Datenmengen (Big Data) der Dürre zuleibe rücken.

Noch gut in Erinnerung ist der Saharasommer 2003. Der brachte nicht nur Tropenhitze nach Europa, sondern verursachte auch 7000 Hitzetote allein in Deutschland und einen Schaden von 1,5 Milliarden Euro in der Landwirtschaft, wie Thomas Berger auflistet. „Da dachte ich mir, da muss es doch eine Möglichkeit geben, um die Anpassungsfähigkeit an Dürren zu verbessern", sagt der Agrarökonom. Er leitet das Hans-Ruthenberg-Institut und ist Vizechef der Spitzenforschungsgruppe.

Für das Exzellenzvorhaben vereinigt Uni Hohenheim Spitzenforscher aus vielen Bereichen

Für dieses Vorhaben braucht es Sachverstand aus vielen Bereichen. An dem Projekt beteiligen sich Biologen, Pflanzenbauer, Ökologen, Bodenkundler, Physiker, Ökonomen und Spezialisten für Unternehmensfinanzierung. In dieser Kombination seien diese Kompetenzen in Deutschland einzigartig, betont Dabbert. Hohenheim kann sie aus ihren drei Fakultäten bedienen: den Agrar-, Natur- und Wirtschaftswissenschaften. Zusätzliche Expertise bekommen die Hohenheimer von drei Kollegen aus der Uni Stuttgart – aus dem Institut für Wasserbau und vom Leiter des Höchstleistungsrechenzentrums, Michael Resch. Zudem verstärken drei Kollegen aus den Pflanzen- und den Geowissenschaften der Uni Tübingen sowie ein Kollege aus dem Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen das Team.

Dabbert sieht seine Uni für die Exzellenzforschung gut aufgestellt. „Die Grundidee ist, dass man weltweit führend in dem Gebiet ist.“ Grundlegend neue Erkenntnisse über Schutzmöglichkeiten vor dem Klimawandel sollen die Digitalisierung und das Internet der Dinge bringen – in Kombination mit Pflanzenzüchtung und angepassten Anbauverfahren. Ganz konkret gehöre beispielsweise auch dazu, die Handybewegungsdaten von Kleinbauern, aber auch die Bewegungsdaten von Traktoren und deren Treibstoffverbrauch auszuwerten. Ziel könnten eine präzise Karte der Bodenfeuchte und exaktere saisonale Wetter- und Erntevorhersagen sein. So könnten der Maschinenbedarf für die Ernte besser vorausgeplant werden und Versicherungen maßgeschneiderte Programme für den Ertragsausfall auflegen.

Rektor hofft auf vier zusätzliche Professuren und 40 neue Doktorandenstellen

In der Landwirtschaft gehe es immer auch darum, das Gesamtsystem zu betrachten, erklärt Thilo Streck, der als Biogeophysiker die Spitzenforschungsgruppe leitet. „Wir beantragen die Computer- und die experimentelle Infrastruktur, aber der große Batzen sind die Wissenschaftler“, sagt Streck. „Essenziell für die weitere Forschung sind zwei zusätzliche Professuren – „Qantifizierung von Unsicherheit“ und „Digitale Bioökonomik“ sowie zwei Juniorprofessuren für Spezialgebiete in Agrarökologie und molekularbiologischer Informationsverarbeitung“, sagt Dabbert. Und insgesamt 40 neue Doktorandenstellen.

Am 27. September entscheidet die Deutsche Forschungsgemeinschaft, welche Uni einen Vollantrag stellen darf. Im September 2018 wird endgültig entschieden.

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