Der Parkdruck rund um den Uni-Campus Vaihingen ist hoch. Foto: Eileen Breuer

Durch Bauprojekte auf dem Campus am Pfaffenwaldring in Stuttgart-Vaihingen verschärft sich die Parkplatzsituation erheblich. Mindestens zwei Parkplätze werden überbaut. Eine Idee für neue Stellplätze hat das zuständige Bauamt indes noch nicht.

Vaihingen - Freie Entwicklungsflächen sind auf dem Campus Pfaffenwaldring rar. Nur wenige Grundstücke sind bisher noch unbebaut. Dazu gehören die etwa 3200 Parkplätze, die rund um den Campus Vaihingen verteilt sind. Viele von ihnen fallen nun Baumaßnahmen zum Opfer, die aufgrund steigenden Flächenbedarfs der ansässigen Forschungs- und Lehreinrichtungen nötig sind. Wo neue Stellplätze entstehen könnten, wissen die Verantwortlichen bisher noch nicht.

Uni-Bauamt spricht von einer 90-prozentigen Auslastung

Dabei wären diese dringend erforderlich, denn der Parkdruck ist hoch. Das Universitätsbauamt Stuttgart-Hohenheim, welches für Baumaßnahmen auf dem Universitätscampus zuständig ist, spricht von einer 90-prozentigen Auslastung der Parkplätze auf dem Campus Vaihingen. Der Rektor der Hochschule der Medien, Alexander W. Roos, sieht die Situation drastischer. „Die Parkplätze sind mehr als ausgelastet. Wir sind eine Hochschule mit einem hohen Pendleranteil. Mehr Parkplätze sind dringend erforderlich“, sagt er. Und auch Hans-Herwig Geyer, Pressesprecher der Universität Stuttgart, plädiert für mehr Parkplätze. „Die Situation lässt sich so beschreiben, dass überall geparkt wird, wo es nur irgendwie geht. Dies betrifft auch die angrenzenden Wohngebiete, die über diese Belastung klagen“, sagt er. „Manchmal weiche ich auch auf die umliegenden Wohngebiete aus“, sagt Cindy Kuchnia, Studierende an der Hochschule der Medien. Die angespannte Parkplatzsituation an der Universität wirkt sich also auch auf die Menschen in den Wohngebieten Lauchhau-Lauchäcker und Feldrand aus.

Derzeit sind auf dem Hochschulcampus 2900 Parkplätze baurechtlich gefordert. Tatsächlich sind 3200 Parkplätze vorhanden. „Gemessen am Bedarf sind es aber zu wenige“, sagt Geyer. Laut einer Erhebung seien etwa 4000 Parkplätze erforderlich, so der Pressesprecher. Außerdem erhöhe sich die baurechtlich geforderte Zahl der Stellplätze mit jedem neuen Gebäude, ergänzt Brigitta Möhrle vom Universitätsbauamt. Es ist zu erwarten, dass die Parkraumsituation sich durch Neubaumaßnahmen verschärft. Mit neuen Gebäuden kommen immer auch neue Mitarbeiter. Mit der geplanten Verlagerung der universitären Verwaltung von der Innenstadt nach Vaihingen und der Innenverdichtung ziehen bis 2030 etwa 400 zusätzliche Mitarbeiter auf den Campus Vaihingen.

Die Uni hat einen Masterplan

Nun sollen vorhandene Parkplätze überbaut werden. Darunter fallen unter anderem die am Allmandring. Dort sollen laut dem Masterplan, der vom Universitätsbauamt in Zusammenarbeit mit den in Vaihingen ansässigen Forschungseinrichtungen erarbeitet wurde, Neubauten der Quantentechnologie und der Physik entstehen. Bereits fertiggestellt wurde dort das Praktikumsergänzungsgebäude der Bio-Verfahrenstechnik mit einer Nutzfläche von 866 Quadratmetern. Für das ZAQuant genannte Gebäude der Quantentechnologie ist eine Nutzfläche von 2700 Quadratmetern eingeplant, für den Neubau der Physik 15 200 Quadratmeter.

Doch die Parkplätze am Allmandring sind nicht die einzigen, die wegfallen werden. Auch der Parkplatz an der Nobelstraße gegenüber der Hochschule der Medien soll überbaut werden. Auf dem dortigen Birkhofareal beanspruchen das Fraunhofer-Institut und die Universität Erweiterungsflächen (wir berichteten).

„Mit jedem Baugesuch, das beim Baurechtsamt der Stadt Stuttgart eingereicht wird, muss auch ein Nachweis für die notwendigen Pkw-Stellplätze entsprechend der Landesbauordnung für Baden-Württemberg vorliegen. Wenn dieser Nachweis fehlt, wird keine Baugenehmigung erteilt“, sagt Möhrle vom Universitätsbauamt.

Ein Parkhaus könnte die Lösung sein

„Es wird nach Lösungen gesucht“, sagt sie auf die Frage, in welcher Form neue Parkplätze entstehen sollen. Eine könnte sein, neue Parkstände in einem Parkhaus zu errichten. Dies ist zumindest ein Vorschlag, wie er im Masterplan vermerkt ist. Eine Alternative könnte laut dem Masterplan auch sein, eine provisorische Parkfläche einzurichten, während die Neubauten am Allmandring entstehen. Dadurch könnte der notwendige Bedarf an Parkplätzen zwischenzeitlich überbrückt werden. Ein Plan liegt für diese Vorschläge noch nicht vor. Kurios, ist die Planung von den Neubauten doch schon in vollem Gange.

Zwar müssen die baurechtlich geforderten Parkplätze nachgewiesen werden. Mehr sollen aber laut Möhrle trotz der angespannten Parkraumsituation nicht hinzu kommen. Dies liege an der neuen Landesbauordnung für Baden-Württemberg, die alternative Möglichkeiten zum Autoverkehr wie den Nachweis von Fahrradabstellplätzen und die Einbeziehung des öffentlichen Personennahverkehrs in den Stellplatznachweis fördere. Und laut Möhrle hebe sich das Parkplatzproblem auch wieder auf, da auch sehr viele Fremdnutzer wie Pendler und Urlauber, die zum Flughafen weiterfahren, oder Bewohner, die nichts mit der Universität zu tun haben, auf den Campusparkplätzen parken: Das sei „ein gegenseitiges Geben und Nehmen“.

Stadt plant Verkehrserhebung

Zuständig für die umgebende Bebauung sei indes auch nicht das Universitätsbauamt. Dieses fungiere lediglich als Vertreter des Bauherrn, als des Lands Baden-Württemberg, sagt Möhrle weiter. Zuständig für die umgebende Bebauung sei die Stadt. Diese weiß von den Befürchtungen von Anwohnern des Campusgeländes wegen des Parksuchverkehrs. „Zum Schutz an den Unicampus angrenzender Wohngebiete wird das Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung in der zweiten Hälfte dieses Jahres vorbereitende Verkehrserhebungen durchführen lassen“, sagt Andreas Scharf. Er ist der Sprecher von Oberbürgermeister Fritz Kuhn. Dabei werde geprüft, welche Maßnahmen bei der Realisierung von Bauvorhaben notwendig sein könnten.

Auch die Uni bemüht sich. „Die Universität beabsichtig, in Abstimmung mit der Stadt und aufbauend auf Konzepten von Stadt und Region ein betriebliches Mobilitätskonzept zu etablieren“, sagt Geyer. Dabei spiele auch die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs eine große Rolle.

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