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Die Band Unheilig ist am Freitagabend in der Stuttgarter Liederhalle aufgetreten - die Kritik.  

Stuttgart - Er nennt sich "der Graf" und er verspricht seinen Fans die "große Freiheit". Der Graf ist Kopf und Sänger der Band Unheilig, "Die große Freiheit" heißt deren jüngste CD, die seit ihrem Erscheinen im Februar die oberen Plätze der deutschen Verkaufscharts besetzt hält. Am Freitag waren Unheilig zu Gast in Stuttgart, ein langer und düsterer Abend für die Gothic-Gemeinde, an dem der Beethoven-Saal der Liederhalle, unbestuhlt, mit rund 2200 Besuchern zu drei Vierteln ausverkauft war - angeboten wurden auch Logenplätze, reserviert für ganze Familien, die auch gut angenommen wurden: Der schwarze Lebensstil ist Familiensache, die Kinder sind dabei.

Familiäre Werte hält auch der Graf hoch - im Lied "Unter deiner Flagge" singt er von seiner Mutter, man sieht Filmsequenzen, familiäres Glück und Vertrauen. Das Konzert beginnt mit der Musik von vorgestern, mit Hildegard Knef, die vom Band erklingt, mit Hans Albers, der über die Reeperbahn strolcht. Da singt das Publikum schon mit. Zweierlei Symbol ist das: für Fernweh und Romantik, die eine zentrale Rolle spielen in der Bilderwelt des Grafen, aber auch dafür, dass dieser Musiker, den man milde der "Neuen Deutschen Härte" zuschlägt, für die vor allem Rammstein stehen, sich weder vor dem emotionalen Bekenntnis, noch vor der Nähe zum Schlager fürchtet.

Sicher ist das das Erfolgsgeheimnis der Band aus Aachen, die seit elf Jahren besteht und sich längst auf die Selbstdarstellung ihres markanten Sängers fokussiert hat: Die Bilder sind kräftig und dunkel, die Gefühle sind edel und zielen in die Ferne. Jeder Song wird begleitet von einer Videoproduktion, kleine Geschichten auf der Leinwand - man sieht den Grafen am Meer, der sein Publikum mitnimmt auf eine elegische, sanfte, harte Reise in die neue deutsche Pop-Romantik.

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