Anna Adamyan kann ihr Glück kaum fassen: sie ist schwanger. Foto: Anna Adamyan

Ungebetene Ratschläge, übergriffige Fragen und Beleidigungen: Influencerin Anna Adamyan musste einiges über sich ergehen lassen, seit sie ihren unerfüllten Kinderwunsch öffentlich machte. Jetzt ist sie schwanger – und klärt weiter auf.

Influencerin und Autorin Anna Adamyan (früher Wilken) hat kürzlich ihre Schwangerschaft verkündet. Eine frohe Botschaft, auf die eigentlich nur Glückwünsche angebracht wären. Tatsächlich störten sich jedoch einige am frühen Zeitpunkt ihrer Verkündung vor der zwölften Schwangerschaftswoche. „Karma wird es richten“, war nur eine der Reaktionen, die das Model anonym veröffentlichte. „Negative Kommentare nutze ich häufig zur Aufklärung“, sagt die 26-Jährige, die 2014 durch die Sendung „Germany’s next Topmodel“ bekannt wurde. Nun will sie mit dem Zwölfte-Woche-Aberglaube, wie sie es nennt, aufräumen. „Dieser Aberglaube schürt die Angst und mindert die Freude an der Schwangerschaft“, findet sie. Außerdem impliziere er, dass man Fehlgeburten nicht thematisieren dürfe.

 

Anna Adamyan und ihr Mann, der Bundesliga-Spieler Sargis Adamyan, haben besonders viel Grund, sich über die Schwangerschaft zu freuen. Schließlich versuchen sie seit Jahren mithilfe künstlicher Befruchtung ein Kind zu bekommen. An ihrer ungewollten Kinderlosigkeit, Fehlgeburten und ihren Kinderwunschbehandlungen ließ Anna Adamyan die Öffentlichkeit teilhaben. Zuvor informierte sie bereits über die chronische Unterleibserkrankung Endometriose, an der sie leidet und die ihr eine Schwangerschaft unter anderem erschwerte. Vor allem über ihre Social-Media-Kanäle, aber auch in Fernsehdokumentationen oder -interviews und mit einem Buch brachte sie das Thema in die Öffentlichkeit. Zuletzt wirkte sie an einer dreiteiligen ARD-Dokumentation zum Thema Kinderwunsch mit, die im März in die Mediathek kommt.

Es fehlt an Aufklärung in der Gesellschaft zur ungewollten Kinderlosigkeit

Ihren Kinderwunsch hielt sie zunächst geheim, auch die ersten Behandlungen. „Aber irgendwann haben mich andere Betroffene gefragt, wie es denn bei mir mit dem Kinderwunsch aussieht. Und weil die Behandlungen sehr zeitintensiv sind, wurde es immer schwerer, sie zu verbergen. Schließlich habe ich nicht nur etwas verschwiegen, sondern musste auch lügen“, erinnert sie sich. Außerdem stellte sie fest, dass es ähnlich wie zum Thema Endometriose auch zur ungewollten Kinderlosigkeit wenig Aufklärung in der Gesellschaft gibt. Damit fiel die Entscheidung, ihren Weg öffentlich zu machen. „Erst hatte ich Angst, denn ich fühlte mich zu dieser Zeit sehr verletzlich. Doch es war eine Erleichterung, alles erzählen zu können“, sagt sie heute. Sie habe diesen Schritt nie bereut.

Und so zeigte sie ihren rund 567 000 Followern und Followerinnen auf Instagram ihre Hormonspritzen, berichtete über Behandlungen und Medikamente. Sie ließ sie an ihrer Freude teilhaben, als sie vor einem Jahr bereits einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielt. Und sie teilte ihre Trauer, als die Schwangerschaft in einer Fehlgeburt endete. Damit spricht sie offen über Themen, die nach wie vor wie ein Tabu behandelt werden.

Ungebetene Ratschläge sind unerwünscht

Von ihren zahlreichen Followern wird sie dafür geschätzt – besonders von Betroffenen, denen sie Mut macht und die von ihrer Aufklärungsarbeit profitieren. Doch sie wird auch mit ungebetenen Tipps, Anweisungen oder Ratschlägen überhäuft. „Ratschläge sind doch immer auch Schläge. Denn sie implizieren, dass man etwas falsch gemacht hat“, erklärt die Influencerin. Immer wieder betont sie, dass jede Betroffene oder jeder Betroffene mit einem unerfüllten Kinderwunsch anders sei, dass es viele unterschiedliche Wege gebe. „Leider fehlt es vielen Menschen an Empathie, wenn es um diese Themen geht.“

Sie thematisiert auch negative Reaktionen und Beschuldigungen, denen sie sich ausgesetzt sieht. „Beleidigungen sind nie in Ordnung, ob man nun in der Öffentlichkeit steht oder nicht“, stellt sie klar. Dagegen wehrt sie sich, wenn es sein muss, auch mit rechtlichen Schritten.

Nicht alle Paare können sich eine Kinderwunsch-Behandlung leisten

Anna Adamyan setzt sich aber nicht nur für mehr Empathie im Umgang mit ungewollt kinderlosen Paaren ein. Mit einer Petition fordert sie eine faire Kostenübernahme von Kinderwunschbehandlungen. „Es bricht mir das Herz, dass sich nicht alle Paare eine Kinderwunschbehandlung leisten können“, sagt sie. Denn die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel 50 Prozent der Kosten für drei Versuche – aber auch nur bei heterosexuellen, verheirateten Paaren in einem bestimmten Alter. „Damit werden systematisch ganze Gruppen von vornherein ausgeschlossen – das ist diskriminierend“, ergänzt sie. Auch in diesem Punkt nutzt die Influencerin ihre Plattform, um aufzuklären. Unter dem Hashtag #kiwufüralle hat sie bereits über 98 000 Unterschriften gesammelt. Denn: „Ein Kinderwunsch sollte nicht vom Geld abhängig sein.“

Die dreiteilige Kinderwunsch-Doku „#kinderwunsch – Endlich schwanger?!“ mit Anna Adamyan ist ab Mittwoch, 15. März, in der ARD-Mediathek zu sehen.