Weihnachtlich beleuchtete Traktoren sind am Dienstagabend durch Erdmannhausen (Kreis Ludwigsburg) getuckert. Ein Schauspiel, das auf große Resonanz gestoßen ist.
Die mittlerweile sechste Weihnachtsausfahrt der Schlepper- und Oldtimerfreunde (SOF) in Erdmannhausen lässt am Dienstagabend die Kälte, die vom Boden bis in die Nasenspitze heraufzieht, rasch vergessen. „Das sieht ja mal schön aus!“, ruft ein Kind begeistert aus, als es die magische Kulisse auf dem Parkplatz vor der Halle auf der Schray registriert. In faszinierender Vielfalt und Kreativität ist das Gelände gefüllt von bunten wie hell leuchtenden Vehikeln, die allesamt älteren Semesters sind. Das Mindestalter für die beteiligten Schlepper und Autos beträgt 30 Jahre.
Ihre Betagtheit machen die vierrädrigen herausgeputzten Schönheiten durch witzige Eyecatcher und glanzvolle Accessoires rund um die blinkenden Lichterketten wett. Ein großer aufblasbarer Weihnachtsmann etwa ziert die Ackerschiene eines Schleppers. Bei einem anderen zieht eine glitzernde Rehfamilie das Auge magisch an.
Wer die Gefährte bewundert, kommt oft mit anderen ins Gespräch. Da wird mitunter auch gefachsimpelt. Helmut Käs kennt das. Der Steinheimer ist mit seinem Porsche Diesel Standard 218 aus dem Jahr 1960 wieder einmal mit von der Partie. Der rote Schlepper begeistert auch Kinder. Sie sind zahlreich mit den Eltern gekommen und erfreuen sich an dem besonderen Licht-Spektakel kurz vor Heiligabend. Selbst ein Kinderwagen ist mit einer Lichterkette geschmückt.
Leo Wenzel fotografiert eifrig die vielen Oldtimermodelle. Er selbst ist mit einem Pleidelsheimer Feuerwehrauto Baujahr 1981 nach Erdmannhausen gekommen. Für ihn „bestechen die Fahrzeuge durch Robustheit und technische Einfachheit, die man selber noch handhaben kann“. Durch den Ort fahren die leuchtintensiven Schönheiten, die schnell einen stechenden Diesel-Geruch in der Lunge zurücklassen, dann begleitet von winkenden Zuschauenden, kleinen wie großen, die sich an dem seltenen Spektakel erfreuen.
Im Jahr 2020 zur Coronahochphase, als das öffentliche Leben weitgehend lahmgelegt war, ist die Idee zu der Weihnachtsausfahrt entstanden. Und zwar direkt aus der Riege der Schlepperfreunde, damals noch eine lose Vereinigung, die sich im letzten Jahr zum Verein SOF formiert hat. „Jemand hat ein Video von einer anderen Ausfahrt gesehen und den Impuls dazu geliefert. Wir haben das dann mit dem Rathaus und der Polizei abgestimmt und es genehmigen lassen. Seither wird die Weihnachtsaufahrt von den Bürgerinnen und Bürgern fast wie ein Volksfest gefeiert“, freut sich der SOF-Schriftführer Jürgen Schmidt über das „große Freudestrahlen bei Jung und Alt“.
Vorab anmelden musste sich für die Ausfahrt übrigens niemand. „Das wäre zu viel Aufwand für den Verein. Aber wir haben die Altersbegrenzung für die Fahrzeuge auferlegt, damit es nicht gar zu viele werden“, sagt Jürgen Schmidt. „Gestartet waren wir 2020 noch mit acht Fahrzeugen, sieben davon beleuchtet“, erklärt er. Im vergangenen Jahr seien es dann schon 108 gewesen. Völlig überwältigt zeigt sich der Schriftführer von der diesjährigen Beteiligung: 131 Teilnehmende.
Dass die Oldtimer-Schlepper und -Autos beleuchtet sind, ist obligatorisch für die weihnachtliche Fahrt durch Erdmannhausen. Den Volksfestcharakter prägt auch die Tatsache, dass vor dem Start die Halle auf der Schray für die Gäste bewirtschaftet ist. Gut vorgewärmt, konnten sich so auch heuer die Fans knatternder Traktoren und strahlend aufpolierter Autos an der vorab publik gemachten Route positionieren.