Desinfektion am Kircheneingang: Annette Weller und Hans Haller freuen sich, dass sie wieder Gottesdienste in der Kirche besuchen können. Foto: Thomas Graf-Miedaner

Mit dem „Impuls am Mittwoch“ der evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-Ost sind die Gottesdienste mit Besuchern wieder gestartet – unter ungewohnten Bedingungen.

S-Ost - Die Besprechung 20 Minuten vor Beginn erinnerte eher an die Planung für ein brisantes Fußballspiel als an die für eine „Taizéandacht“, die normalerweise rund zehn bis 15 Besucher in die Lukaskirche lockt. „Hier wird desinfiziert, hier darf man sitzen, hier nicht.“ Gerd Häußler, geschäftsführender Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-Ost, und der Gaisburger Pfarrer Wolfgang Marquardt sind mit Helfern aus dem Kirchengemeinderat nochmals alle Details durchgegangen: Denn die kleine Andacht in der Lukaskirche war zugleich der Probelauf für die Stuttgarter Kirchen, die am Sonntag wieder mit ihren Gottesdiensten starten.

Dass die Generalprobe gerade im Osten stattgefunden hat, ist Zufall. „Die Veranstaltung hat sich terminlich und wegen ihrer Größe ideal geeignet“, so Häußler. Sowohl für Besucher als auch für die Gemeindemitarbeiter und Helfer sind die Gottesdienste jetzt mit sehr viel Mehraufwand verbunden. Am Eingang muss man die Hände desinfizieren, eine Maske für Mund und Nase wird empfohlen, und wenn man sich einen der weit auseinanderliegenden Plätze herausgesucht hat, muss man einen Zettel mit Kontaktdaten und Sitzplatznummer ausfüllen. „Falls eine Infizierung bekannt wird, kann man so alle anderen Gottesdienstteilnehmer informieren“, sagt Häußler – klassische Telefonliste statt Corona-App.

Mit mehr als 30 Besuchern war die Kirche fast voll

Die neuen Umstände haben die Besucher trotzdem nicht von ihrem Gang in die Kirche abgehalten: „Wann waren wir schon mal so viele an einem Mittwochabend?“, fragte Marquardt zu Beginn der Andacht. Mit mehr als 30 Besuchern war die Kirche fast voll – zumindest was die derzeit zulässigen Plätze angeht: „50 dürfen wir zu Veranstaltungen hereinlassen“, sagt Häußler. Vor Beginn der Veranstaltung waren sich alle Beteiligten noch unsicher: Wie viele werden wohl kommen? „Aber da hatten wohl einige Entzugserscheinungen“, freute sich Marquardt über die Besucherzahl. Das konnte auch Hans Haller bestätigen. Er ist regelmäßiger Kirchengänger: „Das hat in den vergangenen Wochen schon sehr gefehlt“, so Haller, der froh ist, dass man wieder in die Kirche kommen darf. Auch wenn die Umstände ungewöhnlich sind: Weit auseinander sitzen und vor allen Dingen: Nicht gemeinsam singen. Letztere Regelung findet der Pfarrer Häußler besonders gewöhnungsbedürftig. Den Gesangspart hat bei der Andacht Kantorin Tanja Luthner übernommen. Der einen oder andere konnte sich zumindest das Mitsummen jedoch nicht verkneifen.

Für Pfarrer Häußler ist es ein wichtiges Zeichen, dass es trotz der Einschränkungen wieder einen Gottesdienst in der Kirche gibt: „Glaube ist zwar eine sehr persönliche Angelegenheit, allerdings funktioniert es auf Dauer alleine nur sehr schlecht: Glaube ist Gemeinschaft“, sagt der Geistliche. Die vergangenen Wochen hat der Pfarrer deshalb viel Zeit mit Gesprächen am Telefon verbracht: „Viele Gemeindemitglieder hatten eine gewisse Hemmschwelle, sich telefonisch bei mir zu melden – über meine Anrufe haben sie sich jedoch sehr gefreut“, sagt er. Denn Redebedarf gibt es in der aktuellen Zeit genug. Ab kommenden Sonntag gibt es wieder die Möglichkeit sich direkt in der Kirche auszutauschen: Zwar mit lauter Stimme wegen den zwei Meter Abstand, dafür aber von Angesicht zu Angesicht.

Die erste Generalprobe ist Fall geglückt

Die Gottesdienste werden zunächst in verkürzter Form stattfinden, damit die Möglichkeit besteht, bei großer Nachfrage zwei Gottesdienste direkt hintereinander stattfinden zu lassen. Die erste Generalprobe hierfür ist auf jeden Fall geglückt, wenn auch nur mit Summen statt Singen.

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