Auf halbhohen Raumteilern sind im MIK Fotografien rund ums Essen zu sehen, in Vitrinen und auf Tischen werden Gegenstände zur Esskultur präsentiert. Foto: factum/Simon Granville

Essen ist mehr als Nahrungsaufnahme – und wie wir essen, hat sich im Laufe der Jahrhunderte enorm gewandelt. Die neue Ausstellung im Ludwigsburg-Museum widmet sich der Esskultur. Ein Besuch lohnt sich – nicht nur wegen der Rezepte.

Ludwigsburg - Zuckerrüben, das Frühstücksservice des Königs, eine Mikrowelle, das Jagdgewehr von Herzog Eberhard Ludwig – es erschließt sich nicht sofort, was diese Gegenstände verbindet. Man muss schon durch den gesamten Raum schreiten im Ludwigsburg-Museum, um den roten Faden zu erkennen, den Jana Hess und Margrit Röder, die Kuratorinnen der neuen Ausstellung, hier spannen. Zuletzt widmete sich das MIK dem Wohnen, diesmal dem Essen. „Eine Stadt isst“ heißt die Schau. Doch wer einen umfassenden Überblick über die Esskultur der vergangenen 300 Jahre sucht, wird enttäuscht.

Wer aber mit offenen Augen durch die Ausstellung geht, wird überrascht. „Wir wollen versuchen, kleine Mosaiksteine zu einer Geschichte zusammenzuschließen“, erzählt Röder. Das ist gelungen, denn die Schau erzählt spannende Geschichten. Schon die Gründung der Stadt war eng mit dem Essen verbunden, schließlich diente das Schloss zunächst als Jagdsitz. In Kabinetten und Vitrinen zeigt das MIK, was neben Fleisch später noch alles produziert wurde, von Pomeranzen im Schlossgarten über den Zichorienkaffee bis hin zu Pastillen aus der Hohenecker Solequelle.

Von Sepp Herberger bis zum Mr. Universum

Spannend wird es vor allem da, wo „Geschichten hinter dem Essen“ erzählt werden, wie es Röder ausdrückt. Geschichten etwa von Sepp Herberger, der als Fußball-Nationaltrainer in Ludwigsburg versuchte, Lebensmittelmarken aufzutreiben. Von König Friedrich I., der sich dem Zeremoniell entzog und gern allein aß. Vom ersten McDrive oder von Bodybuilder Tamer Galal – der ehemalige Mr. Universum verkauft heute in Ludwigsburg Nahrungsergänzungsmittel. Angereichert wird das mit historischen Bildern sowie eindrucksvollen Aufnahmen des Fotografen Reiner Pfisterer. Und ja: Rezepte gibt es auch. Die Ausstellung ist bis 22. September zu sehen. Weitere Infos: www.ludwigsburgmuseum.de.

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