Das Messschiff „Max Honsell“ der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) fährt in Bad Wimpfen an der Flussmündung der Jagst über den Neckar. Foto: dpa

Die Giftbrühe aus der Jagst ist am Montag im Neckar angekommen. Allerdings seien die Werte für Fische nicht mehr gefährlich, teilte das Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz mit.

Bad Wimpfen - Die Schadstoff-Brühe aus dem Chemieunfall an der Jagst ist am Montag in den Neckar geflossen - mit „für Fische unkritischen Werten“, wie Experten berichteten. Die Werte, die an der Spitze der mehr als 20 Kilometer langen Giftfahne gemessen wurden, seien für Fische nicht mehr gefährlich, teilte die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) mit. Bereits in den vergangenen zwei Wochen, in denen das Gift die Jagst hinuntergeschwommen war, waren die Werte sehr deutlich gesunken.

Bei einem Mühlenbrand in der Nacht zum 23. August in Kirchberg nahe Schwäbisch Hall war mit dem Löschwasser Ammoniumnitrat aus Düngemitteln in das Gewässer gespült worden. Tausende Fische verendeten. Wie das kontaminierte Löschwasser massenweise in die Jagst gelangen konnte, ist bisher unklar.

Mit dem Eintreffen im Neckar werde das Gift jetzt nochmal mit dem Zehnfachen an Wasser vermengt, hieß es beim Landratsamt Heilbronn. „Da wird nichts mehr übrig bleiben“, sagte ein Sprecher. Die Helfer des Technischen Hilfswerks, der Lebensrettungsgesellschaft DLRG und der Feuerwehren könnten ihren Einsatz beenden. In den nächsten Tagen könnten abgedichtete Biotope entlang der Jagst wieder geöffnet werden. Auch müssten jetzt noch jede Menge Algen abgefischt werde. Sie waren vermehrt entstanden, weil der Sauerstoffgehalt zur Giftbekämpfung gezielt erhört worden war. „Diesen Sauerstoff brauchen jetzt wieder die Fische“, sagte der Sprecher.

Nabu fordert Aufwertung der Jagst

Die Schadstoff-Brühe wurde erstmals am Montagmorgen im Neckar bemerkt. Gegen halb acht registrierten die Mitarbeiter der LUBW einen deutlichen Anstieg der Ammonium-Gehalte in der Mündung. Der Sauerstoffgehalt des Neckars sei derzeit stabil und werde durch den Ammonium-Eintrag nicht bedeutend absinken, teilte die Landesanstalt mit. Nachhaltige Wirkungen der Schadstofffahne auf die Fauna und Flora des Neckars seien daher nicht zu erwarten. Mit dem Messschiff „Max Honsell“ wird die LUBW die Schadstoffe weiter bis zum Rhein begleiten. Auch Wasserproben werden genommen. Sie sollen später im Labor in Karlsruhe erneut unter die Lupe genommen werden.

Der Naturschutzbund Nabu forderte unterdessen eine Aufwertung der Jagst: Es gelte, Wehre und Querbauwerke zurückzubauen und die Jagst für Fische und andere Lebewesen durchgängig zu machen. Damit die durch das Gift fischfreien Abschnitte wieder besiedelt werden, müssten die Tiere wandern können. „Wenn Aale, Hechte und Bachflohkrebse am nächsten Wehr ausgebremst werden, ist das fatal - jetzt noch mehr als sonst“, sagte Nabu-Landeschef Andre Baumann.

Derweil hat die Staatsanwaltschaft Ellwangen noch keine Entscheidung zu weiteren Ermittlungen getroffen. Man wolle den Erstbericht der Polizei zu der Umweltkatastrophe in aller Ruhe prüfen, hieß es. Im Visier der Ermittler ist der Betreiber der abgebrannten Mühle. Düngemittel, die mit dem Löschwasser in die Jagst gespült wurden, lagerten laut Landratsamt illegal auf dem Gelände. Weitere Fehler muss es am Löschwasser-Rückhaltebecken gegeben haben. Löschwasser floss auch über ein undichtes Rohr von einem Auffangbecken direkt in die Jagst.

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