Um aus der Armutsspirale herauszukommen, brauchen junge Frauen in Afrika vor allem Zugang zu Bildung und Verhütungsmitteln. Foto: dpa

Ein UN-Bericht zeigt die mangelnde Geschlechtergerechtigkeit in Entwicklungsländern auf. Weltweit sind 89 Millionen Frauen pro Jahr ungewollt schwanger.

Berlin - Die Kluft zwischen Reich und Arm wird in Entwicklungsländern immer größer. Grund sind vor allem mangelnde Bildungs- und Arbeitschancen von Mädchen und Frauen. Das ist das Fazit des Weltbevölkerungsberichtes des Bevölkerungfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) und der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW), der Dienstag veröffentlicht wurde. Der Bericht „Gespaltene Welt: Reproduktive Gesundheit und Rechte in Zeiten der Ungleichheit“ führt die unterchiedlichen Bildungschancen auf „mangelnde Geschlechtergerechtigkeit und Ungleichheiten im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit“ zurück.

Laut UNFPA-Bericht, werden in Entwicklungsländern jährlich 7,3 Millionen Babys von Mädchen unter 18 Jahren zur Welt gebracht – davon 1,1 Millionen von Mädchen unter 15 Jahren. 95 Prozent der Geburten unter Heranwachsenden (zwischen 15 und 19 Jahren) entfallen auf Entwicklungsländer, wo 12,8 Millionen heranwachsenden Mädchen keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben. Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen gehören in Entwicklungsländern zu den häufigsten Todesursachen bei heranwachsenden Mädchen. Dabei bekommen Mädchen und junge Frauen aus den ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung in Entwicklungsländern im Schnitt circa drei mal so viele Kinder wie Gleichaltrige aus den wohlhabendsten 20 Prozent.

214 Millionen ohne Zugang zu Verhütung

In diesem Kontext spielt Zugang zu Bildung eine wichtige Rolle. Laut einem UNESCO-Bericht aus dem Jahr 2013 würde die Zahl der Kinderehen zurückgehen, wenn der Bildungsgrad der Mädchen steigen würde – denn Zwangsheirat führt häufig zum Schulabbruch. Darüber hinaus schütze eine Bildung von Schwangerschaften im Teenageralter. Am schlimmsten ist die Bildungslage laut UNESCO in Somalia: Dort haben 95 Prozent der ärmsten Mädchen zwischen 7 und 16 Jahren noch nie eine Schule besucht.

Der UNFPA-Bericht zeigt eine Tendenz: In jeder untersuchten Region haben Menschen mit höheren Einkommenstufen besseren Zugang zu Verhüttungmitteln und zu vorgeburtlichen Untersuchungen während der Schwangerschaft. Die verheerendsten Zahlen verzeichnen West- und Zentralafrika: Dort haben selbst die Reichsten weniger Zugang zu Verhütungsmitteln als die ärmsten 20 Prozent im globalen Schnitt der untersuchten 155 Entwicklungsländern.

Nach Schätzungen der UNFPA haben 214 Millionen Frauen in Entwicklungsländern keinen Zugang zu Verhütungsmitteln. Rund 43 Prozent aller Schwangerschaften in diesen Ländern sind ungewollt – das betrifft etwa 89 Millionen Frauen pro Jahr. Dies führt zu 48 Millionen Abtreibungen, zehn Millionen Fehlgeburten und einer Million Totgeburten.

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