Die Unfallstelle, im Vordergrund gelb eingezeichnet, wo der Seat die Frau unter sich begrub, bevor Helfer vom nahen Döner sie befreien konnten. Foto: StZN/Felix Mahler

Bei einem Unfall in Botnang retteten Belegschaft und Besucher eines Dönerladens und Passanten eine unter einem Auto eingeklemmte Frau. Jetzt wird die Prüfung der Kreuzung gefordert.

Der Schock eines Unfalls in Stuttgart-Botnang auf der Bauernwaldstraße wirkte auch eine Woche später noch nach: So haben Helfer – die meisten hielten sich in einem nahen Dönerladen auf – berichtet, wie sie mit vereinten Kräften eine unter einem Seat eingeklemmte 34-Jährige befreien konnten. Ihr zweijähriges Kind, zur Unfallzeit im Kinderwagen, wurde nur knapp von dem Auto verfehlt. Wir berichteten.

 

Jetzt hat sich Botnangs Bezirksvorsteherin Mina Smakaj zu Wort gemeldet, nachdem Stimmen laut geworden waren, wonach die Kreuzung unsicher sei, sich hier immer wieder Unfälle ereigneten. „Erst mal bin ich gottfroh, dass sie nicht gestorben sind“, sagt Smakaj zu den dramatischen Ereignissen vorletzte Woche.

Bei ihr hätten sich weitere Botnanger Bürger gemeldet, nun sei sie aktiv geworden und habe sich mit einem Brief an die Straßenverkehrsbehörde der Stadt gewandt. „Ich möchte wissen, was zur Verbesserung der Verkehrslage beisteuern kann“, sagt die Bezirksvorsteherin. Bislang sei die Kreuzung Bauernwaldstraße/Furtwänglerstraße nicht als Brennpunkt bekannt gewesen. Smakaj möchte auch nicht ausschließen, dass der Unfall einfach durch persönliches Versagen im Straßenverkehr verursacht wurde, wo auch keine Verkehrsregelung hätte helfen können.

Dennoch sei schon seit einiger Zeit ein Kreisverkehr mit Zebrastreifen für die Unglücksstelle im Gespräch – aktuell aber kein Geld dafür dagewesen. Tatsächlich datiert das Vorhaben bis ins Jahr 2015 zurück, damals hatte sich auch der Bezirksbeirat Botnang dafür ausgesprochen, auch damals hieß es: kein Geld dafür im Doppelhaushalt.

Zumindest in dem Dönerladen, aus dem die meisten der Helfer zur Unfallstelle eilten, ist man der Meinung, dass sich hier schnell etwas ändern muss. „Die Stadt muss etwas tun, es ist hier viel zu unübersichtlich und gefährlich“, sagte Cengiz Akpinar vom Dönerladen vergangene Woche. Er erinnere sich an mehrere Unfälle an der Straßenkreuzung – alleine im vergangenen Jahr.

Noch keine Antwort von der Stadt

Die Stadt hat am Montagnachmittag auf Anfrage unserer Zeitung erklärt, dass aus ihrer Sicht eine unzureichende Verkehrsregelung an der Kreuzung nicht erkennbar sei. Es gebe eine Mitteltrennung der Fahrbahnen, sodass Fußgänger die Straße in zwei Zügen überqueren könnten, so ein Sprecher der Stadt. Der Abschnitt gelte auch nicht als empfohlener Schulweg in der städtischen Schulwegplanung.

Im gesamten Kreuzungsbereich haben sich in den vergangenen neun Jahren lediglich zwei Unfälle mit Fußgängerbeteiligung ereignet, heißt es weiter. Dies habe eine Nachfrage beim Polizeipräsidium Stuttgart ergeben. An der konkreten Stelle des jüngsten Unfalls habe es laut Unfallbild der Polizei bisher keine Fußgängerunfälle gegeben.

Die Helfer aus dem Dönerladen kehrten an die Unfallstelle zurück. Foto: Felix Mahler

Auch wenn die Situation brenzlig war, ging der Unfall daran gemessen relativ glimpflich aus. Die Mutter mit dem Kinderwagen, die von einer 23-Jährigen nach Einschätzung der Polizei übersehen und unter dem Auto eingeklemmt worden war, wurde zwar schwer verletzt, sei aber nach ihrer Befreiung ansprechbar gewesen, berichten Unfallzeugen.

Das Kind wurde nach Polizeiangaben leicht verletzt. Gegen die Unfallfahrerin wird wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung ermittelt.