Kurz eingenickt, schon war’s passiert: Unfall auf der A 81 bei Mundelsheim Foto: 7aktuell.de/Schmalz

Mehr als die Hälfte der deutschen Autofahrer ist wegen Schlafmangels in brenzlige Situationen geraten. Dazu gehört der dramatische Unfall auf der A 81, die nachts Richtung Stuttgart stundenlang gesperrt werden musste.

Mundelsheim/Stuttgart - Der 35-jährige VW-Caddy-Fahrer hatte auf der Heimfahrt in den Enzkreis noch gut 44 Kilometer vor sich, als es passierte. Auf der A 81 Richtung Stuttgart fielen ihm am Dienstag gegen 21.45 Uhr auf Höhe Mundelsheim (Kreis Ludwigsburg) die Augen zu. Kurz, aber mit erheblichen Folgen. „Bis zu dieser Stelle gibt es kein Tempolimit“, sagt Polizeisprecher Peter Widenhorn. Hoch war das Tempo und lang der Blindflug, als der Autofahrer plötzlich aufschreckte und mit einer Vollbremsung vollends außer Kontrolle geriet.

Das Firmenfahrzeug schleuderte nach rechts, kollidierte mit der Leitplanke, blieb quer auf der mittleren Fahrspur stehen. Ein nachfolgender Audi-Fahrer wähnte sich auf freier Bahn, erkannte den Unfall zu spät und prallte voll gegen die Seite des quer stehenden Caddy. Die Wucht des Aufpralls war so groß, dass der Transporter noch 50 Meter weiter geschleudert und der Motorblock aus der Front gerissen wurde. Der 35-jährige Fahrer erlitt dabei schwere Verletzungen.

Der 29-Jährige kam mit seinem Audi nach rechts ab und rammte auf dem Standstreifen einen VW-Passat. Dessen 69-jähriger Fahrer hatte anhalten wollen, um Erste Hilfe zu leisten. Er kam zum Glück mit dem Schrecken davon. Der Audi-Fahrer landete mit seinem Wagen schließlich in der Mittelleitplanke. Auch er erlitt schwere Verletzungen. Die Verunglückten wurden am Unfallort versorgt und dann in Krankenhäuser gebracht.

Die Feuerwehr hatte mit 51 Mann alle Hände voll zu tun, um bei den Rettungsmaßnahmen zu helfen und die Unfallstelle wieder frei zu räumen. Die Fahrbahn Richtung Stuttgart musste bis Mittwochmorgen gegen 3 Uhr voll gesperrt werden.

Die Strecke gilt bei der Polizei längst als Unfallschwerpunkt. In Richtung Stuttgart ist der Verkehr von Wunnenstein an ohne Tempolimit unterwegs, ehe kurz nach der Anschlussstelle Mundelsheim eine Schilderbrücke das erste flexible Tempolimit anzeigt. „Zum Unfallzeitpunkt war aber kein Tempolimit angezeigt“, so Polizeisprecher Widenhorn. Das Umschalten von freier Fahrt auf Tempolimit führt offenbar immer wieder zu Auffahrunfällen. Seit Jahresbeginn gab es zehn Verletzte und insgesamt 155 000 Euro Schaden. Verkehrsstockungen zu spät bemerkt und dann aufgefahren – das war etwa die Ursache eines Unfalls auf der linken Spur, den ein 22-jähriger Opel-Fahrer auslöste. Der Stau verlängerte sich um mehrere Kilometer. Die längste Blechkolonne reichte über zwölf Kilometer..

Bei der vermeintlich harmlosen Unaufmerksamkeit handelt es sich aber immer wieder um starke Ermüdungserscheinungen. Nach einer Mitteilung des Deutschen Verkehrssicherheitsrats ist mehr als jeder zweite Autofahrer bereits in eine brenzlige Situation geraten, weil er zu müde am Steuer saß. Der Verein mit 200 Mitgliedsorganisationen bezieht sich dabei auf eine Studie der Basler Versicherungen. Gründe der Müdigkeit sind demnach Stress und ein voller Terminkalender. Eine unterschätzte Gefahr: Immerhin sind offenbar nur 16 Prozent nach eigenen Angaben jeden Tag ausgeschlafen. Fast jeder Fünfte gab an, dass er sich durch zu wenig Schlaf häufig schlecht auf seine Arbeit konzentrieren könne. „Das kann sich auch auf die Sicherheit im Straßenverkehr auswirken“, so Verkehrsrats-Sprecher Sven Rademacher.

Übermüdete Autofahrer sind auf der Autobahn besonders gefährdet: Wer bei 130 km/h für fünf Sekunden einnickt, ist 180 Meter im Blindflug unterwegs. Der jüngste tödliche Unfall auf einer Autobahn im Großraum Stuttgart dürfte durch Sekundenschlaf verursacht worden sein: Ein 28-jähriger Golf-Fahrer war Anfang April auf der A 8 zwischen Rutesheim und Leonberg-West ungebremst auf einen Sattelzug aufgefahren. Der Autofahrer erlitt tödliche Verletzungen. Mitte Mai gab es den nächsten Müdigkeitsunfall auf derselben Strecke. Ein 51-jähriger Fiat-Fahrer erlitt schwere Verletzungen und musste von Ersthelfern aus dem Wrack befreit werden.

Im jüngsten Fall dauern die Ermittlungen an. Der Schaden wird von der Polizei auf 33 000 Euro geschätzt. Übermüdung kann Unfallverursachern teuer zu stehen kommen. Bei Nachweis grober Fahrlässigkeit droht Verlust des Versicherungsschutzes.

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