An der Rosensteinstraße hat es vor einigen Wochen einen tödlichen Unfall gegeben. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Mit einem sogenannten Screening wollen Stadt und Polizei Punkte ausfindig machen, an denen gerast wird und weitere Risikofaktoren für Unfälle bestehen. Außerdem werden Blitzer angeschafft.

Stuttgart - Der Schock über den tödlichen Unfall an der Rosensteinstraße steckte den Verantwortlichen noch in den Knochen, als sie sich vor gut zehn Tagen zum Gespräch im Rathaus trafen. Man wollte gemeinsam beraten, was man tun kann, um in der Stadt künftig Stellen rechtzeitig identifizieren zu können, an denen schwere Unfälle geschehen können. Dazu haben sich Polizei und Stadt auf eine Mischung aus Datenanalyse und erhöhtem Kontrolldruck geeinigt. Zu dem Gespräch war es gekommen, nachdem am 6. März ein 20-Jähriger in einem gemieteten Jaguar an der Rosensteinstraße die Kontrolle verloren hatte und gegen einen Kleinwagen prallte. Dessen Insassen, ein junges Paar, starben dabei.

Potenzielle Unfallstrecken erkennen

Screening bedeutet, dass man potenzielle Unfallstrecken erkennt, bevor etwas passiert, erläutert der Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU). Er vertrat neben dem Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) in dem Spitzengespräch die Stadt, für die Polizei nahmen deren Präsident Franz Lutz und sein Stellvertreter Thomas Berger teil. Um die gefährlichen Strecken identifizieren zu können, werden unterschiedliche Erkenntnisse zusammengetragen. „Es sind Strecken, auf denen schnell gefahren wird, aber wo auch noch weitere Risikofaktoren hinzukommen“, erläutert Schairer. Als Beispiel nennt er den Fußgängerüberweg über die Heilbronner Straße auf Höhe der Haltestelle Eckartshaldenweg: An der Heilbronner Straße würde bekanntermaßen zu schnell gefahren, das wisse man von den bereits vorgenommenen Verkehrsüberwachungen. Der Risikofaktor hier sei, dass etliche Schüler dort die Straße überqueren müssen. „Es können Stellen sein, an denen viele Fußgänger unterwegs sind. Aber auch gefährliche Kurven oder unübersichtliche Straßenabschnitte können zu den gefährlichen Stellen zählen“, sagt der Ordnungsbürgermeister. Dazu kommen die Daten, die die Polizei auf ihrer Karte mit den erfassten Unfalltypen erhebe.

Kontrollen mit Laserpistolen

Nun kommt der zweite Bestandteil des Konzepts ins Spiel: Die Stadt will an den durch das Screening entdeckten Stellen die mobile Verkehrsüberwachung ausbauen. Dazu werde sie mit Bundesmitteln mehrere Anhänger mit Blitzern beschaffen, die im Stadtgebiet flexibel eingesetzt werden können. Am Neckartor war der erste sogenannte Enforcementtrailer Ende des vergangenen Jahres eingesetzt worden. Zusätzlich werde die Polizei mit Laserpistolen kontrollieren. Die genaue Umsetzung werde nun von einer Arbeitsgruppe konzipiert. „Das Ziel ist, sozusagen vor die Ereignisse zu kommen – also etwas tun können, bevor ein Unfall passiert“, fasst Martin Schairer zusammen.

Unfälle im Stadtgebiet haben oft andere Ursachen

Der tödliche Unfall an der Rosensteinstraße und ein weiterer schwerer Raserunfall an der Pischekstraße wenige Tage später hatten in der Stadt eine Diskussion über Raser angestoßen. Dabei haben Unfälle im Stadtgebiet meist andere Ursachen. Im Gegensatz zu Überlandstrecken, wo Rasen zu den Hauptunfallursachen zählt., sind in der Stadt Fahrfehler beim Wenden und Abbiegen, das Missachten der Vorfahrt und Fehler beim Rückwärtsfahren die häufigsten Unfallursachen. Das belegt die Unfallstatistik der Stuttgarter Verkehrspolizei für 2018, die am Montag veröffentlicht wurde.

Nach dem Negativrekord mit so vielen Unfällen wie nie zuvor auf Stuttgarts Straßen kann die Polizei in diesem Jahr beim Rückblick auf 2018 eine leichte Entwarnung geben. Es seien mit 26  395 Unfällen immerhin 1,6 Prozent weniger geschehen als im Vorjahr. „Aber es ist immer noch ein sehr hohes Niveau“, gibt Claudia Rohde, die Leiterin der Verkehrspolizei, zu bedenken. Pro Tag sind das immerhin noch 73 Unfälle, davon 67 mit Sachschaden und sechs mit verletzten Verkehrsteilnehmern.

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