Trümmerfeld auf der B 464 bei Grafenau: Die Strecke bleibt ein Unfallschwerpunkt Foto: Archiv/SDMG

In diesem Winter häufen sich wieder schwere Unfälle auf der B 464 zwischen Holzgerlingen und Renningen. Experten sehen zwar Verbesserungen, mahnen aber dennoch zur Vorsicht.

Am 27. November kracht es erneut auf der B 464. Ein Mercedes-Sprinter fährt auf ein Stauende bei Sindelfingen-Maichingen auf und verursacht einen Serienunfall. Die Bilanz: Ein Schwerverletzter muss mit einem Hubschrauber in eine Klinik gebracht werden, dazu werden zwei Menschen leicht verletzt, die Straße ist mehrere Stunden gesperrt und es entstehen 40 000 Euro Sachschaden. Seit Jahren ist die B 464 ein Unfallschwerpunkt, das zeigt auch unsere Auswertung der Daten aus der polizeilichen Unfallstatistik, hinterlegt beim statistischen Landesamt.

 

Im Dezember 2019 war es auf dem damaligen Neubauabschnitt zwischen Böblingen und Renningen zu einer Serie von fünf tödlichen Unfällen innerhalb eines Jahres gekommen. Als Reaktion stieß der Böblinger Landrat Roland Bernhard die Erarbeitung eines breiten Maßnahmenkatalog an. Dieser wurde in Zusammenarbeit mit Akteuren wie dem Polizeirevier und dem Regierungspräsidium Stuttgart erstellt. Die Maßnahmen umfassten die Einführung eines Tempolimits von 90 Stundenkilometern auf Abschnitten zwischen Böblingen und Renningen sowie eine intensivere Geschwindigkeitsüberwachung, einschließlich der Anschaffung eines teilstationären Blitzers. Weiterhin wurde eine doppelte durchgezogene Linie mit Überholverbot markiert, die zusätzlich profiliert wurde, um Autofahrern optische, akustische und haptische Warnsignale zu geben. Zudem wurden mehrere Nothaltebuchten entlang des gesamten Abschnitts eingerichtet sowie große Warnschilder aufgestellt.

Keine tödlichen Unfälle seit fünf Jahren

Seitdem gab es nach Angaben des Polizeireviers Ludwigsburg keine weiteren tödlichen Unfälle auf der genannten Strecke mehr. Die allgemeinen Unfallzahlen schwanken allerdings: Im Jahr 2022 wurden 17 Unfälle dort registriert, davon drei mit leichtverletzten Personen und 14 mit Sachschaden. Im Jahr 2023 waren es 21 Unfälle, mit zwei Schwerverletzten, vier Leichtverletzten und 15 Sachschäden. Im vergangenen Jahr wurden 14 Unfälle verzeichnet, darunter eine schwer verletzte Person, zwei Leichtverletzte und elf mit Sachschaden.

Externe Stellen bestätigen diese positive Entwicklung: Peter Widenhorn, stellvertretender Geschäftsführer der Landesverkehrswacht Baden-Württemberg und ehemaliger Sprecher des Ludwigsburger Polizeipräsidiums, weist darauf hin, dass die B 464 als stark befahrene Straße grundsätzlich ein höheres Unfallpotenzial aufweise. „Die von den Fachbehörden bislang ergriffenen Maßnahmen sind unseres Erachtens allesamt sinnvoll und haben 2024 und 2025 zu einer deutlichen Verbesserung der Unfallsituation auf der B 464 zwischen Böblingen-Hulb und Renningen geführt“, sagt er. Die Landesverkehrswacht hält es daher für zielführend, die weitere Entwicklung abzuwarten, bevor zusätzliche Maßnahmen ergriffen würden.

Trotz der verzeichneten Fortschritte ereignen sich auf diesem Streckenabschnitt bauch weiterhin schwere Unfälle. Ebenfalls in diesem November kam es zu einem Frontalzusammenstoß, bei dem ein alkoholisierter Lastwagenfahrer auf die Gegenfahrbahn geraten war, wobei die Beteiligten glücklicherweise keine schweren Verletzungen erlitten.

Am 17. November krachte ein Lastwagen in den Gegenverkehr. Foto: SDMG

Betonelemente wären zu teuer

Die Sorge, dass ortsfremde Fahrer Fahrbahnteiler als zweite Spur missinterpretieren und so auf die Gegenfahrbahn geraten könnten, bleibt ein Thema. Landrat Roland Bernhard hatte in der Vergangenheit bauliche Veränderungen wie Betonelemente zur Fahrbahntrennung vorgeschlagen. Solche Maßnahmen wären mit hohen Kosten und baulichem Aufwand verbunden, könnten aber eine hohe Wirksamkeit entfalten. Eine Sprecherin des Ludwigsburger Polizeipräsidiums widerspricht jedoch der Annahme eines erhöhten Risikos, auf die Gegenfahrbahn zu geraten, da die durchgehende, doppelte Fahrstreifenbegrenzung optisch, akustisch und haptisch wahrnehmbar sei.

Trotz allem die Strecke bleibt im Fokus: Die B 464 dient als Ersatzautobahn zwischen der A 81 und A 8 und zieht einen erheblichen Überlandverkehr an. Peter Widenhorn: „Bei der B 464 handelt es sich um eine stark befahrene Straße, auf der schon aufgrund dieses Umstandes vergleichsweise mehr Unfälle passieren können.“ Er fordert, die Entwicklung auf der Strecke weiterhin intensiv zu beobachten und weitere Verbesserungen von den Ergebnissen abhängig zu machen.

Die wichtigsten Verbesserungen

Tempolimit
Einführung eines Tempolimits von 90 km/h zwischen Böblingen und Renningen, ergänzt durch verstärkte Überwachung.

Markierungen
Einrichtung eines Überholverbots durch eine doppelte, profilierte Fahrbahnmarkierung sowie die Schaffung mehrerer Nothaltebuchten und großer Warnschilder.