Die Kirche des Zisterzienserklosters Maulbronn: Welterbe seit 1993 Foto: dpa

Das Unesco-Siegel verspricht touristischen Mehrwert. Baden-Württemberg liegt auch weiterhin gut im Rennen.

Stuttgart - Die Vergabe des Welterbe-Titels ist in den letzten Jahren zu einer Art Trophäenjagd geworden: Schließlich bescheinigt die Unesco den Kulturstätten einen „außergewöhnlichen universellen Wert“, und das verspricht touristischen Gewinn. Baden-Württemberg liegt dabei ganz gut im Rennen: Von den 41 deutschen Stätten, die bis jetzt in die Unesco-Liste eingetragen sind, finden sich fünf im Südwesten.

Die Klosteranlage von Maulbronn wurde 1993 als erste aufgenommen, im Jahr 2000 folgte die Klosterinsel Reichenau. Fünf Jahre später erhielt der obergermanisch-rätische Limes das begehrte Siegel – der einstige römische Grenzwall zieht sich nicht nur quer durch Baden-Württemberg, sondern tangiert auch Rheinland-Pfalz, Bayern und Hessen. 2011 erklärte die Unesco die „Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen“ zum Erbe der Menschheit. Davon liegen 15 im Land. Nun zählen auch die Le Corbusier-Häuser in Stuttgart zur Liste.

Reichenau: Titel bringt einen Mehrwert

Auf Heller und Pfennig lässt sich der touristische Nutzen des Welterbesiegels zwar nicht beziffern – im Stuttgarter Finanzministerium heißt es dazu, es gebe keine belastbaren Zahlen. Dass kulturell interessierte Gäste aber gezielt nach Welterbestätten suchen, liegt auf der Hand. „Es gibt einen Mehrwert, und den Imagegewinn kann man nicht bezahlen“, sagt etwa der Tourismuschef der Reichenau, Karl Wehrle. Gerade die Klosterinsel mit ihren mittelalterlichen Kirchen kennt allerdings auch die Schattenseiten: Die wertvollen Wandgemälde leiden unter dem ständigen Kommen und Gehen. Mit Entlüftungstechnik und „Besucherlenkung“ versuchen die Denkmalschützer, das Problem in den Griff zu bekommen.

Der Titel Welterbe hat deshalb aber nichts an Strahlkraft eingebüßt. Im Gegenteil. Der Andrang, mit einem Vorschlag auf die sogenannte Tentativliste zu kommen, ist groß. Auf dieser Liste führt die Kultusministerkonferenz die Vorschläge der Länder für künftige Nominierungen zusammen. Ganz oben steht momentan die Initiative aus Baden-Württemberg, sechs Höhlen der Schwäbischen Alb zum Welterbe zu erklären. Die Bundesregierung hat sich dies im Februar zu eigen gemacht und die „Höhlen der ältesten Eiszeitkunst“ offiziell in Paris nominiert.

Die Höhlen der Alb sind ohne Konkurrenz

„Unser Antrag ist gut“, sagt der Esslinger Archäologe Claus-Joachim Kind vom Landesamt für Denkmalpflege, der den 900 Seiten umfassenden Schriftsatz samt Karten und Grafiken verantwortet. Schließlich ist man sich in der Fachwelt einig, dass im Hohle Fels, im Geißenklösterle und wie die Höhlen sonst noch heißen, die bisher ältesten figürlichen Kunstwerke der Menschheit gefunden wurden – darunter eine 40 000 Jahre alte Venus mit gewaltigen Brüsten, aber ohne Kopf. Ob man in Paris, dem Sitz der Unesco, dem Vorschlag Deutschlands folgt, wird sich auf der nächsten Vollversammlung der Welterbe-Kommission 2017 zeigen.

Daneben hofft auch Baden-Baden, seinen Ruhm zu mehren – und zwar gemeinsam mit 15 weiteren Kurstädten, den „Great Spas of Europe“, wie sich das Bündnis nennt. Seit 2014 stehen sie auf der Tentativliste, der Nominierungsantrag soll 2017 vorgelegt werden. Wie gut die Chancen für eine Bewerbung sind, lässt sich schwer sagen. Denn mitunter haben die Unesco-Urteile etwas Orakelhaftes. Klar ist lediglich, dass barocke Schlösser, gotische Kathedralen oder mittelalterliche Städte fast keine Chance mehr haben: Es gibt einfach schon zu viele davon auf der Liste. Das Motto der Unesco lautet nämlich: Filling the gaps. (Die Lücken schließen). Insofern sind die Höhlen der Alb konkurrenzlos.

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