Philipp Hartmeyer auf dem Talhof: Der Unbekannte hielt sich zwei Stunden unbemerkt bei den Pferden auf. Foto: Simon Granville

Ein Mann bricht mitten in der Nacht in den Korntaler Talhof ein, durchsucht die Stallungen und sattelt zwei Pferde. Auf einem reitet er weg, kehrt allerdings zurück. Nach zwei Stunden wird er bemerkt. Die Betreiber sind schockiert und ratlos.

Der Schreck sitzt bei Philipp Hartmeyer noch immer tief. Die Bilder der Überwachungskameras lösen beim 32-jährigen Betriebsleiter des Korntal-Münchinger Talhofs noch immer Entsetzen aus.

 

Zu sehen ist ein Mann, der sich nachts zwei Stunden lang in den Stallgassen des Aussiedlerhofs an der Markungsgrenze zu Stuttgart-Neuwirtshaus herumtreibt. Dabei sattelt er ein Pferd, reitet los und probiert dies später nochmals bei einem weiteren Tier. Erst, als die anderen Pferde sich lautstark bemerkbar machen, türmt er – auch weil Philipp Hartmeyers Mutter Margit Raff aufgrund des Lärms nach dem Rechten sieht.

Der Mann sattelt zwei Pferde, bevor er bemerkt wird

„Das war auf jeden Fall ein Schock“, sagt Hartmeyer nach dem Vorfall in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag vergangener Woche. Die Nachtsicht-Videoaufnahmen, auf denen der Eindringling genau zu erkennen ist, hat er genau studiert. Der Unbekannte kletterte gegen 22.30 Uhr über das Tor und versuchte zunächst, in eine Sattelkammer einzudringen. „Dann hat er sich Zugang zu einer Stallgasse verschafft, die Schränke nach Equipment durchsucht und mit der Handytaschenlampe in die Boxen geleuchtet.“ Offenbar sagte ihm Hartmeyers vierjähriger Hengst Ciro Blue zu. Der Mann sattelte das Pferd und ritt los.

Was außerhalb des Kamerabereichs geschah, ist bislang noch ungeklärt. Wurde der Unbekannte vom Hengst abgeworfen? Stieg er freiwillig ab? Fakt ist, dass er wenig später zurückkehrte, um ein weiteres Pferd zu satteln. Aber auch Ciro Blue kam zurück und machte gemeinsam mit den anderen Pferden Radau. Nur so wurden die Hofbetreiber, die im wenige Meter entfernten Wohnhaus des Talhofs schliefen, überhaupt auf das Geschehen aufmerksam. Der Mann flüchtete daraufhin. „Auf dem Fahrrad ist er Richtung Neuwirtshaus gefahren“, wie Philipp Hartmeyer anmerkt. Er vermutet außerdem, dass der Unbekannte an jenem Mittwochabend bereits die finale Stallrunde seiner Mutter beobachtet haben könnte. Schließlich alarmierte die Familie noch in der Nacht die Polizei.

Screenshot von der Überwachungskamera. Das Gesicht des Unbekannten wurde von der Redaktion verpixelt. Foto: Überwachungskamera Talhof

„Da war kein Fachmann am Werk“, ist Philipp Hartmeyer sicher – nachdem er begutachtet hat, wie unbedarft der Eindringling die Tiere gesattelt und vorbereitet hat. „Er hat einfach ein Halfter drangemacht und den Pferden keine Trense angezogen.“ Vor den Kameras habe er sich zu keiner Sekunde versteckt. „Man erkennt sein Gesicht, aber ich habe den Mann noch nie in meinem Leben gesehen“, so Hartmeyer. Gut sichtbar ist, dass er dunkle Schuhe, eine dunkle Arbeitshose, ein helles Oberteil und eine Brille trägt. Geschätzt dürfte er Mitte bis Ende 20 sein.

Ob es sich bei dem Unbekannten um dieselbe Person handelt, die vor rund zweieinhalb Wochen in Weil der Stadt beobachtet wurde? Diese Frage stellt sich Gabriele Siegle vom dortigen Güthlerhof. „ Nach der Springstunde gegen 21.45 Uhr ist ein dunkler SUV in Schrittgeschwindigkeit an unserem Aussiedlerhof vorbeigefahren“, berichtet die Inhaberin. Der Fahrer habe ebenfalls Brille getragen, wie ihr ihre Stallmeisterin mitgeteilt habe. Als er bemerkt habe, dass er seinerseits beobachtet werde, sei er davon gefahren. „Das war sehr ungewöhnlich, weil wir um diese Zeit eigentlich keinen Publikumsverkehr mehr haben.“ Der Güthlerhof liegt weit außerhalb der Keplerstadt nahe der östlichen Markungsgrenze Richtung Renningen.

Hartmeyer erhöht auf dem Talhof die Sicherheitsvorkehrungen

Als sie vom Vorfall auf dem Korntaler Talhof erfahren habe, habe sie sich mit Philipp Hartmeyer ausgetauscht, so Gabriele Siegle. Hartmeyer wiederum berichtet von verstärkten Sicherheitsvorkehrungen am Gehöft. „Wir haben noch mehr Bewegungsmelder installiert, außerdem sollen die Stalltüren noch mehr Sicherheitssysteme erhalten.“ Das ist nicht unkompliziert, da man die Pferde zum Beispiel im Brandfall trotzdem schnell aus dem Stall bekommen muss. „Wir haben wirklich Sorge, weil wir natürlich nicht wissen, ob er zurückkehrt.“

Hinzu kommt: Auf dem Talhof hat man schon schlimme Erfahrungen mit Einbrechern gemacht. „Vor 13 Jahren wurde hier in großem Stil Ausrüstung gestohlen“, berichtet Hartmeyer. Die Diebe seien nachts über die Koppel gekommen, hätten Zäune durchschnitten und sich über den Hintereingang Zugang verschafft. „Und sie hatten es gezielt auf Markensattel abgesehen“, so der Betriebsleiter. Die Täter blieben unbekannt.

Polizei hat noch keine neuen Erkenntnisse

Auch im aktuellen Fall des unerwünschten Besuchers ermittelt die Polizei. Allerdings gibt es Stand jetzt noch keine weiteren Erkenntnisse, wie Polizei-Pressesprecherin Victoria Zahler auf die Nachfrage dieser Zeitung antwortet. Und weiter: „Derzeit ist auch nicht bekannt, ob es weitere Fälle gibt, die mit dem in Korntal zusammenhängen.“