Am vergangenen Freitag demonstrierten - wie hier in Stuttgart – weltweit Schüler und Studenten für einen verstärkten Klimaschutz. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

In Madrid beginnt der 25. Klimagipfel der Vereinten Nationen. Die Zeit drängt, denn im Kampf gegen die Erderwärmung wurde bereits viel Zeit vergeudet. Schaffen es die Politiker, das Tempo zu erhöhen?

Berlin - Zehntausende Teilnehmer aus allen Winkeln der Welt, riesige Erwartungen und Verhandlungen, die jeden Zeitrahmen sprengen: Die jährlich stattfindenden Welt-Klimakonferenzen sind außergewöhnliche Events im XXL-Format. Das gilt auch für die Konferenz in Madrid, die an diesem Montag beginnen und – so der Plan – bis zum übernächsten Freitag dauern soll.

Doch in diesem Fall kommt ein besonderer Faktor hinzu: Gerade einmal vier Wochen hatten die Spanier Zeit, um die Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Denn eigentlich sollte der Klimagipfel in Santiago de Chile stattfinden, die dortige Regierung sagte ihn Anfang November aber wegen der politischen Unruhen ab. Spanien bot seine Hauptstadt als Ersatzort an und die Vereinten Nationen als Veranstalter griffen dankend zu. Chile hat aber weiterhin die Präsidentschaft des Treffens inne.

Rund um den Globus gibt es Demos für mehr Klimaschutz

Vier Jahre liegt die historische Konferenz von Paris inzwischen zurück, bei der rund 200 Staaten das maßgebliche Abkommen zum Klimaschutz schlossen. Es geht darum, die Erhitzung der Erdatmosphäre möglichst auf weniger als zwei Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Auf Paris folgten Klimakonferenzen in Marrakesch, Bonn, Kattowitz und jetzt eben Madrid. Aufgabe war und ist es, das Pariser Abkommen mit Leben zu füllen und sich auf wichtige technische Details zu verständigen. „Madrid hat ein Ziel: das Regelbuch abzuschließen“, sagt die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze (SPD).

Die Konferenz in der spanischen Hauptstadt findet statt zu einer Zeit, in der rund um den Globus Millionen Menschen für mehr Klimaschutz auf die Straße gehen und immer deutlicher wird, dass die Erd-Erhitzung keine abstrakte Gefahr mehr ist, sondern längst Realität. Das EU-Parlament rief erst vor wenigen Tagen symbolisch den „Klimanotstand“ aus. US-Präsident Donald Trump hingegen ist entschlossen, im kommenden Jahr die Teilnahme der USA am Pariser Abkommen zu beenden.

Ab 2020 muss das Pariser Abkommen umgesetzt werden

Von der „COP 25“ wird in den kommenden Wochen im Zusammenhang mit dem Madrider Treffen häufiger die Rede sein. Die Abkürzung steht für die 25. Konferenz der Vertragsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention („Conference of the Parties“ – COP). In der ersten Woche werden bei den zwischenstaatlichen Verhandlungen vor allem die Experten unter sich sein, in der zweiten Woche werden auch etliche Minister und Regierungschefs ins Geschehen eingreifen. Begleitet wird die eigentliche Klimadiplomatie von einem großen öffentlichen Programm, bei dem die Zivilgesellschaft ihre Anliegen im Zusammenhang mit der Klimakrise vorbringen kann. Auch die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg wird in Madrid erwartet. Sie segelt derzeit noch über den Atlantik in Richtung Europa.

Madrid ist entscheidend, weil 2020 formal die Umsetzung des Pariser Abkommens beginnt. Deshalb muss die Staatengemeinschaft jetzt deutlich machen, dass sie tatsächlich bereit ist, in Sachen Klimaschutz zu handeln. Bei den Verhandlungen werden drei Fragen im Vordergrund stehen: Erstens geht es um die so genannten Nationalen Klimaschutzpläne, in denen jedes Land festlegt, wie schnell und in welchem Umfang es seinen Treibhausgas-Ausstoß reduzieren will. Es ist klar, dass die vorhandenen Pläne nachgeschärft werden müssen, um die Erwärmung der Atmosphäre zu begrenzen. Die Pläne müssen aber nicht nur ambitioniert sein, sondern auch überprüfbar und vergleichbar.

Wahrscheinlich dauert auch dieser Gipfel länger als geplant

Das zweite große Thema in Madrid sind die Marktmechanismen: Das Pariser Abkommen sieht die Möglichkeit vor, dass Staaten mit geringeren Emissionen Verschmutzungsrechte an Staaten mit einem höheren CO2-Ausstoß verkaufen können. Zudem sollen auch Investitionen in Klimaschutzprojekte im Ausland in der nationalen CO2-Bilanz angerechnet werden können. Für all das braucht es aber präzise Regeln. Das dritte große Thema ist die so genannte Klimafinanzierung. Damit verbunden ist die Frage, wie reiche Länder ärmere Staaten unterstützen können, die schon jetzt die Folgen der Erd-Erhitzung wie steigende Meeresspiegel oder lange Dürreperioden zu spüren bekommen.

Die Verhandlungen über all diese Fragen werden sehr schwierig sein, was an der Komplexität des Gegenstandes und den zahlreichen widerstrebenden Interessen liegt. Erfahrene Gipfel-Beobachter gehen deshalb davon aus, dass auch diese Klimakonferenz länger dauern wird als ursprünglich geplant. Am Ende werde man wieder mindestens einen Extra-Tag brauchen, heißt es. Auch das gehört zu den Besonderheiten dieser Veranstaltungen.

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