Regal im Stadtarchiv im Eltinger Rathaus: Statisch sowie platzmäßig wird es mehr als kritisch. Foto: Stadtverwaltung Leonberg

Die Leonberger Stadtverwaltung sucht nach Räumlichkeiten für ein „Sammlungszentrum“, in dem historische Objekte und Akten untergebracht werden können.

Wir schreiben das Jahr 1248. Graf Ulrich I. von Württemberg gründet die Stadt Levinberch. Schon mehr als 300 Jahre zuvor hatten sich Menschen im Gewann Wasserbach niedergelassen. Auch Eltingen war bereits urkundlich erwähnt worden: im Jahr 1100.

 

Dieser kleine Exkurs in die Leonberger Geschichte – Alteingesessene wissen das wahrscheinlich sowieso – fußt auf einem winzigen Bruchteil dessen, was in Form von historischen Objekten und Akten in der musealen Sammlung sowie im städtischen Archiv lagert.

Traglasten und klimatische Verhältnisse: Sammlungen sollen umgelagert werden

Dabei gibt es allerdings ein maßgebliches Problem: Über kurz oder lang fehlt es für all diese Artefakte, Bilder und Schriften an Platz. Das Museumsdepot befindet sich in der alten Schuhfabrik nahe dem Postareal. „Sie muss geräumt werden und war seit jeher nur als Zwischenlösung gedacht“, antwortet Verwaltungs-Pressesprecherin Leila Fendrich auf eine Anfrage. Zudem sei die Situation vor Ort bezüglich der Traglasten und der klimatischen Verhältnisse unzureichend.

Das Eltinger Rathaus: Die Statik hält so viel Historie kaum mehr aus. Foto: Stadtverwaltung Leonberg

Ähnliches gilt für das Archivdepot, das mit Magazin, Arbeits- und Benutzerplätzen aktuell im Eltinger Rathaus untergebracht ist. Auch dort seien die limitierten Traglasten zu berücksichtigen, was zunehmend statische Herausforderungen mit sich bringe.

Deshalb will – und muss – die Stadt nach Lösungen suchen und dabei auch gleich für eine neue Ordnung sorgen. Konkret geht es dabei um eine Zusammenlegung der über das Stadtgebiet verteilten Bestände von Stadtarchiv, musealer Sammlung und städtischer Kunstsammlung in einem gemeinsamen Zentrum. „Aus Museumssicht betrifft dies insbesondere die Sammlungsgegenstände, die noch im Magazin der alten Schuhfabrik lagern“, präzisiert Fendrich.

Zudem hätte eine Zusammenlegung noch weitere positive Auswirkungen. „Die Städtische Kunstsammlung weist – ebenso wie Archiv und museale Sammlung – inhaltliche Schnittmengen sowie deutliche Synergien bei konservatorischer Lagerung und Betreuung auf“, so die Pressesprecherin.

Kurzum: Falls all das irgendwann Realität werden sollte, könnte die Stadt beim laufenden Betrieb vermutlich auch Geld sparen. Nur ist eine Lösung derzeit noch nicht wirklich in Sicht. Dabei hat die Stadt bereits 2018 damit begonnen, nach geeigneten Räumlichkeiten für das Museum zu suchen. „Die statischen Limitierungen des Stadtarchivs wurden im Herbst 2023 durch ein Gutachten bestätigt“, so Fendrich. Aus dem gleichen Grund sei die Nutzung der Schuhfabrik im Frühjahr 2024 beendet worden.

Standort des Sammlungszentrums nicht zwingend im Stadtzentrum

Seitdem sucht die Stadtverwaltung nach einer Immobilie für das sogenannte Sammlungszentrum. Zunächst: Der Standort eines solchen Zentrums muss nicht zwingend im Leonberger Stadtzentrum sein, sondern kann sich auch in einem der Teilorte oder in einem Industriegebiet befinden.

Doch die Sache ist etwas komplizierter. Benötigt wird eine rund 1200 Quadratmeter große Räumlichkeit mit stabilem Raumklima ohne größere jahreszeitliche Schwankungen – also mit einer Temperatur von etwa 18 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von um die 50 Prozent. In den Magazinräumen darf es nur wenig Tageslicht geben. Büro-, Arbeits- und Benutzerräume sowie Sanitärräume sind ebenfalls notwendig.

Bücher im Stadtarchiv im Eltinger Rathaus: Findet sich ein neuer Platz für die historischen Schriften? Foto: Stadtverwaltung Leonberg

Eines der wichtigsten Details ist jedoch die Traglast: Für die Rollregale braucht es etwa zwischen 1250 und 1500 Kilogramm pro Quadratmeter, für die Standregale sind 750 bis 1250 Kilogramm pro Quadratmeter notwendig. Ein schwellenfreier Zugang, die Anfahrtmöglichkeit für Lkw plus Laderampe sowie ein Lastenaufzug sind ebenfalls unabdingbar, ebenso Schutz gegen Feuer, Hochwasser und Diebstahl.

Einige Objekte standen bereits zur Debatte, wurden aber verworfen

Zum Schluss noch ein Internetanschluss plus Datenleitung und für die Nutzer die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr – fertig wäre das perfekte Sammlungszentrum. „Es gab Objekte, die in Erwägung gezogen wurden, die allerdings aus verschiedenen Gründen – sei es finanziell, sei es wegen Mietdauer oder der räumlichen Beschaffenheit – bisher nicht geeignet waren“, gibt Leila Fendrich zu Protokoll. Aktuell seien weitere Objekte in Prüfung.

Sammlungen und Magazin

Museale Sammlung
Die Objekte bilden die Stadtgeschichte und Entwicklung von der Vor- und Frühgeschichte bis in die jüngere Vergangenheit ab. Sie kommen zum Beispiel aus dem Bereich der Wirtschaftsgeschichte (Leonberger Bausparkasse, Schuhfabriken) oder aus dem Bereich des alten Landkreises. Es geht aber auch um kulturgeschichtliche Objekte wie Einrichtungsgegenstände, Werkzeuge sowie stadtgeschichtliche Ansichten (Gemälde, gerahmte Blätter)

Archivmagazin
Das Archivmagazin umfasst Archivalien der Stadtgeschichte, also Akten der Stadt Leonberg und der vorherigen eigenständigen Stadtteile, eine Foto- und Postkartensammlung sowie Zeitungsjahrgänge.