Ende März wird das fertige Gebäude übergeben. Foto: Stefanie schlecht/Stefanie Schlecht

Die Straßenmeisterei Leonberg zieht um. Zukünftig wird sich von Magstadt aus um die Bundes-, Land- und Kreisstraßen im nördlichen Kreis Böblingen und etwas darüber hinaus gekümmert. Ab April sollen die Mitarbeitenden ihre Büros beziehen.

Wer auf der Bundesstraße 464 zwischen Maichingen und Magstadt die Ausfahrt Richtung Schafhausen nimmt, dem springt der gedrungene Neubau mit der Holzfassade und den großen Toren gleich ins Auge. Fast 15 Jahre nach dem ersten Kreistagsbeschluss steht die Bauphase für die Straßenmeisterei in Magstadt direkt an der B 464 und der Schafhauser Straße kurz vor dem Abschluss. Ende März soll alles fertig sein. Ab April ziehen die 28 Mitarbeitenden der Straßenmeisterei Leonberg dann in ihr neues Gehöft ein. Die Vorfreude ist dem künftigen Hausherrn, Andreas Lier, anzumerken. Das Beste an dem neuen Standort: „Es ist endlich etwas Neues“, sagt Lier.

 
Andreas Lier wird die Straßenmeisterei Magstadt leiten. /Stefanie Schlecht

Natürlich ist das nicht der einzige Grund, warum der Landkreis Böblingen sein vom Land Baden-Württemberg gemietetes Gebäude in Leonberg sowie den Stützpunkt in Weil der Stadt aufgibt. Ein wichtiger Faktor sind deren Alter und Zustand. Für die größer und breiter werdenden modernen Fahrzeuge der Straßenmeisterei sind die knapp 50 Jahre alten Hallen zu schmal und zu niedrig. Zudem, sagt Jörg Aichele, technischer Betriebsleiter des Eigenbetriebs Gebäudemanagement, ist das Grundstück durch die Glems geteilt. Auch liege die dortige Salzhalle für die heutigen Bestimmungen zu nah an dem Gewässer. Ähnliches gilt für den Weil der Städter Standort – dort ist es die Würm, der man bedrohlich nahe kommt.

Pläne liegen lange auf Eis

Einen dieser Standorte zukunftsfähig auszubauen, davon hatte ein Gutachter schon im Jahr 2009 abgeraten. Das ist auch schon aus Platzgründen gar nicht möglich, sind sich Aichele und Lier einig. Dazu kommt, dass man dort auch eigentlich zu sehr am Rande der zu betreuenden 289 Kilometer Streckennetz liege. Ein Jahr später entschied sich der Kreistag für den neuen Standort im Zentrum des Landkreises.

Und warum werden die Bauarbeiten erst 14 Jahre später fertig? Das begründet Aichele mit einer Untersuchung des Landes. „Die Planungen für die neue Straßenmeisterei wurden bis 2013 vorangetrieben. Dann eine sogenannte Organisationsuntersuchung angestoßen, die untersuchen sollte, ob die Straßenbetriebsdienste bei den Landkreisen bleiben, oder ob das Land die Schirmherrschaft übernimmt“, sagt er. Dazu kam es nicht, und so konnten die Planungen für den Neubau 2016 schließlich weitergehen.

Tierseuchen- und Katastrophenschutz

Genug der Historie. Der 24-Millionen-Bau soll voraussichtlich ab April rund um die Uhr besetzt sein. Und das nicht nur von der Straßenmeisterei. Man habe Synergien gebildet, so Aichele, und wolle nun auch den Katastrophenschutz und einen Tierseuchenzug in dem Gebäude unterbringen. Damit im Falle einer länger andauernden Katastrophe der Katastrophenschutz das Kommando übernehmen kann, gibt es Büroräume mit Notstromversorgung, die im Fall der Fälle genutzt werden können. Auch über die Hauptzufahrt an der Schafhauser Straße könne das Amt dann verfügen. Der Landkreis hat darum schon eine zusätzliche Ein- und Ausfahrt direkt auf die Bundesstraße anlegen lassen, um die Straßenbetriebsdienste auch im Notfall aufrecht zu erhalten.

Jörg Aichele ist technischer Betriebsleiter des Eigenbetriebs Gebäudemanagement. /Stefanie Schlecht

Auch für einen Tierseuchenzug soll in der Straßenmeisterei Platz sein. Dieser ist mit drei Fahrzeugen für den ganzen Regierungsbezirk zuständig und bekommt ein Büro und Lagerflächen zur Verfügung gestellt. „Beide Bedarfe wären im Altbau des Landratsamts wesentlich aufwendiger unterzubringen gewesen“, so Aichele.

Aus Fehlern gelernt

Noch nicht gebaut ist eine Rettungswache der Malteser, die ebenfalls auf dem Gelände Platz finden soll. Vier Rettungswagen und ein Notarzt sollen dafür sorgen, dass die Einsatzfahrzeuge im Notfall schneller dort eintreffen, wo sie gebraucht werden. Beheizt wird die Rettungswache über die Pelletheizung der Straßenmeisterei.

Die Holzoptik der Fassade setzt sich auch im Inneren der 84 Meter langen und 54 Meter breiten Fahrzeughalle fort. Imposant sind die 2,4 Meter dicken Holzträger im Deckengebälk. Auch die Salzhalle ist überwiegend aus Holz. Hier sticht das deckenhohe Tor für die Anlieferung ins Auge. Eine Lehre, die man aus Jahrzehnten des Betriebs gezogen habe, sagt Aichele. Er kenne keine Salzhalle, in der nicht einmal ein Sattelzug versehentlich den Giebel beschädigt habe. Das sei hier unwahrscheinlich. In der Salzhalle steht außerdem die Soleanlage, mit der die Straßenmeisterei Flüssigsalz für den Winterdienst herstellen kann.

Geschützt vor Regen und Wind

Bei einigen Punkten, erklärt Aichele, habe man speziell den Komfort der Mitarbeitenden im Sinn gehabt. So ist die Beladezone für die Winterdienstfahrzeuge überdacht. So sei man immerhin dabei vor der Witterung geschützt. Auch im mindestens 4000 Schilder zählenden Schilderlager soll es künftig die Möglichkeit geben, mit dem Sprinter direkt in die Halle zu fahren, um die Schilder im Trockenen vormontieren und einladen zu können.

Neben den Wegen, die durch die Verlegung ins Zentrum des Landkreises für die Mitarbeitenden wesentlich kürzer seien, wolle man auch die Zeit verkürzen, die jeder Einzelne mit Rangieren verbringt. „Das läppert sich“, sagt Aichele. In der Fahrzeughalle sind darum schräge Parkplätze vorgesehen, um das Parken auch mit Anhänger einfacher zu machen. Zudem gibt es direkte Durchfahrten von der Fahrzeughalle in die Werkstatt und in die Waschanlage. „Darauf freue ich mich auch“, sagt Lier. „Endlich ist die Waschhalle groß genug, dass man mit der Lanze um das Fahrzeug herum laufen kann.“

Man merkt besonders dem künftigen Hausherrn Andreas Lier an, wie sehr er dem Start der Straßenmeisterei im Frühjahr entgegenfiebert. Aber er dürfte nicht der Einzige sein: „Mit dem Neubau können wir endlich einige Umstände beheben und Abläufe und optimieren, unter denen die Kollegen teilweise jahrzehntelang gelitten haben“, sagt Aichele.

Aufgaben der Straßenmeistereien

Dienststellen
Die Straßenmeistereien Herrenberg und Leonberg kümmern sich um den Unterhalt ihres jeweiligen Teils des Streckennetzes. Insgesamt sind das rund 565 Kilometer. Die Straßenmeisterei ist für 289 Kilometer Bundes-, Land- und Kreisstraßen zuständig. Sie überprüft sie auf Verkehrssicherheit und behebt Mängel. Auch bei Unfällen muss sie ausrücken und sichern.

Weitere Aufgaben
Die Straßenmeisterei Leonberg betreibt insgesamt 24 Kilometer Amphibienschutzanlagen und betreut 45 Regenrückhaltebecken. Auch drei Tunnel gehören zu ihrem Gebiet. Dazu kommen rund 20 Kilometer Straße auf Stuttgarter Gemarkung sowie die Radschnellverbindung Stuttgart-Böblingen.

Winterdienst
Zwischen November und Mai arbeiten drei Schichten fast rund um die Uhr, damit die Straßen geräumt und gestreut werden. Auch wenn zum Beispiel die Feuerwehr ein brennendes Fahrzeug gelöscht hat, muss hinterher sorgfältig gestreut werden.