Eng geht es zu in der Zentrale des Roten Kreuzes. Foto: factum/Granville

Das Rote Kreuz im Kreis Böblingen braucht dringend eine neue Zentrale. Die jetzige ist viel zu klein für 160 Mitarbeiter.

Sindelfingen - Schlank und rank sind die meisten Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), die in der Kreiszentrale in der Waldenbucher Straße in Sindelfingen arbeiten. Notgedrungen vermutlich. Denn auch so haben sie größte Schwierigkeiten in den engen Fluren aneinander vorbeizukommen. Dicht gedrängt sitzen die Verwaltungsleute in den Büros, oft zu dritt in Räumen, die eigentlich als Einzelbüros gedacht sind. Noch enger geht es in den Umkleiden der Rettungssanitäter zu. Zehn Frauen teilen sich die Damengarderobe. Mehr als zwei Personen gleichzeitig können sich in dem Raum von der Größe einer Abstellkammer aber nicht umziehen.

Bereits in drei Jahren soll es mit dieser Enge vorbei sein. Wie berichtet, plant das DRK einen Neubau auf dem Flugfeld. Auf einem 4500 Quadratmeter großen Grundstück in der Umberto-Nobile-Straße soll die neue Zentrale entstehen. „Das Flugfeld wäre ein idealer Standort“,sagt Michael Steindorfner, der Präsident des DRK im Kreis Böblingen. Und das nicht nur, weil die DRK-Wache dann schräg gegenüber der geplanten neuen Flugfeld-Klinik läge. „Wir haben eine optimale Anbindung an die Autobahn und die Städte Böblingen und Sindelfingen und in den Schönbuch hinein“, . „Damit können unsere Rettungssanitäter schneller am Einsatzort sein.“ 15 Minuten nach Eingang eines Notrufs müssen die Helfer vor Ort beim Verunglückten sein, lautet die gesetzliche Vorgabe. Momentan erfülle das DRK im Kreis zu 95 Prozent diese Norm, so Steindorfner. „Doch da können wir noch besser werden.“

Ausweiten kann das Rote Kreuz dann auch seine Schulungstätigkeit. 720 Erste-Hilfe-Kurse, Betriebsschulungen sowie interne Mitarbeiterfortbildungen bietet die Organisation pro Jahr im Kreis an, davon findet die Hälfte in der DRK-Zentrale statt. „Wir haben an manchen Tagen auch zwei oder drei Veranstaltungen parallel, aber momentan nur einen einzigen Schulungsraum, der gleichzeitig auch als Besprechungszimmer dient“, sagt Wolfgang Breidbach, der Geschäftsführer des Kreis-DRK. Das führe dazu, dass für Besprechungen öfters mal auch ein Mitarbeiter aus seinem Büro geworfen werde.

Mitarbeiterzahl hat sich verzehnfacht

Als das Rote Kreuz in den 1960er Jahren seine Zentrale baute, hatte der Kreisverband gerade einmal 15 Mitarbeiter. Zwar wurden die Räume großzügig geplant, um für eine Erweiterung der Arbeit in der Zukunft gerüstet zu sein. Doch dass einmal 160 Kollegen auf 100 Stellen hier arbeiten würden, das war damals nicht vorstellbar. „Die Arbeitsbedingungen heute sind für die Mitarbeiter unzumutbar“, sagt Breidbach.

Hinzu kommt, dass auch im Außenbereich beengte Verhältnisse herrschen. „Die Ausfahrt der Rettungswagen ist gefährlich und umständlich“, erklärt der Geschäftsführer Breidbach. Zudem fehlen Parkplätze für Mitarbeiter und Besucher.

Die Frage, wie sich die Platzprobleme lösen lassen, beschäftigt das Rote Kreuz schon seit Jahren. Ein Anbau an das zwischen Autobahn und Behindertenwerkstatt eingeklemmte Gebäude ist nicht möglich, eine Aufstockung des Flachdachbaus kommt aus statischen Gründen nicht in Frage. Andererseits muss das jetzige 50 Jahre alte DRK-Gebäude dringend saniert werden. 1,3 Millionen Euro würde das allein kosten – ohne dass der Verband dann mehr Platz für seine Mitarbeiter hätte.

„Wir müssen umziehen und neu bauen“ – diese Forderung stellte der Präsident Steindorfner erstmals vor einem Jahr. Bei der Delegiertenversammlung am vergangenen Freitag präsentierte er konkrete Pläne für einen Neubau auf dem Flugfeld. Mit großer Mehrheit stimmten die 167 Delegierten aus den 25 Ortsvereinen den Plänen zu. 9,5 Millionen Euro soll der Neubau inklusive Grundstück kosten. Knapp fünf Millionen Euro Rücklagen hat der Kreisverband dafür gebildet. Hinzu kommen weitere 400 000 Euro aus einer Erbschaft. Mit einer halben Million Euro rechnet das DRK als Zuschuss vom Land für die Rettungswache, weil mit der Verlegung der Wache die Hilfsfristen verbessert werden. Für die restlichen 3,5 Millionen Euro muss das Rote Kreuz einen Kredit aufnehmen.

Einzug bereits 2015 geplant

Das grüne Licht der Mitglieder hat der Verband am Freitag erhalten. Bereits am Montag schickte er einen Brief an den Zweckverband Flugfeld, um das ins Auge gefasste Grundstück endgültig zu reservieren. Noch in diesem Jahr soll nach dem Willen von Steindorfner und Breidbach der Kaufvertrag unterzeichnet werden; Verhandlungssumme: 1,2 Millionen Euro. Ende 2013 könnte Baubeginn sein und im Jahr 2015 die neue Zentrale samt Rettungswache auf dem Flugfeld in Betrieb gehen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: