Auf einer Baustelle in Altbach (Kreis Esslingen) zerfallen etliche Quadratmeter Folie in kleine Teile. Vom Wind wird das Material seit Monaten in die Umwelt getragen.
Zwei Grundstücke im Westen der Gemeinde Altbach, Ecke Lenaustraße und Bachstraße, sollten mit neuen Wohnhäusern bebaut werden. Doch bereits seit vergangenem Jahr tut sich nichts mehr in der Baugrube. Der aufgebaute große Kran ist schon lange wieder abgerückt. Die großflächig verlegte weiße und schwarze Folie zerfällt und wird vom Wind in die Nachbarschaft verteilt.
„Es kümmert keinen“, ärgern sich Ingeborg und Thomas Kieckhäfer. Sie bewohnen ein Nachbargrundstück und haben von ihrem Balkon einen hervorragenden Blick auf den künstlichen Canyon samt See. Sie haben bereits vor vielen Monaten verschiedene Behörden auf die Umweltsauerei aufmerksam gemacht. Passiert ist nichts, die Folie zerfällt weiter.
Eidechsen auf Altbacher Baustelle mussten umgesiedelt werden
Worum man sich behördlicherseits dagegen gut gekümmert habe, seien die Eidechsen, die auf dem noch nicht ausgebaggerten Baugrundstück gefunden wurden, loben die Nachbarn. Die Eidechsen seien umgesiedelt worden. Die Tierchen sind der Grund, weshalb es auf dem schmaleren Wiesengrundstück bislang nicht mit den Bauarbeiten vorangeht. Die Rückkehr der Eidechsen soll ein kleiner Zaun verhindern, der akribisch um das Baugrundstück herum aufgestellt wurde.
Sogar der Rasen um den Zaun herum werde inzwischen regelmäßig gemäht, damit die kleinen Tiere es nicht mit Hilfe des Grases zurück Richtung Baugrube schaffen. Generell scheint den Ämtern die Umwelt also nicht gleichgültig zu sein. Bloß die Folie, sie zerfällt weiter. Hinzu komme, dass die Baugrube samt See inzwischen auch als illegale Müllgrube, beispielsweise zur Entsorgung von alten Reifen, genutzt werde, klagen die Nachbarn.
Unwetter lässt Hang in Altbacher Baustelle abrutschen
Für das große Grundstück mit der Grube gibt es seit wenigen Jahren eigentlich große Pläne. Mit dem Titel „Haus B“ sollen dort neue Wohntypologien und -formen in Altbach gebaut werden. Auf den Internetseiten der Internationalen Bauausstellung 2027 wird das Projekt vorgestellt. Für viele Nachbarn war die Einstellung der Bauarbeiten daher überraschend. Der Stopp hat aber eine plausible Vorgeschichte: Ein Unwetter im vergangenen Jahr hat den Hang teilweise abrutschen lassen. Im Anschluss mussten viele Fragen geklärt werden, unter anderem, wer die durch den abgerutschten Hang entstandenen Mehrkosten trägt. Wie es weitergeht, ob der Bauherr das Projekt fortsetzt oder verkauft, muss nun abgewartet werden.
Das alles ist für die Kieckhäfers aber zweitrangig. Sie stört die zerfallende Folie, für die sich scheinbar niemand so richtig interessiert. Die Untere Naturschutzbehörde sei jedenfalls nicht zuständig, heißt es aus dem Landratsamt. Die Kreisbehörde verweist auf den Gemeindeverwaltungsverband (GVV) Plochingen, Altbach, Deizisau als Baubehörde. Die Baugrube und die damit zusammenhängenden Probleme seien bekannt und würden bearbeitet, heißt es von dort. Details wie der Art der Folie, ob sie denn womöglich umweltschädlich ist, wann sie endlich fachgerecht entsorgt wird, wer für die Kosten aufkommt, warum bisher nichts geschehen ist, ließ der Gemeindeverwaltungsverband offen. Es könnte also sein, dass sich die Nachbarn weiter gedulden müssen.