Misteln abzusägen, ist ein Knochenjob – vor allem bei der Hitze. Foto:  

Sie sind jung, und sie wollen etwas Gutes tun: Bei einem internationalen Workcamp in Filderstadt pflegen Jugendliche von nah und fern Streuobstbäume. Und damit verfolgen sie gleich zwei Ziele.

Filderstadt - Das Problem hängt hoch oben in den Obstbäumen. Die hellgrünen Büschel sind auf den ersten Blick nicht leicht zwischen dem Blätterdach der Bäume zu erkennen. „Die Misteln sind wie Räuber. Sie klauen den Bäumen wichtige Nährstoffe und Wasser“, erklärt Luisa Heinrichs. Um das Problem zu lösen, also die Bäume von den diebischen Misteln zu befreien, hat sich die 16-Jährige aus der Eifel mit einer ausfahrbaren Baumsäge bewaffnet. Sie sägt die Schmarotzer ab.

Warum tauschen sie Sonnenstuhl gegen Obstbaumwiese?

Das macht Luisa Heinrichs nicht alleine. Um sie herum sind insgesamt 20 Jugendliche und Betreuer auf der Obstwiese am Ortsausgang von Sielmingen zugange. Einige sägen hoch oben in den Bäumen die Misteln ab, andere hieven die abgeschnittenen Äste zu einem Sammelpunkt. Und das alles bei hochsommerlichen Temperaturen. Wieso haben diese Jugendlichen aus unterschiedlichen Ländern ihren Sonnenstuhl gegen eine Baumsäge getauscht?

„Ich wollte einfach mal etwas Sinnvolles in den Ferien machen und nicht nur zu Hause rumsitzen“, sagt Luisa Heinrichs. „Außerdem finde ich es wichtig, etwas für unsere Umwelt zu tun.“ So geht es auch dem 16-jährigen Bohdan aus der Ukraine: „Es ist so wichtig, dass wir unserer Natur helfen. Sie ist unser Lebensraum, ohne den wir nicht existieren können.“

Inspiriert von den Fridays for Future

Auf einer Umweltdemo waren die beiden Jugendlichen noch nie, sagen sie. Jedoch merkt man, dass sie von dem Gemeinschaftsgefühl der Fridays-for-Future-Bewegung angesteckt wurden. „Wir müssen Vorbilder sein für andere, vor allem für kleinere Kinder“, sagt Bohdan. Luisa stimmt ihm zu: „Wir machen durch Demos oder Projekte wie hier in Filderstadt einen Schritt nach vorne und sprechen unsere Meinung laut aus.“ Das Wir-Gefühl ist auch hier groß.

Entstanden ist das Mistel-Projekt – das zwei Wochen lang läuft – durch eine Zusammenarbeit des Internationalen Jugendgemeinschaftsdienstes (IJGD) und der Stadt Filderstadt vor knapp einem Jahr. Das Konzept ist einfach: Jugendliche aus der ganzen Welt können sich beim IJGD für einen Auslandsaufenthalt bewerben. Der IJGD sucht dann Partner, die zusammen mit ihm das Projekt gestalten. So finden Jugendliche aus dem Ausland zusammen. Das Ganze nützt also nicht nur der Umwelt, sondern auch der Völkerverständigung.

Er wollte unbedingt ein Projekt in Filderstadt starten

Beim Mistel-Projekt war der Filderstädter Fabian Appel treibende Kraft. „Ich war selbst schon ein Jahr mit dem IJGD in Mexiko. Seit ich wieder zurück bin, wollte ich ein Projekt in meiner Heimat starten.“ Sein Vater hat sich an die Stadt gewandt und hat mit ihr zusammen das Projekt entwickelt. Fabian Appel ist als Betreuer dabei. „Mir macht es Spaß, den Jugendlichen zu helfen und sie zu unterstützen“, sagt der 22-Jährige.

Luisa hat beim Sägen mittlerweile Verstärkung bekommen. Bohdan hilft ihr. „Es ist schon anstrengend, die Misteln ganz oben abzusägen. Da bekommt man Muskelkater in den Armen“, sagt Bohdan. Jedoch sei das in der Gruppe nicht schlimm: „Wir wechseln uns ab“, sagt Luisa. „Dann kann jeder mal kurz Pause machen.“

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