Jeder Flugreise belastet die Umwelt. Wer sein Gewissen beruhigen will, kann Geld für Klimaschutzprojekte spenden. Foto: dpa

Wer den Kohlendioxid-Ausstoß für seine Reise ausgleichen will, der kann Geld für ein Klimaschutzprojekt spenden. Wir erklären, was dabei zu beachten ist und wo das Geld wirklich landet.

Stuttgart - Reisen belastet die Umwelt, vor allem, wenn man das Flugzeug nimmt. Mit der Untersützung von Klimaschutzprojekten kann man etwas Gutes tun.

Welche Idee steht hinter der CO2-Kompensation?

Kohlendioxid ist ein Klimakiller: Das Gas bildet eine Hülle um die Atmosphäre und lässt zwar Sonnenstrahlen rein, Wärme aber nicht wieder ins Weltall entweichen. Dadurch heizt sich die Erde auf. Beim Fliegen wird sehr viel CO2 frei: Ein Flug von Frankfurt nach Madrid verursacht zum Beispiel hin und zurück etwa eine Tonne davon – pro Passagier, nicht pro Flug. Wer fliegen muss und trotzdem kein Umweltfrevler sein will, der kann wenigstens einen Ausgleich schaffen: Er unterstützt Projekte, die an anderer Stelle auf der Welt entsprechend viel CO2 einsparen.

Welche Anbieter gibt es?

Die Stiftung Warentest hat gerade erst („Finanztest“-Heft 3/2018) sechs Organisationen ausfindig gemacht und unter die Lupe genommen: Atmosfair, Klima-Kollekte, Primaklima, Myclimate, Klimamanufaktur und Arktik. Sie alle wenden sich an Privatkunden. Ein einzelner Reisender kann über sie CO2 kompensieren.

Wie funktioniert die Kompensation konkret?

Der Reisende gibt zum Beispiel auf der Website eines Kompensationsanbieters seine Reisestrecke an und erfährt dort, wie viele Tonnen CO2 der Flug verursacht. Er kann dann an Ort und Stelle das Geld für die Kompensation bezahlen. Der Kompensationsanbieter erwirbt daraufhin für die Summe abzüglich seines Verwaltungsaufwands Zertifikate eines Klimaschutz-Projektentwicklers. Alle Beteiligten werden über die Zertifikate vom WWF und anderen Umweltverbänden kontrolliert.

Welcher ist der beste?

Die besten Klimaschutzprojekte bieten laut Stiftung Warentest Atmosfair, Klima-Kollekte und Primaklima. Alle drei erhielten in der Gesamtnote ein „sehr gut“. Myclimate wurde mit „gut“ bewertet, Klimamanufaktur und Arktik nur mit „ausreichend“. In die Beurteilung flossen dabei außer der Qualität der eigentlichen Kompensation auch die Transparenz von Projekten und Zahlungsströmen, die Kontrollmöglichkeit und die Höhe der Verwaltungskosten der jeweiligen Unternehmung ein.

Was geschieht mit dem Geld?

Marktführer Atmosfair versorgt zum Beispiel in Afrika Familien mit effizienten Solaröfen, so dass dort weniger Feuerholz verbrannt und Wald vernichtet wird. Ein weiteres Projekt gibt es etwa in Nepal. Dort verarbeiten Minibiogasanlagen Kuhdung zu Gas, mit dem dann ebenfalls gekocht werden kann. Die Klima-Kollekte ersetzt in Indien Kerosinlampen durch Solarlampen.

Warum ist die Wiederaufforstung umstritten?

Andere Unternehmen wie Primaklima forsten mit dem Geld Wald wieder auf. Pflanzen lagern beim Wachsen nämlich CO2 ein. Das Problem ist nur: Wenn der Baum verrottet oder verheizt wird, dann wird das CO2 wieder frei. Insofern gelten Waldprojekte unter vielen Klimaschützern als Kompensation zweiter Wahl. Allerdings haben Wälder auch zahlreiche positive Nebeneffekte, sie dienen etwa als Wasserspeicher und Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Was kostet es?

Die Preise für die Kompensation sind recht unterschiedlich: Sie reichen von fünf bis 23 Euro pro Tonne CO2. Das hängt vor allem von der Art der Projekte ab. In die Bewertung der Stiftung Warentest sind die Preise nicht eingeflossen. Unter den „sehr guten“ Anbietern berechnen Atmosfair und Klima-Kollekte 23 Euro pro Tonne CO2; Primaklima, das ausschließlich über Waldprojekte kompensiert, kommt auf 15 Euro. Bei 0,1 Tonnen CO2-Ausstoß pro Passagier auf einem Flug von Frankfurt nach Berlin und 23 Euro pro Tonne werden also 2,30 Euro für die Kompensation fällig. Bei fünf Tonnen für einen Flug von Frankfurt nach Sydney sind es 115 Euro (jeweils für die einfache Strecke).

Warum kommen die Organisationen auf unterschiedliche CO2-Verbräuche?

Wer seinen geplanten Flug bei den einzelnen Anbietern eingibt, der erhält ganz unterschiedliche Belastungen mitgeteilt. Ein Flug von Deutschland nach New York verursacht zum Beispiel je nach Klimakompensator zwischen 2,3 und 3,8 Tonnen CO2 pro Passagier. Die Differenzen rühren daher, dass unterschiedliche Rechenmethoden angewendet werden. Wichtigster Faktor ist, um wie viel höher der Treibhauseffekt in der Flughöhe gegenüber dem Erdboden eingeschätzt wird. Dieser sogenannte RFI (Radiative Forcing Index) reicht von eins (gar kein Unterschied) bis drei (dreifache Belastung). Der Weltklimarat empfiehlt einen Faktor von 2,7.

Wo kann man kompensieren?

Alle genannten Anbieter bieten die Kompensation direkt auf ihrer Website an. Einige Tourismus-Unternehmen wie etwa die Fluggesellschaft Lufthansa oder der Konzern Tui und auch manche Reisebüros ermöglichen die Kompen­sation zusätzlich direkt während des Buchungsprozesses. Die Lufthansa kalkuliert dabei allerdings nur mit einem RFI-Faktor von eins und kompensiert dadurch letztlich nur zum Teil.

Lässt sich die Zahlung von der Steuer absetzen?

Ja. Ausgleichszahlungen an Anbieter von CO2-Kompensation können in Deutschland als Spende von der Steuer abgesetzt werden. Das ist allerdings nicht möglich bei den Anbietern Arktik und Klimamanufaktur, weil beide Organisationen hierzulande nicht als gemeinnützig anerkannt sind.

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