Klimaschutz bewegt die Massen. Die Stadt Leinfelden-Echterdingen will da nicht hinterherhinken. Foto: dpa/Omar Marques

Alle Welt redet über die Umwelt, in Berlin wird um ein Klimaschutzkonzept gestritten. In Filderstadt gibt es eine Klimaschutzmanagerin. Auch Leinfelden-Echterdingen will etwas ändern, die Frage ist: Was?

Leinfelden-Echterdingen - Der Klimaschutz ist derzeit in aller Munde. Junge Menschen gehen weltweit auf die Straße, um den Planeten zu retten. Auch die Stadt Leinfelden-Echterdingen will da nicht hinterherhinken. Die Kommune hat sich vorgenommen, ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten. „Wir werden dabei erst einmal aufarbeiten, was wir bereits getan haben“, sagt Oberbürgermeister Roland Klenk.

Denn auch wenn es in der Stadt noch kein entsprechendes Konzept gebe, genauso wenig wie einen Klimaschutzbeauftragten wie etwa in Filderstadt, heiße das nicht, dass die Kommune in dieser Sache bisher untätig gewesen sei. „Wir haben sämtliche Straßenlampen auf LED umgestellt“, sagt Klenk, „und damit jede Menge Strom gespart“. Die städtischen Grünanlagen seien längst insekten- und bienenfreundlich. Und seit 2008 sei in Leinfelden eine Biogasanlage in Betrieb, die aus lokal erzeugter Biomasse, wie Maissilage, Grünschnitt, Stroh und Pferdemist, Strom und Wärme erzeugt.

Die Stadtwerke bieten Ökostrom an. „Hier bleibt es spannend, was die große Politik macht“, sagt Stadtwerkechef Peter Friedrich. Bewegungen auf dem Strommarkt kämen den Stadtwerken zupass, denn dann würden die Verbraucher wieder einmal auf ihre Stromrechnung schauen und möglicherweise zu einem günstigeren Anbieter wie den Stadtwerken wechseln. Die Klärwerke, die viel Strom verbrauchen, werden saniert. Die Faultürme werden gedämmt. Künftig wird die komplette Wärme über Faulgas erzeugt. „In einem geschlossenen System und damit vollkommen geruchsneutral“, sagt Friedrich.

Tipps zum Energiesparen

Die Stadtwerke informieren auf ihrer Internetseite zum Klimaschutz. Sie geben Tipps zum Energiesparen. Das kommt an, hat Friedrich festgestellt. 70 Leute ließen sich kürzlich durch das künftige Gebäude der Stadtwerke in Leinfelden an der Maybach-/Benzstraße führen. Der Neubau wird durch erneuerbare Energiequellen und die Abwärme des Datacenters geheizt werden. „Wir werden künftig ein Drittel der Energie verbrauchen und das auf dreifacher Fläche“, sagt Friedrich. Im Frühjahr steht der Umzug von Stetten nach Leinfelden an. Der Termin hat sich verzögert, weil eine Firma sich schwer tat, Monteure auf die Baustelle zu bekommen. In dem Neubau wird auch das städtische Ordnungsamt als Mieter untergebracht.

Zurück zum geplanten Konzept: Die Stadt hat laut Klenk im Jahr 2010 „einen Haufen Geld“ für ein Gutachten von einer Beratungsgesellschaft zum Thema Klimaschutz ausgegeben. „Was ich noch immer kritisiere“, sagt er. 126 000 Euro hatte die Expertise damals gekostet, 100 000 Euro übernahm der Bund. Die Kommune wollte 2009 ihren CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2020 halbieren und gab das Gutachten in Auftrag.

Unter anderem schlugen die Experten in dem Papier vor, eine Filder-Card einzuführen. Jeder, der in die energetische Sanierung seines Hauses investiert, sollte demnach eine Gutschrift auf der Karte erhalten und dann Rabatte – beispielsweise beim Kauf eines energieeffizienten Kühlschrankes – bekommen. Damit sollten Anreize für ein Bewusstseinswandel in der Bevölkerung geschaffen werden. Unter den politischen Entscheidern fand das Gutachten nur wenig Gegenliebe. Auch Klenk sparte nicht an Kritik. „Das Konzept wurde nur bis zu einem gewissen Grad weiterverfolgt“, sagt er heute.

Erstes Gutachten fand wenig Gegenliebe

Nun also wird ein weiterer Anlauf genommen. Details dazu sind allerdings noch nicht zu erfahren. Fraglich ist zudem, ob es künftig einen Klimaschutzbeauftragten in der Stadt geben wird. OB Klenk ist laut eigenen Angaben kein Freund solcher Posten. „Für mich ist entscheidend, dass gehandelt wird“, sagt er. Dabei könne die Arbeit auch gut auf mehreren Schultern verteilt werden.

Die Mitarbeiter des Amtes für Umwelt, Grünflächen und Tiefbau werden sich um die Aufgaben hauptsächlich kümmern. Die Stadt will auch prüfen, ob die örtliche Biogasanlage geeignet ist, Pflanzenkohle herzustellen. Diese Idee hatte die Fraktionsgemeinschaft Liste Engagierte Bürger/Demokratie in Bewegung mit einem Antrag thematisiert. Biokohle besteht aus rein pflanzlichen Stoffen.

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