Die Obere Walke an der Gartenstraße sollte längst bebaut sein. Foto: Frank Eppler

Die Stadt Backnang startet einen neuen Anlauf für die Bebauung der Oberen Walke. Eines Tages könnten auf dem Areal rund 500 Menschen leben. Umweltschützer haben Bedenken.

Backnang - Auf den ersten Blick kann es eigentlich keine Zweifel geben: Die Obere Walke – ein sechs Hektar großes Areal direkt an der Murr in Backnang gelegen – könnte zu einem schmucken Wohngebiet werden. In unmittelbarer Nähe gibt es einen Supermarkt und einen Discounter. Der Fußweg in die Altstadt ist nicht weit. Und selbst das neue Kombibad am Stadtrand ist – zumindest mit dem Fahrrad – schnell zu erreichen.

Doch im Boden lagern Altlasten. Laut Einschätzung der Stadtverwaltung sind diese beherrschbar und nicht gefährlich, doch das sehen nicht alle so. Der Grünen-Stadtrat Eric Bachert hat kürzlich von einer „Sondermülldeponie“ und einer „Zeitbombe“ gesprochen. Der örtliche Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) bemängelt zudem, dass das Areal eigentlich nicht – zumindest nicht komplett – bebaut werden sollte, um bei extremem Hochwasser als Retentionsfläche zur Verfügung zu stehen.

Die alten Industriegebäude wurden längst abgerissen

Es ist umstritten, ob auf der Walke gebaut werden darf. Würde das Areal als neues Baugebiet angesehen, dann könnte Wohnbebauung wegen der Nähe zum Fluss möglicherweise grundsätzlich verboten sein. Die Stadt indes ist der Auffassung, dass die Bebauung zulässig ist, weil die Walke ja bisher schon aufgesiedelt war – mit Gebäuden der Lederindustrie.

Diese alten Indus­triegebäude wurden längst abgerissen. Seither herrscht Stillstand. Die Brache sieht aus wie eine Mondlandschaft. Die Dob­linger Industriebau AG (Dibag) ist die Eigentümerin, sie hat die einst hoch fliegenden Pläne für die Obere Walke aber längst beerdigt. Aus dem anvisierten großen Fachmarktzentrum wurde nichts, denn alle potenziellen Interessenten sind abgesprungen, unter anderem ein Elektronikmarkt und ein Discounter.

Jetzt also unternehmen die Stadt und der Investor einen neuen Anlauf. Der Gemeinderat hat den Bebauungsplan für die Obere Walke kürzlich auf den Weg gebracht, bei lediglich zwei Gegenstimmen aus den Reihen der Grünen. Insgesamt sollen nach den neuesten Plänen rund 200 sogenannte Wohneinheiten entstehen, in denen eines Tages etwa 500 (Neu-)Backnanger wohnen könnten. Vorgesehen sind sowohl Mehrfamilien- als auch Einfamilienhäuser. Entlang der Gartenstraße sollen höhere Gebäude den Schall abfangen. Geplant sind auch Grünflächen sowie direkte Zugänge zur Murr.

Stadt: „Die Gefahrenlage ist derzeit hinnehmbar“

Das Areal soll aufgeschüttet werden – um fortan vor Hochwasser geschützt zu sein. In den Unterlagen des Stadtplanungsamts heißt es, dass der Verlust an Retentionsfläche, der dadurch entstehe, spätestens mit der Umsetzung der Konzepts des Wasserverbands Murrtal ausgeglichen werde. Der Verband plant, wie berichtet, entlang der Murr den Bau mehrerer Hochwasserrückhaltebecken. Deshalb sei eine „vollständige Bebauung des Plangebiets möglich“, so die Stadt Backnang.

Der BUND ist ganz anderer Ansicht. Das Vorstandsmitglied Andreas Brunbold sagte am Rande der jüngsten Gemeinderatssitzung, dass die Stadtverwaltung aus seiner Sicht mit ihren Plänen nicht durchkommen werde. Denn das Gelände dürfe nicht angehoben werden. Zum Thema Altlasten heißt es in den Unterlagen des Stadtplanungsamtsleiters Stefan Setzer: Die Gefahrenlage sei „derzeit hinnehmbar“. Durch „geeignete technische Sicherungsmaßnahmen“ müsse gewährleistet werden, dass kein Sickerwasser in den Untergrund gelange – beispielsweise durch den Einbau einer wasserundurchlässigen Trennschicht. Tief wurzelnde Bäume und Teiche würden deshalb nicht erlaubt. Keller und Garagen dürften aber gebaut werden.

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