An der Ecke zu Siggi’s Imbiss ist eine Veränderung geplant: An der Kreuzung Foto: factum/Simon Granville

Die Haupteinkaufsstraße soll durch ein städtebaulich markantes Gebäude betont werden. So unumstritten dies im Rat ist, so unklar ist, wie markant das Haus sein darf.

Ditzingen - Früher bildeten die Stadttore den militärisch gesicherten Durchlass in eine Stadt, später dienten sie der Kontrolle oder der Erhebung der Zölle, heute sind sie vor allem repräsentativ. Ein Stadttor hat Ditzingen nicht, aber den Beginn der Haupteinkaufsstraße wollen sie dennoch markieren. Darüber besteht im Gemeinderat grundsätzlich Einigkeit. Wie der moderne Eingang gestaltet werden soll, darüber sind sie sich aber uneins.

Deshalb gingen im Gemeinderat auch die Meinungen über einen Vorschlag der Verwaltung auseinander. Die hatte ein städtebauliches Konzept für die Ausgestaltung der Kreuzung Garten- und Münchinger Straße in der Kernstadt vorgestellt. „Das eignet sich für ein großstädtisches Flair“, sagte etwa der CDU-Fraktionschef Sven Sautter, ehe er mit einer Frage schloss: „Ist das nicht eine Nummer zu groß?“, fragte der CDU-Vertreter, denn „das wird schon sehr voluminös wirken“. Der Freie Wähler Bernhard Arzt stieß ins selbe Horn und sprach die Zweifel aus, die in der Diskussion immer wieder laut wurden: „Das ist eher ein Stockwerk zu hoch. Wollen wir das?“

Markanter Punkt oder schlicht zu wuchtig?

Bebaut werden soll demnach eine Fläche, die in Teilstücken sowohl in privater als auch städtischer Hand ist. Der Investor hatte im Vorfeld Gespräche mit der Verwaltung über die Form der Bebauung geführt. Geplant sind zwei Gebäude, ein vier- und ein sechsgeschossiges Gebäude, wobei jeweils die oberste Etagen als Staffelgeschoss zurückgesetzt ist.

Die Verwaltung hatte zunächst im Ausschuss für Technik und Umwelt argumentiert, dass die neue Bebauung einen Hochpunkt darstelle, der die Ecksituation betone „und sich in seiner Dimension durchaus in die Umgebung einfügt“, wie es in der schriftlichen Beratungsunterlage für die Stadträte heißt. Die Verwaltung argumentierte, einen „Punkt setzen“ zu wollen „für die tatsächliche Innenstadt“, also das merkantile Zentrum.

Dies hielt die SPD-Fraktionschefin Sabine Roth für „konstruiert“. Die geplanten Gebäude waren auch ihr „zu wuchtig“. Als das Wohn- und Geschäftshaus gebaut wurde, in dem sich der Drogeriemarkt Rossmann befindet, hatte der Rat ebenfalls über die Dimension diskutiert. Doch das Rossmann-Gebäude sei „nicht so massiv“, so Roth.

Bahmer: „Kein Hochhaus“

Ein städtebaulicher Hochpunkt sei nicht mit einem Hochhaus zu vergleichen, hielt der Bürgermeister Ulrich Bahmer in der Debatte im Gemeinderat den Räten entgegen. Ein Hochhaus beginne erst bei 22 Metern Die Räte hatten vielfach in ihrer Argumentation von einem Hochhaus gesprochen.

Manfred Grossmann, der Chef der Freien Wähler-Fraktion, war daran gelegen, das Augenmerk in dem Kreuzungsbereich auf den Verkehr zu richten. Dieser müsse in Richtung Münchingen flüssiger gemacht werden. Einen anderen Schwerpunkt setzten die Grünen. Eine eigene Abbiegespur zementiere die Autostadt. „Viel wichtiger ist es, die Fußgängersituation zu verbessern“, sagte die Grünen-Fraktionschefin Doris Renninger.

Sie legte zudem großen Wert auf eine Dach- oder gar Fassadenbegrünung, denn „das Grundstück wird komplett versiegelt“. Dass der Bauherr zum Einsatz nachhaltiger Baustoffe verpflichtet werden soll, wie von ihr gefordert, ging Manfred Grossmann zu zweit. Um das verbindlich einzufordern, war das Verfahren an diesem Abend allerdings auch noch nicht weit genug gediehen, „Im Bebauungsplan kann man alles detaillieren, was man will“, sagte Ulrich Bahmer. Letztlich stimmte der Gemeinderat mit großer Mehrheit für den Verwaltungsvorschlag, also eine abgestufte sechs- und vierstöckige Bebauung.

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