Kultusministerin Eisenmann will vermeiden, dass in kleinen Hauptschulen endgültig aufgestuhlt wird. Foto: dpa

Erhalten oder zumachen? Die Zukunft kleiner Hauptschulen entzweit nicht nur die Politik. Auch große Städte haben eine andere Auffassung als kleinere Gemeinden.

Stuttgart - Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat sich schon im Juni klar positioniert. Sie will die strengen Regeln für den Fortbestand kleiner Hauptschulen lockern und wenigstens die bestehenden Schulen retten. Nur 235 Hauptschulen im Land haben noch Schüler in allen Klassen von fünf bis neun.

„Wir sehen keine Notwendigkeit für eine Änderung“, erklärt allerdings Norbert Brugger, der Bildungsdezernent des Städtetags. „Die Unterhaltung kleiner Schulen ist wesentlich teurer als die Unterhaltung größerer, die pädagogischen Möglichkeiten an kleinen Schulen sind dagegen geringer“, mahnt der Bildungsexperte.

Problem fehlender Lehrer

Angesichts des anhaltenden Lehrermangels erklärte Brugger gegenüber unserer Zeitung: „Lehrer kann man nicht klonen, wenn man sie weiter an zu klein gewordenen Schulen einsetzt, fehlen sie an anderen.“ Der Dezernent meint, „die Aktion steht quer zu den Beteuerungen des Landes, den Lehrermangel beseitigen zu wollen“ und appelliert an das Land, „die eigenen Ressourcen und jene der Kommunen zu schonen“. Die bisherigen Regeln seien fair und würden auch Ausnahmesituationen berücksichtigen.

Den Hauptschulabschluss könnten Schüler an etwa 1000 Standorten im Land ablegen, an Realschulen, Gemeinschaftsschulen sowie Werk- und Realschulen.

Ganz anders sieht das Roger Kehle, der Präsident des Gemeindetags, in dem die kleineren Kommunen zusammengeschlossen sind. Kehle sagte auf Anfrage: „Die Haupt- und Werkrealschulen sind unverzichtbarer Bestandteil unseres Bildungssystems. Die Erhaltung der Schulstandorte hat für den Gemeindetag Baden-Württemberg hohe Priorität.“

Bekenntnis zur Hauptschule

Eisenmann hatte, wie berichtet, eine Änderung angeregt, weil zunehmend Schüler in den sechsten, siebten oder achten Klassen von Real- und auch Gemeinschaftsschulen an Hauptschulen wechseln. Bisher ist für den Fortbestand einer Schule allerdings ausschlaggebend, wie viele Anmeldungen sie in Klasse fünf verzeichnet. Bleiben diese Anmeldungen an einer Schule zwei Jahre hintereinander unter 16, darf sie keine neuen Schüler mehr aufnehmen. Wegen der späten Schulwechsler will Eisenmann künftig den Durchschnitt der Schülerzahlen in den Klassen fünf bis neun zur Grundlage für den Fortbestand machen. „Wir brauchen diese Schulart flächendeckend“, hatte Eisenmann bereits früher gesagt.

Grüne anderer Ansicht

Die Grünen teilen diese Einschätzung nicht, sie wollen „den Fokus eher auf die Qualitätsentwicklung“ legen. Stefan Fulst-Blei, der Bildungsexperte der SPD, wirft der Kultusministerin vor: „Susanne Eisenmann ist schon wieder auf Stimmenfang und hofft, dass ihr mit der nächsten Rettungsrunde für die Hauptschulen ein paar zusätzliche Wähler ins Netz gehen.“ Eisenmann ist Spitzenkandidatin der CDU für die Landtagswahl 2021. Die Regelungen für den Fortbestand der Schulen auszuhebeln, sei „fachlich völlig sinnbefreit“, so der SPD-Abgeordnete. Die Ministerin werfe „ihre eigenen Qualitätsstandards über Bord“. Dagegen fordert die FDP die grün-schwarze Koalition auf, „ihren unwürdigen Zank über die Zukunft der Haupt und Werkrealschulen zu beenden“. Das verunsichere Eltern, Lehrer und Schüler. Die FDP hat den Vorschlag Eisenmanns als Gesetzentwurf eingebracht.

Der Verband Bildung und Erziehung steht hinter dem Vorstoß und verweist auf das besondere pädagogische Angebot der Hauptschule. Der Städtetag rät dagegen, Verbünde aus Haupt- und Werkrealschulen mit Realschulen oder Gemeinschaftsschulen zu bilden, ehe einzelne Schulen zu klein werden.

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