Braucht es weitere Gleise am Hauptbahnhof? Foto: imago images/Arnulf Hettrich

OB Frank Nopper fordert, Verkehrsminister Winfried Hermann solle die Machbarkeitsstudie zur Ergänzungstation „unverzüglich“ vorlegen. Doch es sieht nicht danach aus, als ob es dazu käme.

Stuttgart - Im Stuttgarter Rathaus ist man gerade nicht besonders gut auf Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) zu sprechen. Bisher hat die Stadt nur durch Berichte unserer Zeitung über den Inhalt der vom Land in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie für eine Ergänzungsstation am Stuttgarter Hauptbahnhof erfahren. Die Idee dahinter: Um zusätzliche Kapazitäten auf der Schiene zu schaffen, sollen Züge in einem unterirdischen Kopfbahnhof halten können. Der Haken an der Sache: Die Grundstücke, auf denen dieser Halt und die mehr als fünf Kilometer Tunnel dorthin entstehen sollen, gehören der Stadt. Sie möchte dort die Stadtquartiere der Zukunft bauen.

 

Ministerium verweist auf Koalitionsgespräche

„Unverzüglich“ solle Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) deswegen den ihm vorliegenden Abschlussbericht einer Machbarkeitsstudie vorlegen, so OB Frank Nopper (CDU). „Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, welche konkreten Vor- und Nachteile einer solchen Ergänzungsstation die Gutachter festgestellt haben. Nach den uns bisher vorliegenden Erkenntnissen würde eine solche Ergänzungsstation den Zielsetzungen des Gemeinderats für das Rosensteinquartier zuwiderlaufen“, sagt der Rathaus-Chef unter Hinweis auf die von unserer Zeitung veröffentlichten Details aus dem gut 60 Seiten starken Papier. Die Zeit drängt aus Sicht der Stadt. Die Ergänzungsstation soll Gegenstand der aktuell laufenden Koalitionsverhandlung zwischen den Grünen und der CDU werden. Daher müsse die Studie alsbald veröffentlicht werden, „jedenfalls bevor das Thema Gegenstand des Koalitionsvertrags auf Landesebene wird“, heißt es bei der Stadt.

Land prüft weiteren „Untersuchungsbedarf“

Ein Sprecher des Landesverkehrsministeriums weicht der Frage aus, ob Hermanns Haus der Forderung der Landeshauptstadt nachkommt. „Wir können Ihre Fragen derzeit nicht beantworten, da über die Ergänzungsstation in den laufenden Koalitionsverhandlungen gesprochen wird. Den Ergebnissen dieser Gespräche können wir nicht vorgreifen.“

Zuletzt legte das Ministerium Wert auf die Feststellung, bei dem mit dem Wort „Abschlussbericht“ überschriebenen Werk handele es sich um einen „Entwurf“, der intern noch „tiefer bewertet“ werden müsse. Gegebenenfalls werde „ergänzender Untersuchungsbedarf festgelegt werden“ müssen.

SPD-Stadtrat Martin Körner hat diesen Vorgang zuletzt kommentiert: „Das Gutachten fällt wohl zu negativ aus, als dass es bereits jetzt mitten in den Koalitionsverhandlungen öffentlich werden darf. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!“

Abriss des IGA-Stegs?

In dem Gutachten werden mehrere Varianten untersucht. Der Bahnhof selbst könnte vier aber auch sechs Gleise bekommen. Allerdings sehen die Experten Schwierigkeiten dabei, die Anlage so tief anzuordnen, dass die Stadt an der Oberfläche ihre städtebaulichen Vorstellungen verwirklichen kann. Sehr viel weiter in den Untergrund kann der Halt nicht verlegt werden, da ansonsten beim Bau Konflikte mit den mineralwasserführenden Schichten auftreten würden. Für den Bau der Tunnel müssten am Nordbahnhof Teile des IGA-Stegs abgerissen werden. Die U12 in der Nordbahnhofstraße müsste unterbrochen werden. Die Zuführung der Fernbahn aus Bad Cannstatt müsste hohe Hürden nehmen. Sie sei „zwar theoretisch denkbar, unter praktischen Gesichtspunkten allerdings nicht als realistisch umsetzbar anzusehen“.

Seit etwa zwei Jahren untersucht eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des Verkehrsministeriums weitere Ausbauoptionen für den Schienenverkehr in der Region. Schon als die Experten einen Zwischenbericht in Sachen Ergänzungsstation vorlegten, hielt sich die Begeisterung im Stuttgarter Rathaus über deren Aussagen in engen Grenzen. Damals sagte ein Rathaus-Sprecher: „Die vorläufigen Ergebnisse scheinen die städtischen Bedenken in den von Ihnen aufgeführten Punkten zu erhärten. Die weiteren Untersuchungen bleiben abzuwarten“. Diese liegen nun vor, die Stadt scheint sie aber nicht sehen zu dürfen.