Sie gehörten früher zum Ortsbild von Zell: Ochsengespanne vor der damaligen Metzgerei und Gaststätte Ochsen.Fotos: Geschichtswerkstatt Zell / Foto:  

Der Backhausplatz in Esslingen-Zell ist ein spannendes Pflaster. Nun soll er durch eine Ochsenstatue weiter aufgewertet werden. Doch die Skulptur ist umstritten.

Es war schon ein komisches Gefühl. So richtig wohl war Erwin Barth nicht bei der Sache. Denn er musste immer auf der Hut sein. Hochkonzentriert ging er neben dem Ochsengespann her und passte auf, dass Ochse Peter keine Extratouren unternahm. Denn der kapitale Vierbeiner konnte nicht nur schwer beladene Karren durch Zell ziehen – er war auch als äußerst stur bekannt. Vor allem wenn er Durst hatte und das Wasser im Dorfbrunnen witterte, war er unberechenbar. Doch Erwin Barth musste den Darbenden im Zaum halten und ein Ausbrechen verhindern. Eine Erfahrung, die er auch im höheren Alter nie vergessen hat. Immer wieder hat er seinem Sohn Werner Barth die Geschichte vom störrischen Ochsen Peter aus den 1930er-Jahren erzählt – und Werner Barth hat sie im Gedächtnis bewahrt. Als es nun um eine weitere Aufwertung des Backhausplatzes in Zell ging, kramte er als Mitglied der örtlichen Geschichtswerkstatt die tierische Story wieder aus seinem Gedächtnis hervor. Auf Basis dieser Erinnerungen soll Ochse Peter nun ein Denkmal gesetzt werden. Eine lebensgroße Skulptur des tierischen Originals könnte auf dem Backhausplatz bei der Bachstraße aufgestellt werden – so lautet zumindest der Plan einiger Einwohner.

 

Wer übernimmt die Pflege des Platzes?

Doch auch ohne Ochsenstatue ist der Platz ein besonderer Ort. Die Steine hätten viel zu erzählen, wenn sie denn reden könnten. Das kann Jochen Straub vom örtlichen Obst- und Gartenbauverein für sie übernehmen. Früher, erzählt er, befanden sich an dieser Stelle ein altes Bauernhaus und ein Schotterplatz. Die Zeller Bevölkerung und die Stadt Esslingen machten sich aber Gedanken um eine Neugestaltung und sammelten Ideen für den Backhausplatz. Ein Ingenieurbüro übernahm die fachliche Umsetzung und gestaltete den Platz neu. Nach diesen Plänen setzten Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins viel Kraft, Zeit, Kapazitäten und ehrenamtliche Manpower ein, um den Backhausplatz zu einer Verweiloase zu machen. Er wurde gepflastert, erneuert, erhielt eine Mauer mit einem Rundbogen. Auch ein alter Zeller Brunnen, den die Stadt eingelagert hatte, wurde aufgestellt. 2009 war alles fertig. Die Materialkosten habe die Stadt übernommen, so Jochen Straub, dessen Verein sich noch immer um die Pflege des Platzes kümmert.

Ein Backhäuschen steht auch darauf. In früheren Zeiten, weiß Werner Barth von der Geschichtswerkstatt Zell, haben Familien hier ihr Brot gebacken. Denn viele hatten zu Hause nicht die technischen Möglichkeiten dazu. Später war das Häuschen ein Anlaufpunkt für alle, die der Schuh drückte. Denn in dem Gebäude hatte Schuhmachermeister Ernst Eichholz nach dem Zweiten Weltkrieg und der Vertreibung aus seiner schlesischen Heimat eine Werkstatt eingerichtet. Er und später sein Sohn Friedrich haben Fußbekleidung repariert. Sie beherrschten zwar noch das Handwerk der Schuhherstellung, weiß Werner Barth. Doch handgemachte Schuhe waren nicht mehr erschwinglich und daher nicht gefragt. Maßanfertigungen waren viel zu teuer. Die Werkstatt hatte noch eine andere Funktion: Hier wurden auch kleinere Gartengeräte, Sämereien, Spritz- und Düngemittel für den Kleingärtnerverein Zell verkauft, dem Friedrich Eichholz angehörte. Die Schuhmacher-Tradition der Familie Eichholz endete mit der Schließung der Werkstatt Anfang der 1970er-Jahre. Der Enkel Ernst hatte andere Berufspläne und wurde Lehrer in Donaueschingen.

Ist der Zeitplan realistisch?

Ochse Peter aber soll an seine alte Wirkungsstätte zurückkehren. Die Statue,berichtet Tobias Hardt vom Bürgerausschuss Zell, wurde von der Köngener Künstlergruppe Hakle Bunt hergestellt und soll der Bevölkerung als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt werden. Die Skulptur sei vier Tonnen schwer, vier Meter lang, einen Meter breit und zeige einen liegenden Ochsen. Um seine Aufstellung auf dem Backhausplatz habe es viele Diskussionen gegeben. Nun gebe es Pläne, so ergänzt Regine Babelotzky vom Bürgerausschuss, den dortigen Brunnen zu drehen. Er soll seinen jetzigen Standort verlassen und quer zur Bachstraße an den Rand des Gehwegs gestellt werden. Auf der so frei werdenden Fläche zwischen versetztem Brunnen und Lindenbaum könne dann Ochse Peter seine neue Heimat finden. Tobias Hardt hofft auf eine Aufstellung bis zum Herbst, andere Mitglieder des Bürgerausschusses halten diesen Zeitplan für unrealistisch. Zumal noch Gespräche mit der Stadt Esslingen geführt werden müssten.

So muss Ochse Peter erst einmal eine Ochsengeduld an den Tag legen. Ursprünglich, sagt Werner Barth, habe er ja daran gedacht, die Statue einer Kuh für den Backhausplatz vorzusehen. Doch diese Rinder waren früher die ganze Zeit im Stall und nicht im Freien – daher wäre eine Open-air-Kuh-Statue nicht authentisch gewesen. Ochse Peter dagegen ist realitätsnaher. Er hatte einst schwere Lasten durch Zell gezogen. Nun hätte er sich seinen Ruheort auf dem Backhausplatz redlich verdient.

Das sagt die Stadt Esslingen

Einigung
Die mögliche Aufstellung einer Ochsenskulptur auf dem Zeller Backhausplatz hat für Diskussionen gesorgt. „Es handelt sich um einen öffentlichen Raum und die Anforderungen an die Verkehrssicherheit müssen daher gegeben sein, weil der Ochse von Kindern bespielt werden kann“, teilt die städtische Pressesprecherin Nicole Amolsch mit. Baubürgermeister Hans-Georg Sigel habe aber bei einem Ortstermin mit dem Bürgerausschuss Zell und Vertretern des Obst- und Gartenbauvereins aufgezeigt, wie eine Lösung für die Aufstellung des Ochsen aussehen könnte.

Zeitplan Nach Angaben von Nicole Amolsch wurden Unterlagen mit Plan und Kostenschätzung übermittelt: „ Jetzt steht aktuell eine Prüfung durch den Bürgerausschuss und den Obst- und Gartenbauverein Zell an“. Der Verein habe die Backhausplatzfläche ehrenamtlich gebaut und pflege sie seither.

Kosten Die Stadt hat laut Nicole Amolsch keine Mittel für den Umbau im Budget und habe das auch so vermittelt. Der Bürgerausschuss, der den Ochsen habe anfertigen lassen, prüfe nun, ob und wie eine Realisierung über Spenden oder Sponsoren möglich sein könnte.