Was bringt die Zukunft für die Stuttgarter Schulen? Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Die Stadt will die Werkrealschulen abschaffen, der Widerstand dagegen wächst. Aber die Pläne sind richtig, meint unsere Redakteurin Viola Volland.

In der Stuttgarter Bildungslandschaft sind große Umwälzungen geplant. Wie weitreichend sie sind, sickert erst nach und nach bei vielen Beteiligten in den Stadtbezirken ein. Stuttgart will sich vom dreigliedrigen Schulsystem verabschieden – das ist ein Umbruch. Leidtragender ist die Werkrealschule. Die Stadt will die Schulform abschaffen.

 

Die Frage ist: gelingt ihr das? Alles sieht danach aus, als würde die Mehrheit der Fraktionen nicht mitziehen. Im Schulbeirat haben unter anderem die CDU und die SPD angekündigt, einige Werkrealschulen noch erhalten zu wollen. Die Sorge ist groß, dass ansonsten Schülerinnen und Schüler aus besonders schwierigen Verhältnissen verloren gehen – und die Realschulen überfordert werden könnten.

Doch so hart es klingt: Jetzt einen Rückzieher zu machen wäre ein Fehler, ein Abschied auf Raten die schlechtere Option. Denn dann stünden die übrig gebliebenen Schulen noch viel mehr unter Druck, die nötigen Schülerzahlen zustandezubekommen. Ihre Schulart gehört, so sieht es die Mehrheit der Eltern, der Vergangenheit an. So wertvoll die Arbeit ist, die täglich an der Werkrealschulen geleistet wird – mit der Entscheidung des Landes, den Werkrealschulabschluss abzuschaffen, wurde ihnen die Zukunftsperspektive entzogen. Die Anmeldezahlen zeigen deutlich: Die Stuttgarter Eltern wünschen sich für ihre Kinder mehr als nur den Hauptschulabschluss als Option.

Natürlich brauchen die Realschulen und die Gemeinschaftsschulen Unterstützung, wenn sie mehr herausfordernde Schüler aufnehmen. Aber die absoluten Zahlen halten sich tatsächlich in Grenzen, da muss man kein Schreckgespenst an die Wand malen. Momentan sitzen in den Werkrealschulen überproportional viele Kinder und Jugendliche, die bildungsfern aufwachsen, die geflüchtet sind, die einen inklusiven Bedarf haben. Für ihre Integration wäre es sicherlich besser, wenn sie nicht geballt in einer Gruppe beschult würden, sondern eine andere Lernumgebung hätten.

Gerade die Stuttgarter Gemeinschaftsschulen zeigen, dass auch diese Schulart in der Lage ist, mit schwierigem Klientel umzugehen und dabei Erfolge zu erzielen. Auch den Realschulen kann man sehr wohl zutrauen, einige wenige anspruchsvolle Kinder mehr aufzunehmen.