Direkt am Bahnhof und schön grün: das Kallenberg’sche Areal war einst ein Fabrikgelände und ist heute ein Parkplatz. Foto: DQuadrat

Ungeachtet der Proteste wird das Kallenberg’sche Gelände am Ludwigsburger Bahnhof bebaut – nicht mal die Grünen wollen das noch verhindern. Die meisten Bäume dort werden gefällt. Immerhin hat die Stadt den Kritikern jetzt ein kleines Trostpflaster versprochen.

Ludwigsburg - Eine Unterschriftensammlung, eine Flugblattaktion, Beschwerden – gewirkt hat bislang nichts, und seit Donnerstagabend dürfte jedem klar sein: Der Protest wird erfolglos bleiben. Der Bauausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung unmissverständlich deutlich gemacht, dass die Pläne für die Bebauung des Kallenberg’schen Areals in Ludwigsburg nicht mehr verändert werden. Auf dem Grundstück, das an prominenter Stelle direkt am Bahnhof und am Eingang zur Innenstadt liegt, soll ein vierstöckiges Gebäude in die Höhe wachsen: Für eine Klinik, Büros, Wohnungen, ein Hotel und ein Café. Der „hochattraktive Nutzungsmix“ sei ein Glücksfall für Ludwigsburg, sagte Anne Mayer-Dukart, die stellvertretende Leiterin des Stadtplanungsamts. Die Verwaltung verspreche sich davon eine Stärkung der Aufenthaltsqualität und die Aufwertung einer stark „untergenutzten Fläche“.

Untergenutzt – das ist in diesem Zusammenhang die Umschreibung für einen schnöden Parkplatz, der, wenn es dunkel wird, manchmal auch eher zwielichtige Gestalten anlockt. Dass diese Betonfläche zwischen Leonberger Straße, Bahnhofstraße und Solitudestraße verschwindet – Mayer-Dukart würde sagen: umgenutzt wird –, stört auch die Kritiker nicht. Es sind Stämme, Äste und Blätter, an denen sich der Protest entzündet. 40 teils jahrzehntealte, mächtige und prächtige Bäume stehen auf dem Areal, und die meisten davon müssen gefällt werden, um Platz für den Gebäuderiegel zu schaffen. Im August übergab die Interessengemeinschaft Stadtnatur im Rathaus einen Appell. „Wir sind nicht voll gegen die Bebauung“, sagte eine Sprecherin. Aber man wolle, dass die Planungen abgespeckt werden, um möglichst viel Grün retten zu können. Bäume seien ein wichtiges Bollwerk gegen den Klimawandel.

Die Stadt hat Verständnis für den Protest, wird aber nicht nachgeben

Ilk nahm das Papier entgegen, freundlich und verständnisvoll, wie es seine Art ist. Im Ausschuss aber erklärte die Verwaltung eindringlich, warum der Protest gegen die Umnutzung des untergenutzten Parkplatzes in ein Haus mit tollem Nutzungsmix leider nutzlos sein wird: Die Stadt hat das Gelände bereits verkauft und der Investor viel Geld in die Planung und den Architektenwettbewerb gepumpt.

Die Stadträte wiederum haben das gesamte Vorhaben nicht nur stets wohlwollend begleitet, sondern waren geradezu begeistert, als die ersten Entwürfe auf den Tisch kamen. „Es war bei allen Beschlüssen immer klar, dass da Bäume wegfallen“, sagte die SPD-Fraktionschefin Margit Liepins am Donnerstag. „Es ist zu spät, sich jetzt darüber zu beklagen.“ Auch Christine Knoß von den Grünen sieht keine Chance für grundlegende Änderungen. „Dass die Bäume wegkommen, tut uns total weh, aber wir können nichts mehr machen.“

Einige Bäume sollen nicht gefällt, sondern umgepflanzt werden

Ähnlich, aber irgendwie völlig anders äußerte sich Andreas Rothacker. „Die Sache ist längst beschlossen – und jetzt kommen die da mit ihren Bäumen“, echauffierte sich der Freie Wähler eher unfreundlich und wenig verständnisvoll, und auch hier könnte man hinzufügen: wie es seine Art ist. Die Verwaltung brachte den Kritikern immerhin ein Trostpflaster mit und verkündete, dass einige Bäume nicht umgehackt, sondern verpflanzt werden – wohin, ist noch nicht endgültig entschieden.

Erstmals präsentierte Mayer-Dukart auch einen konkreten Zeitplan. Man rechne damit, dass der Investor im Oktober das Baugesuch einreiche, das voraussichtlich Anfang 2019 genehmigt werde. 2021 soll das Gebäude fertig sein. Insgeheim hofft die Verwaltung wohl, dass die Stimmung vor Ort spätestens dann umschlägt – von Ablehnung in Zustimmung. Die Leonberger Straße leidet unter Leerständen und gilt als wenig attraktiv. „Wir hoffen, dass von dem Neubau mit seinen vielfältigen Nutzungen ein Impuls für das gesamte Gebiet ausgeht“, sagte Mayer-Dukart.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: