Ob Modellflugzeuge, Modellhubschrauber und Drohnen eine grundsätzliche Bedrohung für Natur und Tierwelt darstellen, ist umstritten. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Die einen fühlen sich von den kleinen, ferngesteuerten Flugobjekten gestört. Sie klagen über den Lärm und die Folgen für die Tierwelt. Andere hingegen sehen Potenzial in Drohnen und Co. – vor allem für die Natur.

Filder - Hans Martin Wörner hatte schon das Schlimmste befürchtet. Am Karfreitag hatte ein Mann auf der Wiese unweit seines Hauses in Dürrlewang seinen Modellhubschrauber steigen lassen und dadurch einen unerhörten Krach verursacht. Das Spektakel wiederholte sich daraufhin mehrmals. Auch die herbeigerufene Polizei konnte zunächst nichts ändern, wies lediglich darauf hin, dass der Krach die Anwohner störe.

Seither hat sich die Lage beruhigt. Er hoffe, dass es so bleibt, sagt Wörner. „Der Mann war noch ein einziges Mal da, am Sonntag, aber nur kurz“, sagt er spürbar erleichtert. Damit ist die Sache für ihn erledigt. Wörner und den Nachbarn ging es schließlich nur um die Ruhe. Ein „Prozesshansel“ sei er nicht. Ob der Mann ein Einsehen gehabt hat oder es ihm schlicht an der Zeit für sein Hobby fehlt, weiß Wörner nicht. Fest steht: Rechtlich bewegen sich Modellflieger, die auf Privatgrundstücken unterwegs sind, zumindest auf dünnem Eis. Denn das Landesnaturschutzgesetz verbietet es grundsätzlich, landwirtschaftliche Flächen von Anfang März bis Ende Oktober zu betreten.

Der Nabu hat ein Regelwerk für Drohnen erstellt

Ob Modellflugzeuge, Modellhubschrauber und Drohnen eine grundsätzliche Bedrohung für Natur und Tierwelt darstellen, ist allerdings umstritten. Der Landesverband Baden-Württemberg des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) sieht die Sache differenziert und hat eigens ein Regelwerk erstellt, um den Einsatz von Drohnen möglichst naturverträglich zu gestalten. Demnach dürfen wild lebende Tiere, insbesondere Vögel, durch den Drohneneinsatz nicht beunruhigt werden. Bei Anzeichen einer Störung von Tieren wie zum Beispiel Auffliegen, Flucht, Aggression oder Warnrufen sollten Piloten die Ausübung des Drohnenbetriebs sofort einstellen und das Gebiet verlassen. „Die Regeln tragen entscheidend dazu bei, die Nutzung der Drohnen relativ naturverträglich zu gestalten, wobei diese nicht als abgeschlossen betrachtet werden dürfen. Neue Kenntnisse – zum Beispiel über Fluchtdistanzen einzelner Arten – können durchaus zu einer Anpassung der Regeln führen“, sagt Markus Pagel vom Nabu-Landesverband.

Fest steht für den Naturschutzbund, dass die Technik großes Potenzial hat, im Sinne der Natur eingesetzt zu werden. Markus Pagel verweist auf ein Projekt des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung aus dem Jahr 2014. Die Wissenschaftler nutzten eine Drohne, um Buchenwälder des Thüringer Nationalparks auf deren Artenvielfalt und ökologischen Zustand hin zu untersuchen. Statt zeitaufwendige Kartierungen im Gelände zu erstellen, schickten die Forscher ein „fliegendes Auge“ über die Baumkronen, das präzise Ergebnisse lieferte.

Das „fliegende Auge“ hilft beim kartieren

Positive Auswirkungen kann auch das Modellfliegen auf die Tierwelt haben. Das betont Daniel Wiedenmann, der eine Modellflugschule in München betreibt. Er verweist auf Erfahrungen eines Vereins aus der Nordheide. Demnach nutzten mehrere Vogelarten das Fluggelände des Vereins zur Jagd, als Brutplatz und zur Nahrungssuche.

Andernorts ist ein Modellflieger nahe einer Schulklasse abgestürzt

Daniel Wiedenmann selbst lässt seine Modellflieger von Feldwegen aus über die angrenzenden Felder fliegen. Das sei legal. Die Bauern, denen sie gehörten, hätten ohnehin nichts dagegen. „Das ist sogar gern gesehen, weil es die Raben vertreibt“, so der Modellfluglehrer. Auch Wiedenmann hat schon Streit mit Anwohnern wegen Lärm gehabt. Er setzt auf Dialog und gemeinsame Absprachen – gleich die Polizei zu holen, sei eine Unart, findet er.

Gefährlich können Modellflieger aber durchaus auch für unbeteiligte Menschen werden, wie der Fall des Grünen Heiner in Stuttgart-Weilimdorf zeigt. Vor vier Jahren war dort ein Modellflugzeug nahe einer Schulklasse abgestürzt. Die Stadt untersagte daraufhin den Flugbetrieb. Vor einem Jahr wurde er wieder aufgenommen – im Rahmen eines neuen, umfassenden Sicherheitskonzeptes.

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