Die Umstellung von G8 auf G9 bereitet den Schulleitungen der Gymnasien Kopfzerbrechen. Foto: Armin Weigel/dpa

Wie die Umstellung der Gymnasien im Land von G8 auf G9 vonstatten gehen soll, ist noch immer nicht recht klar. Vor allem die privaten Gymnasien tappen im Dunkeln. Am Stuttgarter Mörike-Gymnasium hat eine erste Information Eltern aufgeschreckt.

Seit Wochen stellen Eltern und Schulen immer drängender die Frage, wie bei der Umstellung von G8 auf G9 das neue neunjährige Gymnasien vom Land ausgestaltet wird. Offenkundig ist, dass die Mehrheit der Eltern der künftigen kleinen Gymnasiasten, aber auch die der heutigen Fünftklässler für ihr Kind eine neunjährige Gymnasialzeit wollen. Entsprechend groß war die Überraschung von Eltern der Eingangsklassen des Mörike-Gymnasiums, als sie beim Elternabend erfuhren, dass das Mörike bei G8 bleiben wolle. „Wir Eltern waren wie vom Schlag getroffen und sehr wütend“, beschreibt eine Mutter die Stimmungslage nach dieser Nachricht.

 

„Wir hätten unser Kind auf eine andere Schule gegeben, wenn wir das gewusst hätten“, ärgert sich die Frau, die anonym bleiben will. Sollte das Gymnasium im Stuttgarter Westen tatsächlich nicht auf G9 umstellen, stehe man vor der Frage, wie einen Schulplatz finden in einem der ohnehin überlaufenen anderen Gymnasien in dem Bezirk. Vor diesem Problem sehen sich womöglich viele der Eltern in den dortigen gymnasialen Eingangsklassen. Eine kurz darauf erfolgte WhatsApp-Umfrage habe ergeben, dass mit einer Ausnahme alle Eltern, die sich beteiligt haben, für ihre Kinder einen G9-Zug wünschen. „Die Eltern sind sehr erbost“, sagt die Mutter.

Auch wenn die Information den Eltern so übermittelt worden sei, wie die Mutter versichert, ist noch gar nicht entschieden, dass die Schule tatsächlich bei G8 bleiben wird. Man sei in einer „sehr heiklen Situation“, sagte Elke Theurer-Vogt, Schuldekanin beim Schulträger, der Evangelischen Schulstiftung Stuttgart. Zu dieser gehören neben dem Mörike-Gymnasium auch das Heidehofgymnasium und die Brenz-Schule. Noch immer gebe es kein Gesetz vom Land für die Umstellung von G8 auf G9, noch immer seien „die Rahmenbedingungen nicht geklärt“, stellt die Schuldekanin fest. Das brauche man aber als privater Träger, um sich überhaupt auf den Weg machen zu können.

Es seien „noch keinerlei Entscheidungen getroffen“

Aufgrund von vielen Unsicherheiten und Unwägbarkeiten befinde man sich in einem Dilemma, müsse irgendwie planen, ohne dafür die privatschulrechtliche Grundlage zu haben. Allenfalls gebe es derzeit auf Schulebene Tendenzen. Schließlich benötige man bei einer Umstellung auf G9 künftig mehr Lehrer und mehr Räume. So war bei dem Elternabend davon die Rede, dass das Mörike bei G8 bleibe, das Heidehofgymnasium auf G9 umstelle. Es seien aber „noch keinerlei Entscheidungen getroffen“, betont Theurer-Vogt. Diese treffe der Stiftungsrat, dort werde das Thema bei der nächsten Sitzung im Dezember eingebracht.

Zumindest für die staatlichen Gymnasien gibt es nun einige Informationen für die künftige Umstellung. So fand am vorigen Mittwoch eine Veranstaltung für die Schulleiter der Gymnasien statt. So soll es, was schon bekannt war, künftig keine reinen G8-Gymnasien mehr im Land geben. Neu ist nun die Vorgabe, dass Schulen, die einen G8-Zug einrichten wollen, für die Klassen eine Zahl von 27 Schülerinnen und Schüler zusammenbekommen müssen, erzählt Kai Buschmann, der Schulleiter der ebenfalls privaten Waldschule in Degerloch, der an der Sitzung teilgenommen hat. Angesichts der Tatsache, dass G9 von einem Großteil der Eltern bevorzug werde, mache es das den staatlichen Gymnasien schwer, überhaupt G8-Züge einzurichten, ist Buschmann überzeugt.

Ob diese Vorgaben auch für die Privatschulen oder ob für diese bei der Einrichtung von G8-Zügen andere Kriterien gelten, sei „nach wie vor unklar“, sagt der Schulleiter. Auch Nachfragen hätten hier bei der Veranstaltung nicht weitergeführt. Das ist misslich für die privaten Gymnasien, an denen in Stuttgart laut Kai Buschmann etwas mehr als 20 Prozent aller Gymnasiasten unterrichtet werden. Privatschulen haben im Land sonst aber mehr Freiheiten als staatliche Schulen.

Die Waldschule dürfte sich nach jetzigem Stand jedoch bald für die Umstellung auf G9 entscheiden. Denn sollte die Schülerzahl von 27 pro G8-Klasse vom Land auch für die Privatschulen verbindlich festgelegt werden, komme G8 für die Waldschule ohnehin nicht in Frage. Man habe Klassen mit einer „Maximalgröße von 23“ Schülerinnen und Schülern, erklärt Kai Buschmann. Und noch ein anderer Grund spricht für den Schulleiter dagegen, die zweizügige Einrichtung als G8-Schule zu führen: Kai Buschmann ist überzeugt, dass man sich dann dafür entscheiden müsste, die Waldschule zur „Selektiv- und Eliteschule zu entwickeln“. Dies hält der Schulleiter aber nicht für vorstellbar, da man sich als „Potenzialentwicklungsschule“ verstehe. Die Entscheidung, wie es an der Waldschule weitergeht, soll am 6. November fallen.