Die Schweiz stellt in der Silvesternacht auf Digitalradio um – dabei fahren noch mehr als eine Million Fahrzeuge mit UKW-Radios auf eidgenössischen Straßen. Auch in Deutschland experimentiert man mit ersten Ausstiegsdaten.
Zum Jahresende wollen die Eidgenossen wie so viele nur noch abschalten. Auch die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG), das öffentliche Medienhaus, stellt in der Silvesternacht alle UKW-Antennen ab – und auf digitalen Radioempfang um. Mit weniger Knall folgen die Privatsender, bei denen der analoge Empfang schrittweise bis Ende 2026 ausläuft. Dann ist ohne DAB+ oder internettaugliche Radios nur noch Rauschen in Schweizer Autos und Küchen zu hören.
Schluss mit Unterhalt der UKW-Antennen, Parallelbetrieb, Funkkonzessionen: So will die SRG jedes Jahr Franken im zweistelligen Millionenbereich sparen. 50 bis 70 digital verbreitete Programme seien statt ausgebuchter 10 bis 12 analoger Sendeplätze pro Ort möglich, lockt sie. So richtig funkt das nicht bei allen. Einen „Shitstorm, wie sie ihn noch nie erlebt hat“ werde die SRG erfahren, prophezeit Radio-Pionier Roger Schawinski im „Tagesanzeiger.“ Knackpunkt dürfte das Auto sein. Ein Drittel der Schweizer hörte dort 2023 über Kurzwelle, so die Arbeitsgruppe „Digitale Migration“. Und während in Neuwagen DAB+ Standard ist, haben viele ältere Modelle keinen Empfang. Schon bietet der Schweizer Auto Gewerbe Verband den Werkstätten Lehrgänge zur Umrüstung an – das Marktpotenzial sei mit geschätzt 1,8 Millionen Fahrzeugen „erheblich“. Wobei es auch der Adapter im Zigarettenanzünder tut.
Sind die Nutzer bereit für Digitalradio? Die Meinungen gehen auseinander
Und Deutschland? Ein Datum für ein bundesweites UKW-Aus gibt es nicht. In Schleswig-Holstein haben sich Sender und Landesregierung geeinigt, von 2025 an nach und nach auf Digitalradio umzustellen. Der Deutschlandfunk hat das bereits im Juni teils getan. Und zum Sparen drängt man ARD und ZDF seit Jahren. Das Grundrauschen ist da.