Ein Tag nach dem Großbrand in Oberstenfeld (Kreis Ludwigsburg) äußert sich der Kreisbrandmeister – es gibt noch viele Fragen. Auch andere Personen hat das Unglück aufgeschreckt.
Nach vier Stunden hatte die Feuerwehr den Großbrand auf dem ehemaligen Werksgelände von Werzalit in Oberstenfeld endgültig gelöscht. Doch der Einsatz war damit nicht zu Ende. Noch bis 7 Uhr morgens hielten Mitglieder der Feuerwehr eine Brandwache, um sicherzustellen, dass sich nichts neu entzündet. Erst nach 18 Stunden also konnten die letzten der freiwilligen Helfer ihre Zelte abbrechen. Wie es mit der inzwischen einsturzgefährdeten Halle weitergeht, ist noch offen.
Die Halle an der Gronauer Straße, am Ortsrand von Oberstenfeld, ist seit Längerem vermietet und wird als Mehrzweckhalle von unterschiedlichen Firmen genutzt, zum Teil als Lagerhalle, aber auch eine Autowerkstatt ist dort ansässig. Am Sonntagmittag gegen 13.45 Uhr wurde von dort ein Feuer gemeldet, dicke schwarze Rauchschwaden traten aus der Halle empor.
Fast 170 Feuerwehrleute waren im Einsatz
Da zu diesem Zeitpunkt nicht klar war, was in der Halle alles gelagert wird, wurde unmittelbar eine Warnung über die Nina-Warnapp an die Bevölkerung herausgegeben, dass Anwohner Fenster und Türen geschlossen halten sollten. Die Warnung konnte aber im Laufe des Nachmittags aufgehoben werden.
Fast 170 Feuerwehrleute von sieben unterschiedlichen Wehren aus den umliegenden Städten und Gemeinden waren vor Ort, um den Brand unter Kontrolle zu bekommen. „Ich bin mit überschwänglichen Formulierungen sonst sehr zurückhaltend, aber hier hat wirklich alles hervorragend geklappt“, erzählt der Kreisbrandmeister Andy Dorroch. Ein Übergreifen des Feuers auf Nachbargebäude und nahebei geparkte Fahrzeuge konnte verhindert werden, „alle haben großartig Hand in Hand gearbeitet“. Selbst das Technische Hilfswerk war vor Ort, um bei der Ausleuchtung zu unterstützen.
Dass die Brandbekämpfung so lange Zeit in Anspruch genommen hat, hatte in dem Fall nichts mit einem komplizierten Brandherd zu tun, sondern damit, dass die Wehrleute das Feuer von außen bekämpft haben, erklärt der Brandmeister. Schließlich war nicht klar, wie sicher ein Gang ins Gebäude gewesen wäre. „Diese Konstruktionen können bei einem Brand ganz schnell ihre Tragfähigkeit verlieren“, so Dorroch.
„Wenn Menschen in Gefahr sind, ist das etwas anderes, da gehen wir natürlich rein“, sagt der Kreisbrandmeister. So aber wollte man kein unnötiges Risiko eingehen. „Tatsächlich sind während der Löscharbeiten auch Teile des Daches eingestürzt. Wann jemand darin gewesen wäre, das hätte schlimm enden können.“
Schaden wird auf 750.000 Euro geschätzt
Letztlich mussten die Brandbekämpfer dann doch noch ins Gebäude. Dort wurden nämlich unter anderem auch Hackschnitzel gelagert – „und die brennen immer weiter, wenn man sie nicht auseinandernimmt, egal, wie viel man löscht“. Aufgrund der Ausmaße des Feuers richtete die Feuerwehr im Anschluss an die Löscharbeiten noch eine Brandwache ein. Noch spät am Abend befanden sich mehrere Fahrzeuge vor Ort. Kleine Gruppen von Einsatzkräften harrten in wechselnden Schichten sogar bis 7 Uhr morgens aus.
Der Schaden wird nach Schätzungen der Polizei auf rund 750.000 Euro beziffert. Die Beamten haben die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Augenzeugen berichteten unter anderem von einer Explosion. Nach erster Einschätzung geht die Polizei aber eher davon aus, dass der Knall durch das Feuer ausgelöst worden ist, nicht umgekehrt.
Aufregung herrschte am Sonntag in der Whatsapp-Gruppe der Tiertafel Ludwigsburg-Heilbronn, als die ersten Bilder des Brandes online zu sehen waren. Das berichtet die Vorsitzende Bettina Reichel. Es sei zunächst nicht klar gewesen, ob es die Halle mit dem Futterlager der Tiertafel gewesen sei. „Unser Lagernachbar bestätigte später, dass unsere Reihe nicht betroffen war.“ Auch sei zum Glück kein Rauch in das Futterlager eingedrungen.
Bei dem Areal handelt es sich um das ehemalige Werksgelände der Firma Werzalit. Auf der rund 12,3 Hektar großen Fläche soll das Baugebiet Bottwarwiesen für rund 1300 Menschen entstehen, eines der größten Neubaugebiete der Region.
Der Brand beeinträchtigt die Vermarktung des Areals offenbar nicht
Die Vermarktung des Geländes sei durch den Brandschaden nicht betroffen, erklärt Wolfgang Matt, Geschäftsführer der Levkas GmbH, einer Tochter der Volksbank Backnang, der das gesamte Areal gehört. Die offene Halle stehe im hinteren Bereich des Geländes – und damit weder im ersten noch im zweiten Bauabschnitt.
Die Levkas GmbH will laut Matt die Stellungnahme des Gutachters von der Versicherung abwarten und dann eventuell die Halle vorzeitig abreißen. Für das Gesamtgelände soll der Bebauungsplan Ende 2026 oder Anfang 2027 festgestellt werden.