Bis Dienstagabend soll auf der Uni-Wiese am Pfaffenwald nichts mehr zu sehen sein. Foto: Julia Bosch

Nach drei Tagen Musik, Kultur, Politik und Sonnenschein beim Umsonst und Draußen in Stuttgart-Vaihingen folgt das große Putzen. Wir haben die übermüdeten und dennoch fleißigen Festivalhelfer am Montagmorgen besucht.

Vaihingen - Wann er sich in der Nacht zum Montag in sein Zelt zum Schlafen gelegt hat, weiß Uli nicht. Der 46-Jährige lässt sich auf die Bierbank im Schatten fallen und sagt: „Beim Umsonst und Draußen bin ich zeitlos, ich schaue nie auf die Uhr.“ Uli gehört zu den vielen Helfern des Festivals in Vaihingen und hat harte Tage hinter sich: die Organisation davor, der Aufbau in der vergangenen Woche, drei Tage Party am Wochenende und nun der Abbau am Montag und Dienstag. „Ich muss erst einmal etwas frühstücken, sonst geht gar nichts“, sagt der 46-Jährige und schleppt sich zum Zelt der Helfer. Dort gibt es Kaffee – und Bier für diejenigen, die in den vergangenen Tagen nicht genug hatten und noch trinken können.

Trinken, vor allem in Form von Wasser, war in den vergangenen Tagen wichtig, schließlich herrschten tagsüber tropische Temperaturen auf der Uni-Wiese am Pfaffenwald. Offenbar haben die Besucher des 39. Umsonst und Draußen recht gut auf sich geachtet und ihre Flüssigkeitszufuhr im Blick behalten: „Wir hatten nur einen Fall von Dehydration und das war tatsächlich auch der einzige größere Einsatz der Sanitäter. Ansonsten gab es nur ein paar Mückenstiche und Ähnliches“, berichtet Roland Brömmel. Er gehört seit 35 Jahren zu den Organisatoren des Festivals und ist der Sprecher.

Trotz Müdigkeit muss der Zeitplan eingehalten werden

„Es war grandios, ich bin immer noch überwältigt“, sagt Brömmel, wenn man ihn nach dem Wochenende fragt. Er schätzt, dass am Samstagabend um die 3500 Besucher da waren, am Sonntag etwa 2000 Menschen. Zwar sei es immer friedlich beim Umsonst und Draußen, dieses Jahr seien ihm aber noch mehr als sonst die entspannten und gut gelaunten Menschen aufgefallen. „Wenn man das sieht, geht einem das Herz auf und man weiß, wofür man sich ein Jahr lang diesen Stress gibt.“

Das Umsonst und Draußen ist kein typisches Festival wie etwa das Southside Festival oder Rock am Ring. Wie der Name schon verspricht, kostet es keinen Eintritt. Das Festival finanziert sich über den Verkauf von Essen und Getränken, außerdem gibt es einige Sponsoren. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass zwar um die 20 Bands auftreten, doch es gibt zusätzlich auch mehrere politische Beiträge, Diskussionsrunden und Infostände. In diesem Jahr stand die Digitalisierung im Mittelpunkt. Die Vorträge stammen alle aus dem linken Spektrum; schon seit seiner Gründung ist das Umsonst und Draußen ein Fest der linken Szene. In diesem Jahr gab es zum Beispiel auch einen „antimilitaristischen Stadtrundgang“ zu kriegsrelevanten Orten in Vaihingen. Dass auf der Wiese neben der Universität gefeiert wird, hat übrigens nichts zu sagen: Das Festival ist keine Studentenparty, vielmehr kommen die meisten seit Jahren oder Jahrzehnten.

Selbst am Tag danach geht es fröhlich zu, selbst wenn die Müdigkeit der Helfer und Besucher deutlich erkennbar ist. Ein Teil der Hauptbühne, das große Zirkuszelt und viele Zelte von den Gästen, die auf der Uni-Wiese übernachten, stehen noch. Nach dem Frühstück müssen die rund 50 Helfer jedoch loslegen, damit der Zeitplan für den Abbau eingehalten wird. „Das ist eine relativ umfassende Logistik: Wo muss wann welche Absperrung stehen, damit sie abgeholt werden kann? Was passiert mit dem Müll? Haben wir alle Bierbänke beisammen?“, zählt Roland Brömmel auf.

200 Bierbankgarnituren und zehn Müllcontainer

Bereits am Sonntagabend nach dem letzten Konzert haben die vielen Helfer mit dem Abbau begonnen, vor allem um die sensible und teure Technik so gut wie möglich zu schützen. „Der Montag ist dann der Tag für alles Grobe und am Dienstag machen wir noch den Kleinkruscht“, sagt Brömmel. Um die 200 Bierbankgarnituren müssen die Helfer abbauen und an den Getränkehändler zurückgeben, von dem sie diese ausgeliehen haben. Außerdem muss der Müll auf dem Gelände eingesammelt werden. „Wir haben zehn Müllcontainer auf dem Festivalgelände, die füllen wir. Am Dienstag werden dann die Container abgeholt“, erläutert Roland Brömmel.

Wenn die Uni-Wiese am heutigen Dienstagabend wieder so aussieht wie vor dem Festival, beginnt für Roland Brömmel die Büroarbeit. Zwei bis drei Tage braucht er, um sämtliche Abrechnungen des Festival-Wochenendes zu bearbeiten. Ende der Woche ist sein „Aktiv-Urlaub“, wie er es nennt, dann vorbei, und für Roland Brömmel beginnt wieder der Alltag. Wenn er sich nicht um das Umsonst und Draußen kümmert, arbeitet er als Softwareentwickler. Was ihm bis zum kommenden Jahr bleibt, sind die Erinnerungen an das erste Wochenende im August. „Ein persönlicher Höhepunkt für mich war dieses Jahr der Auftritt von ‚Mono & Nikitaman’ am Sonntagabend. Die Band ist in der linken Szene sehr bekannt. Aber das eigentliche Glanzlicht waren die Glücksgefühle, wenn man über den Platz läuft und all die glücklichen Menschen sieht“, sagt Brömmel.

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