Die Schienenverbindung zwischen dem Nordbahnhof und Vaihingen soll erhalten bleiben. Welche Sanierungsarbeiten dafür nötig sind, ermittelt das Land in einer Machbarkeitsstudie. Die Furcht vor einer Stilllegung geht trotzdem weiter um.
Wird das Schicksal der sogenannten Panoramastrecke, der Stuttgarter Abschnitt der Gäubahn zwischen dem Nordbahnhof und Vaihingen, Thema im aufziehenden Kommunalwahlkampf? Die SPD Stuttgart hat am Sonntag die Zukunft der Trasse bei einer Sonderfahrt mit einem historischen Schienenbus thematisiert. Der Abschnitt soll erhalten bleiben. Das ist der politische Mehrheitswille in der Stadt, in der Region und auch beim Land. Die ursprünglich im Zuge von Stuttgart 21 geplante Stilllegung scheint vom Tisch. Dass aber jüngst der Bau eines neuen Halts an der Trasse, der einen Umstieg am Nordbahnhof ermöglichen würde, auf Eis gelegt wurde und erst jetzt mit eine Untersuchung begonnen wird, wie umfangreich die Sanierungsarbeiten ausfallen werden, lässt wieder Sorgen aufkommen, die Strecke könnte am Ende doch abgebaut werden.
„Leider beginnt das Land jetzt erst mit einer Studie zum möglichen Betriebskonzept auf der erhaltenen Panoramastrecke“, kritisiert Thomas Leipnitz, der Fraktionsvorsitzende SPD in der Regionalversammlung. Die Sanierung der Strecke könnte je nach Ausbaustandard zwischen 130 und 150 Millionen Euro kosten. Vor allem das Instandsetzen der beiden Tunnel am Kriegsberg und am Hasenberg könnten ins Geld gehen. 2023 hatten sich Land, Region und Stadt in einem Kooperationsvertrag darauf verständigt, die Strecke weiter betreiben zu wollen.
Stadt, Land und Region wollen kooperieren
Im für Stuttgart 21 zuständigen Stuttgarter Gemeinderatsausschuss forderten zuvor Sprecher nahezu aller Fraktionen und Gruppierungen, keine Zeit bei dieser Untersuchung zu verlieren – und möglichst auch gleich festzulegen, wo zusätzliche Halte an der Strecke eingerichtet werden können. Aktuell gibt es Bahnsteige am Westbahnhof und beim Rudolf-Sophien-Stift, die allerdings schon seit Jahrzehnten nicht mehr in Betrieb sind.
Stadt priorisiert Verbindung nach Feuerbach
Ines Aufrecht, die im Rathaus die Projekte Stuttgart 21 und Rosensteinviertel koordiniert, warnte davor, die Studie, die vom Land verantwortet wird, mit Erwartungen zu überfrachten. „Zunächst ist uns ein Erhalt der Strecke mit Fortführung in Richtung Feuerbach wichtig“. Das Land wird auch Äste in Richtung Cannstatt und die Verknüpfung von Feuerbach nach Cannstatt mituntersuchen. Letztere gehören zu dem von Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) in Diskussion eingebrachte Nahverkehrsdreieck am Nordbahnhof.
Verbände haken bei Bahnbehörde nach
Während also in den politischen Gremien von Stadt und Land Druck aufgebaut wird, den Erhalt der Strecke sicherstellen, wendet sich ein breites Bündnis aus den Verkehrs- und Umweltverbänden Pro Bahn, Verkehrsclub Deutschland (VCD), Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sowie dem Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV) gegen die geplante Kappung der Gäubahn zwischen dem Nord- und dem Hauptbahnhof. Die soll es wegen des Baufortschritts von S 21 geben, um die neue S-Bahnstrecke an den Bestand anzuschließen. In einem Schreiben an das Eisenbahn-Bundesamt (Eba) weist das Bündnis daraufhin, dass die Unterbrechung aus seiner Sicht nicht mehr unter Hinweis auf die Bauabläufe begründen lasse. Begründet wird dies mit einer bahninternen Untersuchung, wonach die Mehrkosten für den Verzicht auf die Unterbrechung je nach gewählter Variante zwischen 1,5 und 2,8 Millionen Euro betrügen. Vom Eba will das Bündnis nun wissen, ob die Behörde nochmals die im Jahr 2006 erlassene Baugenehmigung für diesen Abschnitt überprüfe, der „die wichtige transeuropäische Eisenbahnstrecke zwischen Stuttgart und Zürich“ betreffe. Die Bahn plant die Unterbrechung der Strecke nach der jüngsten Verzögerung bei S 21 im Sommer 2026.