Die Ziegelstraße in der Innenstadt könnte eine Frischzellenkur vertragen. Foto: /Stefanie Schlecht

Darbende Mitte, blühendes Sindelfingen-Ost. Die Stadt plant für ihre Innenstadt nicht weniger als 21 Einzelprojekte, die das Zentrum beleben sollen. Auch jahrzehntealte Institutionen könnten ein neues Gesicht bekommen.

Ob traditionelle Einzelhandelsgeschäfte wie Schuh Kurz in Böblingen, alteingesessene Läden am Herrenberger Marktplatz oder die zahlreichen Leerstände im Stern-Center in Sindelfingen – spätestens seit der kontaktarmen Zeit der Coronapandemie und dem Aufstieg des Onlinehandels darben die Innenstädte zunehmend.

 

Um Handel und Gastronomie anzukurbeln und mehr Aufenthaltsqualität in der City zu schaffen, macht sich Sindelfingen nun auf den Weg, mit einem Konglomerat an Projekten der Innenstadt Leben einzuhauchen. Im Rahmen des sogenannten Zielbildprozesses „Sindelfingen macht Mitte“ haben verschiedene Akteure aus Stadtverwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft Projektideen entwickelt, die die Vision einer lebendigeren Innenstadt näherbringen sollen.

Innenstädte müssen sich den Herausforderungen stellen

So unterschiedlich die einzelnen Straßen und Plätze sind, die zukünftig umgestaltet werden sollen, so einig ist man sich von Seiten der Stadtverwaltung über das Ziel. „Die Sindelfinger Mitte ist das Herzstück unserer Stadt. Es ist unser Ziel, sie stetig weiterzuentwickeln und attraktiver zu machen“, erklärt Oberbürgermeister Bernd Vöhringer am Mittwoch auf einer Pressekonferenz.

Nach Meinung des OB müsse sich die Innenstadt dem veränderten Konsum- und Mobilitätsverhalten und dem oft aus der Bürgerschaft formulierten Wunsch nach mehr Aufenthaltsqualität anpassen. „Innenstädte sind im Wandel. Deshalb sollen zahlreiche kleinere und größere Projekte in den nächsten Jahren umgesetzt werden“, kündigt Vöhringer an. Dafür werde ein „Team Mitte“, bestehend aus Mitarbeitenden der Verwaltung, der Wirtschaftsförderung und des Citymarketings, aufgebaut. Dieses soll die Maßnahmen koordinieren und zur Umsetzung bringen. Ein „Flächenmanager“ wird hauptamtlich unterstützen.

Der Rathausplatz als Treffpunkt der Generationen?

Ergebnis des Prozesses zur Belebung des Stadtzentrums sind insgesamt 21 Projekte: Vom bekannten Post-Voba-Areal, das ein Haus mit Hochpunkt und ein Kultur- und Bürgerzentrum erhalten soll, bis zur Neugestaltung des Marktplatzes und dem Erhalt der historischen Altstadt haben sich die Verantwortlichen einiges vorgenommen. Aber auch vergleichsweise neue Pläne wie die Umgestaltung des Rathausplatzes hin zu einem Begegnungsort mit Aufenthaltscharakter oder die Umstrukturierung der Mercedesstraße als „quirlige Flaniermeile“ zwischen Bahnhof, Mobilitätspunkt und Grünem Platz sollen die Attraktivität steigern.

Eine Zielgruppe, die bislang wenig Grund für einen Bummel in der Innenstadt hatte, sind junge Menschen. „Wenn wir als Stadt das Zentrum als Herzstück bezeichnen, kann es nicht sein, dass mit den Jüngeren ganze Jahrgänge mit der Innenstadt nichts anfangen können, weil es dort keine Angebote für sie gibt“, sagt Baubürgermeisterin Corinna Clemens selbstkritisch. Gerade auch für diese Zielgruppe wünsche man sich durch das Zielbild „Sindelfingen macht Mitte“ Maßnahmen, die es den vielfältigen Bevölkerungsgruppen in der 65 000-Einwohner-Stadt attraktiv macht, sich zu begegnen.

Lässt sich ein Gegenpol zum Breuningerland schaffen?

Auch wenn „nicht alles neu erfunden werden soll“ (Vöhringer), liest sich die Übersicht der Projekte ambitioniert. Erst recht, wenn man bedenkt, dass außerhalb der Innenstadt im Osten mit dem Breuningerland ein Publikumsmagnet besteht, der die Innenstadt als Einkaufs- und Verweilort in den Schatten stellt. Konkurrenzdenken hält der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, Felix Rapp, dennoch für unangebracht: „Sindelfingen-Ost und die Mitte sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wir sind froh, ein Center zu haben, das überregional Anziehungskraft hat.“

Wohl auch weil Breuninger mit dem geplanten Goldbachquartier im Hinblick auf Handel zu enteilen scheint, machen die Verantwortlichen für die Innenstadt ohnehin angepasste Pläne: „Wir wollen nicht einfach eine Ansammlung von Einzelhandelsläden, sondern Orte mit Aufenthaltsqualität schaffen. Da gehören Handel, Handwerk und Gastronomie dazu, aber nicht nur“, sagt Rapp. Die Attraktivität fördern könnten auch Grünflächen, Wasserspiele, Sitzgelegenheiten und – in der Autostadt nicht ganz unumstritten – autofreie Zonen.

Wie kann das Stern-Center zum Anziehungspunkt werden?

Ebenfalls nicht (mehr) nur Shoppingcenter soll nach Vorstellung der Stadtverwaltung das sich in privater Hand befindliche Stern-Center sein. „Wir würden gerne etwas weg vom Shoppingcharakter hin zu Kultur- und Arbeitsortangeboten. Es gibt viele Interessenten, in Räumlichkeiten auszustellen“, so Corinna Clemens. Dass sich die Stadt an dem so zentralen Ort eine Weiterentwicklung des Geländes wünscht und dafür sogar schon konkrete Umbaupläne in der Schublade hätte, sei für Betreiber und Centermanagement nicht neu, wie Clemens erläutert: „Beide kennen unsere Visionen. Aktuell besteht aber wohl kein Interesse zu verkaufen.“